«Schwerter zu Pflugscharen»: Katholiken und Reformierte beten für Bürgenstock-Konferenz
Keine Nation wird gegen eine andere das Schwert erheben, und das Kriegshandwerk werden sie nicht mehr lernen: An die visionären Worte des Propheten Jesaja haben die katholische und die evangelische Kirche wenige Stunden vor Beginn der Ukraine-Konferenz erinnert. Rund 120 Menschen haben am ökumenischen Friedensgebet in Luzern teilgenommen.
Barbara Ludwig
Wider Erwarten regnet es nicht an diesem Samstagmittag. Auf dem Quai an der Reuss flanieren zahlreiche Touristen und Einheimische. An überdachten Marktständen werden Blumen, Früchte, Gemüse, Käse und Brot feilgeboten – gleich neben der Peterskapelle.
Im Trubel des samstäglichen Treibens achtet wohl kaum jemand auf das Bild, das auf die Fassade der ältesten Kirche der Stadt Luzern gemalt ist. Es ist Bruder Klaus. Und just an diesem Mittag geht es in der Peterskapelle um das, wofür der Schweizer Landespatron vor allem steht: Frieden.
Volle Kapelle
Jeder Sitzplatz ist besetzt, rund 120 Personen sind gekommen, um am ökumenischen Friedensgebet für die aktuelle Ukraine-Konferenz teilzunehmen. Eingeladen haben die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS). Von der SBK ist Präsident Felix Gmür, Bischof von Basel, gekommen. Für die EKS ist Pfarrer Martin Hirzel da, stellvertretender Geschäftsleiter.
Ein Schwerpunkt der schlichten Feier ist die bekannte Friedensvision aus dem Buch des Propheten Jesaja, in der Rede ist vom Berg des Herrn, zu dem alle Nationen hinströmen, um unterwiesen zu werden. Gelesen wird sie von Martin Hirzel. «Und er wird für Recht sorgen zwischen den Nationen (…) Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden (…) Keine Nation wird gegen eine andere das Schwert erheben, und das Kriegshandwerk werden sie nicht mehr lernen.»
Frieden und Gerechtigkeit
Auch Felix Gmür nimmt in seiner Ansprache Bezug darauf. «In der Vision des Jesaja pilgern viele Völker auf den Berg, um die Friedensbotschaft entgegenzunehmen.» Und heute würden Präsidenten und Präsidentinnen zum Bürgenstock pilgern, um Wege zum Frieden zu finden. Wichtig sei, dass sie Schwerter zu Pflugscharen umschmieden. Niemand anders als die Menschen selber könnten dies tun. «Wir», meint er mit Blick auf die anwesenden Christinnen und Christen, «können Gott bitten, dass er die Menschen erleuchtet.» So wie vor vielen Jahren der Friedenstifter Bruder Klaus die Menschen an der Tagsatzung in Stans zur Einsicht gebracht habe.
Zum Gebet um Frieden gehöre auch das Gebet um Gerechtigkeit, betont der Bischof und verweist auf die Frage, was es denn nun brauche: Waffen oder Pflüge? Für ihn ist klar: Wenn die Menschen keine Pflüge schmieden, müssen Menschen in Afrika und anderswo Hunger leiden.
Zum Friedensgebet gekommen sind viele ältere Menschen, aber auch ein paar Familien mit Jugendlichen und Kindern. Auch katholische Prominenz aus der Region ist da: Etwa Renata Asal-Steger, Synodalrätin der katholischen Landeskirche Luzern, und Helena Jeppesen und Bernd Nilles vom Hilfswerk Fastenaktion. Weiter sind einige Ordensfrauen und Kapuziner zum Gebet gekommen.
Damit der Frieden eine Chance bekommt
Sie alle singen nach der Ansprache von Gmür das Lied «Dona nobis pacem» (Gib uns Frieden). Im Kanon, während Marco Schmid, theologischer Mitarbeiter der Peterskapelle, dirigiert. Zum Schluss sprechen Pfarrer und Bischof am Altar ein langes Gebet um Frieden und wider Gewalt und Hass.
Darin heisst es: «Wir glauben an die weltverändernde Macht der Feindesliebe. Sende Du Deinen Geist der Liebe, der den Hass vertreibt. (…) Sorge Du, Gott, für Recht zwischen den Nationen (…) Wir bitten Dich für die Teilnehmenden der Friedenskonferenz für die Ukraine: Leite ihre Beratungen mit Deiner Weisheit. Lass sie finden, was allen dient, so dass der Frieden eine Chance bekommt. Mache sie zu Werkzeugen Deines Friedens und erfülle sie mit dem Geist Deiner Liebe, der Neues schafft.»
«Ich bete jeden Tag für Frieden.»
Luzernerin
Einige Frauen aus der Region bekennen, dass sie den Anlass geschätzt haben. Das Gebet für Frieden habe eine Wirkung, den Menschen sollte dies nur stärker bewusst sein, sagt eine 80-jährige Luzernerin. Ihren Namen will sie nicht auf kath.ch lesen. Sie bete auch privat für Frieden. «Ich bete jeden Tag für Frieden, nicht nur in diesen Tagen der Friedenskonferenz. Ich bete für alle Gebiete, in denen Krieg herrscht», sagt sie.
Eine 87-Jährige, ebenfalls Katholikin, sagt: «Ich bin zum Friedensgebet gekommen, weil es mit Hoffnung verbunden ist. Etwas anderes können wir ja gar nicht tun.» Es sei gut, dass die beiden Kirchen die Initiative für den Anlass gemeinsam ergriffen haben. Auf kath.ch will sie nicht namentlich erscheinen. Wie auch die dritte Katholikin, die sagt, es sei wichtig, an die Visionen Jesajas zu erinnern. «Das hat mir gutgetan.» Auch hat es ihr gefallen, mit dem Lied «Dona nobis pacem» um Frieden zu beten.
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