Schweizer Bischöfe auf holprigem Weg

Zürich, 3.11.2015 (kath.ch) Es ist an der Zeit, die Spannungen zwischen Priestern und Laien in der Schweizer Kirche anzusprechen. So zumindest versucht ein neuer Brief der Schweizer Bischöfe auf die Rollenverteilung in den Pfarreien Einfluss zu nehmen. Stolpersteine gibt es offensichtlich bei der Feier der Eucharistie. Ist das der richtige Moment, nachdem die Familiensynode ein Zeichen der Öffnung gesandt hat? Es könnte sich um einen Vorboten für einen Rechtsrutsch in der Bischofskonferenz handeln, meint Charles Martig in seinem Kommentar.

Weder Fisch noch Vogel: das ist der neue Hirtenbrief zum «Miteinander von Priestern, Diakonen und Laienseelsorger/-innen in der Feier der Eucharistie». Es wird offensichtlich darum gerungen, wie diese verschiedenen Rollen im Gottesdienst der Pfarreien gelebt werden sollen. Einmal mehr geht es um Eucharistie und Homilie, das heisst die Predigt im Rahmen der Eucharistiefeier.

Das Hirtenschreiben erscheint im Auftrag des Paptes. Offensichtlich wurden die Schweizer Bischöfe bei ihrem Papstbesuch-Besuch im  Vatikan vom Dezember 2014 dazu aufgefordert, die Differenz zwischen Priestern und Laien herauszuarbeiten. Es geht dabei um die «sakramentale Natur der Kirche». Das heisst konkret: Wo das Sakrament der Eucharistie gefeiert wird, hat offensichtlich kein Laie das Recht sich einzubringen. Insbesondere wird nochmals klar festgehalten, dass die Predigt in der Eucharistiefeier von Laien nicht erwünscht ist und gegen kirchliche Normen verstösst.

Verwirrung oder Klärung

Der Hirtenbrief spricht von einer «Verwirrung». Die Sorge besteht darin, dass die Berufsbilder eingeebnet werden: «Eine Folge davon ist eine Verwirrung, die sich darin zeigt, dass manche Laientheologen faktisch ‹klerikalisiert› und Priester ‹laikalisiert› werden.» Mit Verlaub: eine solche verquere Argumentation ist mir in jahrzehntelanger Auseinandersetzung mit der katholischen Theologie noch nicht begegnet. Und was die Wortschöpfung «laikalisiert» bedeuten soll, bleibt weitgehend unverständlich.

Miteinander oder Abgrenzung

Wenn man den Text aufmerksam liest, dann wird immer deutlicher, dass es sich um ein Kompromissdokument handelt. Einerseits wird vom «Miteinander von Priestern, Diakonen und Laienseelsorgern» gesprochen, andererseits wird der Unterschied betont. Einerseits gibt es einen Rückgriff auf das Corpus-Christi-Kirchenbild: «Der Leib hat viele  Glieder, aber nicht alle Glieder leisten denselben Dienst …». Hier wiederum ein Zeichen, dass ein veraltetes Kirchenbild aufgegriffen wird, um die Differenz zwischen Klerikern und Laien zu markieren.  Andererseits die Einladung an Priester und Laientheologen und -theologinnen, Aufgaben zu delegieren «die nicht an das Weihesakrament oder die besondere bischöfliche Beauftragung (Mission canonica) gebunden sind». Was das konkret für die Pfarreiarbeit heisst, wird jedoch nicht ausformuliert.

Rechtsrutsch in der Bischofskonferenz?

Auffallend ist vor allem der Begleitbrief zum Hirtenschreiben. Hier wird ausdrücklich die «Pfarrei-Initiative» genannt, die offensichtlich Verständnisschwierigkeiten habe, die «sakramentale Natur der Kirche» zu begreifen und sie richtig zu kommunizieren. Diese deutliche Abgrenzung gegenüber rund 500 Seelsorgerinnen und Seelsorgern, die sich in der Deutschschweiz organisiert haben, ist irritierend. Wäre es nicht sinnvoller, das Tauwetter nach der Familiensynode für einen echten Dialog zu nutzen? Schliesslich handelt es sich um eine bedeutende Gruppe von kirchlichen Mitarbeitenden, die sich aufrichtig Sorgen machen, wie die Arbeit in der Pfarrei glaubwürdig gestaltet werden soll.

Warum die Bischofskonferenz einen Hirtenbrief veröffentlicht, der teilweise den Generalvikaren der Deutschschweiz nicht bekannt ist und von den Bischöfen von Basel und St. Gallen umgehend zurückgewiesen wird, scheint ein weiteres Malaise offenzulegen: der Mangel an Geschick und Professionalität bei der kircheninternen Kommunikation. Oder geht es hier wirklich darum, Fakten zu schaffen und kirchenrechtliche Normen in der Schweiz durchzusetzen, entgegen bewährten Zusammenarbeitsmodellen, ohne wenn und aber? Falls diese zweite Interpretation zutrifft, wäre das ein Vorbote für einen Rechtsrutsch in der Bischofskonferenz. (cm)

Schweizer Bischöfe bekräftigen Predigt-Verbot für Laien

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