Rauchzeichen

Scott Miller, Gottfried Locher, Denis Theurillat, Mariä Himmelfahrt: Was diese Woche wichtig wird

Der LGBTQ-Aktivist Scott Miller wird neuer US-Botschafter für die Schweiz und Liechtenstein. Den Reformierten macht die Causa Locher zu schaffen. Das Filmfestival von Locarno feiert die Ökumene – und das Bistum Basel verabschiedet an Mariä Himmelfahrt Weihbischof Denis Theurillat.

Raphael Rauch

In den letzten Jahren fehlte in der Berner Diplomatenszene der Glamour. Die Bundesstadt hatte gar den Ruf als «Hauptstadt der Langeweile». Ex-Nuntius Thomas Gullickson berichtete einst von einer Party des britischen Botschafters, die von der Polizei beendet wurde: Nachbarn hatten sich über zu laute Diplomaten beschwert.

Schwuler US-Botschafter für Bern und Vaduz

Bald könnte es in Bern wieder Glamour geben. US-Präsident Joe Biden hat einen neuen Botschafter für die Schweiz und Liechtenstein ernannt: den ehemaligen UBS-Banker Scott Miller (41). Mit seinem Ehemann Tim Gill (67) dürfte er zu den gefragtesten VIPs auf Schweizer Einladungslisten werden.

Scott Miller

Es ist ein starkes Signal, dass Biden kurz vor der «Ehe für alle»-Abstimmung in der Schweiz einen LGBTQ-Aktivisten nach Bern entsendet. Scott Miller wird auch für das erzkonservative Liechtenstein zuständig sein. Auf den Antrittsbesuch bei Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein sind wir schon jetzt gespannt.

Mit Franziska Driessen-Reding auf die Zurich Pride?

Über die US-Ernennung dürfte sich auch die Zürcher Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding freuen. Millers Mann hat eine Stiftung, die sich für LGBTQ-Anliegen einsetzt – und auch liberale US-Katholiken unterstützt. Die «Catholic News Agency» berichtete vor Jahren von einer 100’000-Dollar-Spende an die liberale Gruppierung «Catholic United».

Die oberste Zürcher Katholikin, Franziska Driessen-Reding, mit Meinrad Furrer an der Pride Zurich

Driessen-Reding wiederum ist ein grosser Amerika-Fan. Vielleicht schafft sie es, zusammen mit Miller und Gill auf die Zurich Pride zu gehen, nachdem ihr Generalvikar Luis Varandas und Bischof Joseph Bonnemain der Veranstaltung einen Korb gegeben hatten?

Machtmissbrauch bei den Reformierten

«Und alle Fragen offen»: Den Reformierten ist am Mittwoch in der Causa Locher der Befreiungsschlag nur zum Teil geglückt. Zwar stellten sie einen Bericht vor, der klipp und klar festhält: Gottfried Locher hat eine ehemalige Angestellte «in ihrer sexuellen, psychischen und spirituellen Integrität verletzt» und der Kirchenbund hat es als Institution versäumt, «sie gegen diesen Machtmissbrauch zu schützen».

Rita Famos, EKS-Präsidentin, an der Pressekonferenz über den Bericht der Untersuchungskommission

Allerdings gibt es seit Mittwoch viele neue Fragezeichen. Warum wird der Bericht der Anwaltskanzlei unter Verschluss gehalten? Juristen in Deutschland haben Wege gefunden, wie Untersuchungen zum Missbrauch in Bistümern transparent zugänglich gemacht werden können – zum Teil mit geschwärzten Namen.

Synodale haben viele Anfragen

Laut einem Mitglied der Synode bereiten sich nun die Delegierten für die nächste Sitzung im September vor – mit vielen kritischen Anfragen. Warum erwähnt der Bericht der Kommission Banalitäten, etwa dass Gottfried Locher am Wochenende E-Mails verschickt habe – nicht aber, was mit Verletzung der sexuellen Integrität konkret gemeint ist?

Esther Gaillard und Gottfried Locher an einer Versammlung im Jahr 2019.

Erinnern wir uns an Gottfried Lochers Verteidigung von letztem Jahr, wonach «eine sechsseitige, emotionale und anklagende Darstellung der ehemaligen Mitarbeiterin» im Rat der EKS Thema war. Warum werden die sechs Seiten nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zwecks intersubjektiver Nachvollziehbarkeit und «selber denken»?

Warum wurde nicht alles getan?

Unverständlich ist, warum die Untersuchungskommission Gottfried Locher nicht pro Forma kontaktiert hat – allein schon deshalb, um klar zu machen: Wir haben wirklich alles versucht, um Locher Gehör zu schenken!

Vertraute: Daniel Reuter (links) und Gottfried Locher im Jahr 2018.

Aus dem Locher-Umfeld hört man nun: «Herr Locher hat zusammen mit seiner Frau vor dem Rat der EKS seine Situation klar aufgedeckt. Nichts, nicht die leiseste Anspielung darauf, ist im jetzigen Untersuchungsbericht zu lesen.» Sollte das zutreffen: Warum ist das so?

Wandlung von Lochers Ex-Geliebten zur Chefaufklärerin

Auch unabhängig von dem Bericht gibt es viele ungeklärte Fragen. War der Zürcher Locher-Vertraute Daniel Reuter der richtige Mann, um Lochers Abgang zu regeln? Welche Verantwortung tragen Geschäftsleiterin Hella Hoppe und ihr Vorgänger Philippe Woodtli für die Verletzung der Fürsorgepflicht einer Mitarbeiterin der Geschäftsstelle? Was ist mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Geschäftsstelle? Waren wirklich alle ahnungslos?

Bundesrätin Viola Amherd und EKS-Präsidentin Rita Famos.

Und warum wird Sabine Brändlins Wandlung von Lochers Ex-Geliebten zur Chefaufklärerin nicht stärker thematisiert? Welches Rechtsempfinden hatte der ehemalige Rat, der allen Ernstes davon ausging, Brändlin sei nicht befangen?

Lochers Schweigen ist ein Schuldeingeständnis

Am problematischsten ist freilich Lochers Schweigen. Gottfried Locher profitiert von der Schwäche seines Opfers. Das Opfer ist offenbar zu traumatisiert, um öffentlich Klartext zu sprechen. Lochers Schweigen kommt dennoch einem Schuldeingeständnis gleich. Täte ihm die Kommission unrecht, würde er sich juristisch wehren – was er aber nicht tut.

Gottfried Locher präsidierte die Evangelische Kirche Schweiz.

Ökumenischer Empfang in Locarno

Nach einer schwierigen Woche hat die oberste Reformierte Rita Famos am Mittwoch wieder einen schönen Termin: Sie ist Gast des Ökumenischen Empfangs am Filmfestival in Locarno. Zusammen mit Vertretern des Bistums Lugano wird Famos sich von Festivalpräsident Marco Solari über den cineastischen Spirit des Jahrs 2021 informieren lassen.

Charles Martig

Mit dabei ist auch Charles Martig, Direktor des Katholischen Medienzentrums. Er koordiniert die Arbeit der Ökumenischen Jury und sichtet viele Filme – etwa jenen über den Monte Verità. Und mit dabei ist auch kath.ch-Redaktorin Eva Meienberg, die auf kath.ch über ihre Arbeit in der Ökumenischen Jury informiert.

Abschied von Weihbischof Denis Theurillat

Am Sonntag ist Mariä Himmelfahrt. Dann wird Weihbischof Denis Theurillat offiziell verabschiedet. Am Sonntag beginnt um 16.30 Uhr in der Kathedrale Solothurn eine feierliche Vesper. Anschliessend folgt ein Apéro riche. Der Jurassier hat grosse Sympathien für Charles de Foucauld – möchte seinen Lebensabend aber in einem franziskanischen Frauenorden verbringen: Er ist zu den Baldegger Schwestern nach Hochdorf LU gezogen.

Denis Theurillat im Garten des Ordinariates in Solothurn.

Bischof Joseph Maria Bonnemain feiert am Sonntag Namenstag: Mariä Himmelfahrt. Braungebrannt aus dem 38 Grad heissen Sizilien zurückkehrend wird er am Sonntag die Ausstellung «Wer ist der Mann auf dem Tuch?» in Wädenswil eröffnen.

Das Grabtuch von Turin im Turiner Dom. Nach Wädenswil kommt eine Kopie.

Das Original-Grabtuch darf aus konservatorischen Gründen Italien nicht verlassen. Doch eine Kopie und Info-Material geben Aufschluss über eine der wichtigsten Reliquien. Die Feierlichkeiten beginnen am Sonntag um 10 Uhr mit einem Pontifikalamt inklusive Kräutersegnung. Anschliessend gibt es einen Apéro. Nachmittags folgen Vorträge.

Kirchenpflege lädt Giuseppe Gracia aus

Eigentlich sollte der ehemalige Bistumssprecher Giuseppe Gracia eine Podiumsdiskussion zum Turiner Grabtuch moderieren – und dafür ein üppiges Honorar kassieren. Doch nach seinem partiellen Kirchenaustritt hagelte es Protest. Daraufhin lud die Kirchenpflege Gracia wieder aus. Stattdessen moderiert nun der Jurist Julien Fenkart die Podiumsdiskussion.

Giuseppe Gracia beim Grabtuch in Wädenswil: Geld stinkt nicht!

Mit auf dem Podium sitzt der umstrittene Dogmatik-Professor Manfred Hauke aus Lugano. Dieser hat als Herausgeber der sogenannten Fachzeitschrift «Theologisches» ein homophobes Pamphlet mitzuverantworten. Der Theologe Hermann Häring beschreibt Hauke als Mann, «der sich gerne mit Erbsünde oder der Maria beschäftigt, die Frauenordination bekämpft und sich schon lange gegen die feministische Theologie eingeschossen hat».

Nationalfeiertag in Liechtenstein

Der 15. August ist in Liechtenstein Nationalfeiertag. Die kirchlichen Feierlichkeiten beginnen um 9 Uhr mit einem Pontifikalamt in der Kathedrale, dem Erzbischof Wolfgang Haas vorsteht. Um 11.30 Uhr folgt der weltliche Teil mit dem Staatsakt im Rosengarten. Um 22 Uhr endet der Nationalfeiertag mit der Landeshymne, die «Radio L» überträgt und die Verse enthält: «Das teure Vaterland / Hat Gottes weise Hand / Für uns erseh’n.»

Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein und Martin Krebs, Botschafter des Heiligen Stuhls

Nuntius Martin Krebs wird am Sonntag nicht in Vaduz erwartet: Coronabedingt verzichtet Liechtenstein auf die Einladung der Botschafterinnen und Botschafter zum Staatsfeiertag.

Die Gnadenkapelle mit der Heiligen Muttergottes von Müstair.

Ein besonderes Mariä Himmelfahrt steht Müstair bevor. Die Gnadenkapelle in der Klosterkirche zeigt eine Madonna, die vor genau 400 Jahren geschaffen wurde – allerdings nicht in Müstair, sondern im benachbarten Santa Maria. Nach dem Tod der letzten Katholiken von Santa Maria wurde am 24. Februar 1838 das Gnadenbild in einer feierlichen Prozession ins katholische Müstair überführt, wie auf der Website des Klosters Müstair nachzulesen ist

Sommer-Hit: «Vamos a Marte»

Allen, die nicht in den Himmel wollen, aber auf den Mars, sei der neue Song «Vamos a Marte» empfohlen: ein Duett von «Despacito»-Star Luis Fonsi und der deutschen Schlager-Queen Helene Fischer. Teile des Videos erinnern an den Schweizer Eurovision-Beitrag «Tout l’univers». Nur geht es bei Fonsi und Fischer nicht um eine Nahtoderfahrung, sondern um eine Nähe der anderen Art: «Ich spür’ deinen Atem / ich kann nicht mehr warten / Vamos a Marte.»

Helene Fischer

Nach Fonsis Kult-Hit «Despacito» schufen «Luisto & Llandres» eine katholische Antwort: «Resucito» (»Auferstanden»). Ich bin gespannt, wann es eine katholische Antwort auf «Vamos a Marte» gibt. Vielleicht am 17. Oktober, wenn der musikalische Abt Urban Federer und Bischof Joseph Bonnemain die Jugend nach Einsiedeln einladen – zum Start des synodalen Prozesses?

Was wird nächste Woche wichtig? Ich freue mich über Ihren Input an rauchzeichen@kath.ch. Eine wunderschöne Ferragosto-Woche wünscht Ihnen

Ihr

Raphael Rauch


Denis Theurillat, emeritierter Weihbischof von Basel | © Raphael Rauch
9. August 2021 | 05:00
Teilen Sie diesen Artikel!