Schwester Maria an der Staffelei
Porträt

«Sister-Act» der besonderen Art: Schwester Maria ist nicht nur eine vielseitige Künstlerin…

Sie malt und gibt Kurse im Kloster. Sie töpfert aus Leidenschaft. Sie spielt Harfe und gestaltet die Liturgie. Sie unterrichtet Erstkommunionkinder. Seit 30 Jahren erlebt Schwester Maria (51) ausgefüllte Tage im Dominikanerinnen-Kloster. Die gebürtige Zürcher Oberländerin spürte schon früh, dass «Jesus mich wahnsinnig liebt.»

Wolfgang Holz

«Ich bin gerade noch bei den Hühnern», sagt Schwester Maria und bittet um etwas Geduld. Rasant ist sie vor wenigen Minuten mit dem Longboard zu dem Federvieh gefahren, um es zu füttern. Den Kübel mit den Körnern hat sie auf dem Trittbrett platziert. Täglich kümmert sie sich um 18 Hühner.

Seit 21 Jahren in St. Peter in Vorarlberg

Die Hühner sind selbstverständlich nicht ihre einzige Aufgabe. Kein Wunder. Denn die 51-jährige Nonne, die schon seit 21 Jahren in dem Dominikanerinnen-Kloster St. Peter im österreichischen Bludenz lebt, ist nur eine von vier Ordensfrauen.

Idyllisch: Dominikanerinnen-Kloster St. Peter in Bludenz in Vorarlberg
Idyllisch: Dominikanerinnen-Kloster St. Peter in Bludenz in Vorarlberg

Da gibt es eine Menge zu tun. Denn die vier Schwestern leben nicht allein in Sankt Peter. Viele Gäste weilen hinter den Klostermauern im idyllischen Vorarlberg am Rande der Stadt und machen Ferien. Exerzitien. Auch die Frauengruppe Familiaris fühlt sich hier wohl: Frauen ohne Habit und Gelübde, die im Orden mitleben und arbeiten.                                      

Schwester Maria kam mit ihren Mitschwestern 2002 vom Dominikanerinnen-Kloster im bündnerischen Cazis nach Bludenz, Vorarlberg. Da wagten sie einen Neustart, trotz des baufälligen Klosters. 2007 wurde das gesamte Gebäude innen und aussen renoviert.

Drehscheibe geistlichen Lebens

In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich St. Peter in Bludenz zu einer Drehscheibe geistlichen Lebens entwickelt. Sei es mit der täglichen Heilige Messe, mit dem Stundengebet der Kirche, mit dem Leben aus dem Wort Gottes. Sei es die Erstkommunion-Vorbereitung für rund 500 Kinder und ihre Eltern jährlich. Dazu kommen Angebote wie das Frauenfrühstück, der Bibelkreis oder der Abend der Barmherzigkeit.

Töpfert Auftragsarbeiten wie diese Marienfigur: Schwester Maria.
Töpfert Auftragsarbeiten wie diese Marienfigur: Schwester Maria.

Schwester Maria steckt mittendrin in diesen vielseitigen Aktivitäten. «Ich habe auch schon einige Ikonenmalkurse gegeben». Sie töpfert mit grossem Eifer Auftragsarbeiten für das Kloster und modelliert auch Figuren auf Bestellung. «Ich habe bereits Hunderte von «Holy Mary»-Muttergottesfiguren für unseren Klosterladen gefertigt. Der Erlös geht an Mary’s Meals, die arme Kinder in Afrika und Indien unterstützen, indem sie in Schulen eine warme Mahlzeit ermöglichen.»

Und das ist längst nicht alles. Sie hilft die Liturgie in der Kirche mit vorbereiten. Erstaunlich ist, wie sich auch die Menschen der Umgebung einsetzen. Zum Beispiel im St. Peter Chor, den Schwester Maria leitet.

Ihre Fröhlichkeit ist ansteckend

Sie kümmert sich auch um den Kartoffelacker im riesigen Garten. Sie kocht ab und zu. Und das alles mit einem strahlenden Lächeln auf ihren Lippen. Ihre Fröhlichkeit ist ansteckend. Wenn sie spontan lacht, gluckst sie richtig vor Freude.

«Ich wollte mich Jesus ganz schenken.»

Schwester Maria

Wer Schwester Maria trifft, spürt auch sofort, dass sie aus voller Überzeugung ins Kloster eingetreten ist. «Ich habe innerlich schon sehr früh gespürt, dass Jesus mich wahnsinnig liebt. Deshalb wollte ich mich ihm auch ganz schenken», bekennt die aufgestellte Ordensfrau. Sie wirkt mit ihren 51 Jahren noch sehr jung – ob es wohl daran liegt, dass sie an den Weltjugendtreffen in Paris, Rom, Köln und Sidney teilgenommen hat?

Friedensgruss beim Eröffnungsgottesdienst des Weltjugendtags 2016 in Krakau.
Friedensgruss beim Eröffnungsgottesdienst des Weltjugendtags 2016 in Krakau.

Kurios in ihrer Vita ist: Sie verriet ihrer Tante genau in dem Augenblick ihre Entscheidung, ins Kloster einzutreten, als diese ihr schönes Häuschen am See zum Erbe schenken wollte.

Doch für die gelernte Kleinkindererzieherin war materieller Wohlstand keine Verführung, die sie von ihrem Weg abbringen konnte. «Ich habe einfach stets eine grosse Sehnsucht nach tieferer Hingabe empfunden.»

In religiöser Familie aufgewachsen

Schwester Maria wuchs in einer sehr religiösen Familie in Rüti im Zürcher Oberland auf. Sie war eines von fünf Kindern. Ihre Mutter stammte aus Indien, wo ihr Vater sie kennen gelernt hatte. Das Schicksal wollte es so.

Schwester Maria mit ihren indischen Cousinen in Indien.
Schwester Maria mit ihren indischen Cousinen in Indien.

Denn ihr Vater, der Kaufmann war, wollte in China Missionsstationen aufbauen – und für Christus arbeiten. «Da er auf der Schiffsreise dorthin seekrank wurde, landete er in Indien, wo er dann auch meine Mutter kennen lernte», erzählt Schwester Maria.

Mutter war Inderin

«Geheiratet haben meine Eltern in Indien, wohin mein Vater zeitlebens auswandern wollte. Aber die Mutter war schneller und kam in die Schweiz, wo zwischen 1966 und 1977 wir fünf Kinder auf die Welt kamen.» Inzwischen sind ihre beiden Eltern verstorben.

Abstrakte Komposition von Schwester Maria
Abstrakte Komposition von Schwester Maria

Sie selbst ist begeistert von dem «Milliardenreich» in Asien. 2017 war sie zuletzt in ihrer zweiten Heimat, um ihre Verwandten und Cousinen zu besuchen. «Ich habe mich immer eher als Schweizerin gefühlt. Aber mich fasziniert dort das bunte und pulsierende Leben. Das indische Temperament eben.» Trotz der vielen Menschen in Indien habe sie dort ein starkes Miteinander gespürt.

Malerei ist ihr grosses Hobby

Das grosse Hobby von Schwester Maria ist die Malerei. «Schon als Kind durften wir unter Papis Anleitung Ölbilder auf Leinwände malen. Ich male vor allem aus Freude – und weil ich beim Malen abtauchen kann», sagt sie und lacht. Sie liebt viel Farbe – abstrakt, expressiv, biblisch-symbolisch. Als Au-Pair-Mädchen in Genf habe sie auch viel gezeichnet, vor allem Gesichter.

Bibel-Gemälde von Sr. Maria. «Man findet in der Bibel gute Beispiele, wie Konflikte offen ausgetragen werden können», sagt Jörg Berger.
Bibel-Gemälde von Sr. Maria. «Man findet in der Bibel gute Beispiele, wie Konflikte offen ausgetragen werden können», sagt Jörg Berger.

«Seit neuestem habe ich das Malen mit Acrylfarben entdeckt», erzählt sie. Die Ikonen schreibt sie mit Eitempera. Im Kloster stellt sie derzeit einige ihrer Werke im ersten Stockwerk aus. Sie widmet sie sich auch biblischen Motiven. Ihr Lieblingsbild ist: «Jesus und die Samariterin». Sie habe inzwischen einen inneren Zugang zur abstrakten Malerei gefunden. «Auf diese Weise kann ich meine Gefühle gut ausdrücken.»

«Er ist einfach der Beste.»

Schwester Maria

Apropos Gefühle. Wie ist es für sie als junge Frau eigentlich im Kloster gewesen? Hat sie nie an ihrer Berufung und ihrer Liebe für Jesus gezweifelt?

Schwester Maria: Sie gehört seit 30 Jahren den Dominikanerinnen an.
Schwester Maria: Sie gehört seit 30 Jahren den Dominikanerinnen an.

«Natürlich bleibe ich auch im Kloster ganz Frau, auch mit meiner Sehnsucht nach Liebe oder gehalten zu sein», bekennt Schwester Maria. «Aber an der Liebe für Jesus oder besser von Jesus habe ich nie gezweifelt». Denn: «Er ist der einfach Beste», sagt sie spontan. Und lacht herzlich.


Schwester Maria an der Staffelei | © zVg
16. Mai 2023 | 05:00
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