Hiroshima nach dem Abwurf der Atombombe am 6. August 1945
Schweiz

Rotes Kreuz warnt vor atomarer Eskalation

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist besorgt über die immer schärfer werdende Rhetorik über Atombomben. Die Organisation verurteilt Drohgebärden. «Um des Überlebens der Menschheit willen müssen wir die Welt von Waffen befreien, durch die katastrophale humanitäre Folgen und unumkehrbarer Schaden drohen», hiess es in der Stellungnahme.

Vor dem G7-Treffen in Hiroshima hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz eindringlich zu atomarer Abrüstung aufgerufen. Jeder Einsatz von Kernwaffen nach den verheerenden Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki würde «ein Tor des Elends öffnen, das sich möglicherweise nie wieder schliessen würde», warnte das Komitee gemeinsam mit der Japanischen Rotkreuzgesellschaft am Mittwoch in Genf. Schon die Drohung damit sei rundheraus zu verurteilen.

Besorgt äusserten sich die Organisationen über eine immer schärfere Rhetorik. Die Staaten sollten sich jeglicher Redeweise enthalten, die die humanitären Folgen eines nuklearen Schlags ignoriere und so das Tabu gegen den Einsatz dieser Waffen aushöhle.

Der russische Präsident Wladimir Putin
Der russische Präsident Wladimir Putin

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte in der Vergangenheit erklärt, notfalls «alle verfügbaren Waffensysteme» zur Verteidigung seiner Gebietsansprüche einzusetzen, und die Stationierung taktischer Atomwaffen in Belarus angekündigt.

Das Rote Kreuz mahnte, Hiroshima als Gastgeber für das am Freitag beginnende Treffen der führenden Industrienationen müsse die weltweite Aufmerksamkeit auf die dramatischen Folgen von Nuklearwaffen lenken. Durch den Abwurf der ersten Atombombe am 6. August 1945 über der japanischen Stadt starben schätzungsweise 140’000 Menschen.

Atomwaffen gegen Völkerrecht

«Um des Überlebens der Menschheit willen müssen wir die Welt von Waffen befreien, durch die katastrophale humanitäre Folgen und unumkehrbarer Schaden drohen», hiess es in der Stellungnahme. Nach einhelliger Meinung der Rotkreuz- und Roter-Halbmond-Bewegung sei es «äusserst zweifelhaft, dass Atomwaffen jemals in Übereinstimmung mit den Grundsätzen und Regeln des humanitären Völkerrechts eingesetzt werden könnten».

Jeder Gebrauch dieser Waffen wäre «mit den Grundsätzen der Menschlichkeit und den Geboten des öffentlichen Gewissens unvereinbar». Bereits die Drohung sei «verabscheuungswürdig, da sie die Möglichkeit eines tatsächlichen Einsatzes impliziert». (kna)


Hiroshima nach dem Abwurf der Atombombe am 6. August 1945 | © Keystone
17. Mai 2023 | 14:58
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