Simone Curau-Aepli: «Bin hoffnungsvoll, dass der Kulturwandel weitergeht»
Der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) und Präsidentin Simone Curau-Aepli äussern sich hoffnungsvoll über den neuen Papst Leo XIV. Sie sehen Anzeichen, dass Berufungen, Talente und Kompetenzen von Frauen und von allen Menschen fortan ernster genommen und anerkannt werden. Die Allianz Gleichwürdig Katholisch wirkt fordernder.
Regula Pfeifer
«Ich glaube, dass Papst Leo eine Haltung hat, die die Gleichwürdigkeit, so hoffe ich, auch anerkennen wird», sagt SKF-Präsidentin Simone Curau-Aepli gegenüber kath.ch. «Aber ob es daraus die gleichen Rechte gibt, das wissen wir noch nicht. Es braucht einen Kulturwandel und der braucht viel Zeit.»
Papst mit christlich-sozialethischem Ansatz
Auch sein gewählter Papstname drücke aus, dass ihm der christlich-sozialethische Ansatz, der auf die gleiche Würde aller Menschen zielt, wichtig sei. «Ich bin hoffnungsvoll, dass der Kulturwandel weitergeht in der katholischen Kirche, dass Berufungen, Talente und Kompetenzen von Frauen und von allen Menschen ernster genommen und anerkannt werden», so Curau-Aepli.
Insbesondere ist es ihr ein Anliegen, «dass nicht mehr abgesprochen wird, dass auch Frauen sich von Gott berufen fühlen für Berufungen, Aufgaben und den priesterlichen Dienst in unserer Kirche». Aber bis das umgesetzt sei, «wird es sicher einen langen Schnauf brauchen».
Synodalitäts-Versprechen auf dem Petersplatz
Gefreut hat die SKF-Präsidentin, die ihr Amt noch im Mai an zwei Nachfolgerinnen übergeben wird, «dass Papst Leo den synodalen Prozess, den Papst Franziskus angestossen hat, weiterführen wird». Das habe er erwähnt in seiner Ansprache am Petersplatz.
Das erwähnt auch der Verband, den sie vertritt, in einer Mitteilung. Der «sichtlich gerührte Pontifex» habe die Bedeutung einer synodalen Kirche, die sich durch Frieden, Nächstenliebe und Nähe zu den Leidenden ausgezeichnet.
Bedeutend auch für engagierte Frauen
Man nehme die Wahl von Robert Francis Prevost zum Papst «mit Aufmerksamkeit und Hoffnung zur Kenntnis», so der SKF. «Der Wechsel an der Spitze der römisch-katholischen Kirche ist ein bedeutender Moment – nicht nur für die weltweite katholische Gemeinschaft, sondern auch für die zahlreichen Frauen, die sich seit Jahrzehnten für Gleichberechtigung in der Kirche engagieren.»
Vom neuen Papst erwartet der Frauenbund, dass er den Weg von Papst Franziskus fortsetzt. «Aber auch, dass er den Mut hat, weiterzugehen, offener zu kommunizieren und strukturelle Reformen anzugehen». Vorgänger Franziskus habe wichtige Impulse gesetzt – etwa mit der Berufung von Frauen in Führungspositionen innerhalb der römischen Kurie. «Dennoch sind Frauen in kirchlichen Leitungsgremien weiterhin untervertreten und vom Zugang zu Weiheämtern ausgeschlossen.»
Charismen aller Gläubigen anerkennen
«Der SKF hofft auf ein Pontifikat Leos, das die Herzen der Menschen erreicht und die Talente, Begabungen und Charismen aller Gläubigen anerkennt – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Status», heisst es weiter. «Eine Kirche, die die Vielfalt der Berufungen ernst nimmt, wird reicher an Perspektiven, lebendiger im Miteinander und glaubwürdiger im Zeugnis.»
Die Beauftragung für den kirchlichen Dienst müsse auf alle Menschen mit Berufung ausgeweitet werden, so der SKF. Und dafür brauche es mehr Kompetenzen in den Diözesen. Deshalb fordert der Verband dazu auf, die begonnene Dezentralisierung der katholischen Kirche und die Eigenständigkeit der Ortskirchen weiterzuentwickeln.
Synodalität auf allen Ebenen
Mehr fordernd als hoffnungsvoll tritt die Allianz Gleichwürdig Katholisch laut einer Mitteilung auf. Geschäftsführerin Mentari Baumann erinnert dabei an den synodalen Prozess, bei dem zum «ersten Mal haben Kleriker, Frauen und nicht geweihte Männer auf Augenhöhe über Themen diskutiert haben, die von der Basis eingebracht worden sind.»
Die reformkatholische Allianz verlangt nun, dass «Synodalität, als Haltung und als Methode, auf allen Ebenen etabliert werden soll». Zudem seien «daraus resultierende Entscheide und Veränderungen im Kirchenrecht dringend notwendig, damit die Katholische Kirche eine glaubwürdige Kirche für alle sein kann». Dafür brauche es einen Mentalitätswechsel – weg vom Handeln nach Kirchenraison, hin zu einer Kultur der Gleichwürdigkeit.
Ortskirchen weisen unterschiedliche Kulturen des Kircheseins auf, so die Allianz. Um dem gerecht zu werden, müssten die Ortskirchen und Bischöfe mehr Freiraum und Eigenständigkeit erhalten. «Wir wünschen uns von dir, dass du die Synodalität förderst und die Umsetzungsphase des synodalen Prozesses rasch in Angriff nimmst», bringt es Mentari Baumann pointiert und an den Papst persönlich gerichtet auf den Punkt.
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