Das Gnadenbild von Mariastein
Schweiz

«Schön bist Du, Maria»: Neue Publikation über Mariasteiner Gnadenbild

Das Gnadenbild Marias in der Höhlenkapelle des Klosters Mariastein ist legendär. Nun ist ein neues Buch darüber erschienen.

Wolfgang Holz

«Ganz schön bist Du, Maria, und der Makel der Erbsünde haftet Dir nicht an. Dein Gewand ist leuchtend weiss wie Schnee, und Dein Gesicht wie die Sonne. Ganz schön bist Du, Maria, und der Makel der Erbsünde haftet Dir nicht an. Du bist der Ruhm Jerusalems, Du bist die Freude Israels, Du die Ehre unseres Volkes. Ganz schön bist Du, Maria.»

Dieser vom Hohelied inspirierte Hymnus «Tota pulchra es» (»Alles an Dir ist schön, meine Freundin, kein Makel haftet Dir an») geht auf das 4. Jahrhundert zurück und ist in dieser Form seit dem 14. Jahrhundert verbreitet.

Band vier der «Mariasteiner Schriften»

In Mariastein wird dieser Hymnus als erster Wechselgesang in der Vesper zum Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria am 8. Dezember gesungen. Passend dazu wurde jüngst am gleichen Tag in der Reihe der «Mariasteiner Schriften» der Band vier mit dem Titel «Schön bist du, Maria» in Mariastein präsentiert.

Innenhof des Klosters Mariastein
Innenhof des Klosters Mariastein

Die neue von Mariano Tschuor herausgegebene Publikation thematisiert die verschiedenen Darstellungen und den geschichtlichen Hintergrund. Zudem beschreibt sie die Kleider der Marienstatue in der Höhlenkapelle.

Im Hauptteil des sehr schön gestalteten Buches gibt es zwei grössere Beiträge: Der eine wurde von Pater Lukas Schenker über die historischen Darstellungen des Gnadenbildes von ca. 1500 bis heute verfasst.

Wallfahrt 1434 erstmals urkundlich dokumentiert

Er erzählt von diesem «verehrungswürdigen Bild» in der Felsengrotte, erwähnt die Anfänge der Mariasteiner Wallfahrt, die im Dunkeln liegt und 1434 zum ersten Mal urkundlich dokumentiert wird. Darüber hinaus zeigt er auf, wie das Bild verändert wurde und wie es zur heutigen Ausstattung kam.

Titelbild des neuen Buchs
Titelbild des neuen Buchs

Die Kunsthistorikerin und Textilrestauratorin Regula Schorta, Direktorin der Abegg-Stiftung in Riggisberg im Kanton Bern, dokumentiert und beschreibt ihrerseits die 33 Kleider des Gnadenbildes. Sie schildert die Herkunft und informiert über Machart und Besonderheiten der verschiedenen Textilien. Zahlreiche Fotos und Illustrationen bebildern dieses Buch.

Kostbare Stoffe

Dass Marienstatuen mit Stoffgewändern bekleidet werden, ist ein alter Brauch. Man wollte damit Marias Macht und Herrlichkeit hervorheben. Die Stoffe und Gewänder sind oft Geschenke, manchmal sehr persönliche wie das eigene Hochzeitskleid.

Marienkleider bestehen zumeist aus kostbaren Stoffen mit Stickereien, oft versehen mit aufgenähten Edelsteinen oder Glasperlen. Entsprechend wurde auch das von der Mutter gehaltene Jesuskind ausgestattet. Die Farbgebung entspricht oft den liturgischen Farben des Kirchenjahrs: grün, rot, violett, heute auch blau und natürlich festliches Weiss und Gold.

Wertvolle Kronen, die mehrmals gestohlen wurden

Weitere Tetxtbeiträge stellen die wertvollen Kronen und den Schmuck des Gnadenbildes vor, die übrigens mehrmals gestohlen wurden, und führen in das besondere Jahr 2026 ein. Dann nämlich sind es 100 Jahre her, seit die Klosterkirche von Mariastein zu einer päpstlichen «Basilica minor» erhoben und das Gnadenbild in der Felsengrotte gekrönt worden ist.

Basilica minor ist ein seit dem 18. Jahrhundert gebräuchlicher Ehrentitel für römisch-katholische Kirchen, den der Papst einem bedeutenden Kirchengebäude verleiht. Die Verleihung bezweckt die Stärkung der Bindung der einzelnen Kirchen an den römischen Bischof und soll die Bedeutung dieser Kirche für das Umland hervorheben. Weltweit gibt es rund 1800 solche Kirchen, in der Schweiz sind es zwölf Kirchen – darunter die Kirche von Mariastein.

Vordere Front der Klosterkirche Mariastein.
Vordere Front der Klosterkirche Mariastein.

Das heutige Mariasteiner Gnadenbild in der Höhlenkapelle wird von der Kunstgeschichte auf Mitte 17. Jahrhundert datiert. Die Statue stellt eine sitzende Madonna dar, das Material ist ein heller, weicher Stein, 82 Zentimeter hoch. In der rechten Hand sitzt das Christuskind, mit einem lächelnden Gesichtsausdruck, wie Maria selber. Die Jesusfigur ist 37 Zentimeter hoch.

Vortrag über Maria Magdalena

Ein besonderer Höhepunkt war, als Theologin und Pilgerseelsorgerin Ines Schaberger jüngst im Rahmen der Buchpräsentation in Mariastein über «Maria Magdalena und ihre (legendarische) Verbindung zum Pilgern» sprach. Ihr Text wird nächstes Frühjahr voraussichtlich in den Mariasteiner Schriften erscheinen.

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*Mariasteiner Schriften Bd. 4. «Schön bist du, Maria.» Das Gnadenbild von Mariastein.
Herausgeber Verlag, 2024. 32 Franken, erhältlich an der Klosterpforte oder im Klosterladen Pilgerlaube, ISBN: 978-3-907437-11-7


Das Gnadenbild von Mariastein | © Mariano Tschuor
14. Dezember 2024 | 12:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
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