Religionspädagoge Kurt Adler: «Bischöfliche Stellungnahme ist von oben herab»

Aarau, 5.3.15 (kath.ch) Die Stellungnahme der Bischöfe zur die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare sei «von oben herab und nicht auf Augenhöhe der Menschen», sagt Kurt Adler, Religionspädagoge und Mitarbeiter der römisch-katholischen Landeskirche Aargau. Ihm fehle darin «der Weg- und Suchcharakter». Die Bischöfe haben nach ihrer Konferenz in einer Mitteilung vom 5. März festgehalten, eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare sei nicht möglich.

Regula Pfeifer

Die Mitteilung der Bischofskonferenz mache ihn traurig, sagt Kurt Adler. Der Mitarbeiter der Fachstelle Bildung und Probstei der römisch-katholischen Landeskirche im Aargau ist in der Interessengemeinschaft Partnerschaft-Ehe-Familien-Pastoral Deutschschweiz (IG PEF) aktiv und unterstützt als Mediator im Aargau auch Paare. Die Bischöfe haben laut dem Communiqué vom 5. März zur ordentlichen Bischofskonferenz die Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare besprochen. Sie erinnerten daran, dass diese nicht möglich sei und es nicht in ihrer Kompetenz liege, Lehre und Disziplin der Kirche zu ändern.

Adler will weiterhin Segnungsfeiern leiten

«Die Frage ist doch, wie begegne ich diesen Menschen und wie kann ich ihnen als Kirche dienen», sagt der Religionspädagoge. Seinen Weg dafür hat er gefunden. Zum Valentinstag führt Adler seit sieben Jahren eine «Segnungsfeier für alle Liebenden» durch, dieses Jahr in der Kirche Peter und Paul in Aarau. Und im Mai bietet er mit einer Arbeitskollegin eine «Solidaritäts- und Segnungsfeier für gleichgeschlechtlich Liebende, ihre Familien, ihre Verwandten und Bekannten» in Gipf-Oberfrick an. Das wird er auch weiterhin tun, wie Adler gegenüber kath.ch bestätigt. Die nächste Feier am 8. Mai ist dem Thema «Gottes Liebe hat viele Farben» gewidmet.

Eine Segnungsfeier mit einem einzelnen homosexuellen Paar hat Adler bisher nicht realisiert. Das ändert sich womöglich bald. Adler ist von zwei Frauen angefragt worden, die ihre Partnerschaft eintragen wollen, ob er für sie eine Segnungsfeier gestalten würde. Er sagte zu. «Daran ist nichts falsch», sagt Adler, und ergänzt: «Jeden Menschen darf man segnen.»

Verbindliche Beziehungen – ein Anliegen der Kirche

Adler hofft und glaubt, dass auch andere Seelsorger so handeln wie er. «Für den Segen Gottes bitten für einen Menschen, der auf dem Weg ist, kann nicht falsch sein.» Und was hält er von der Devise der Bischofskonferenz, die Kirche könne Menschen segnen, aber gewisse Verhaltensweise nicht? «Ich habe nicht das Recht, über das Verhalten von jemandem zu urteilen, der eine liebende, verbindliche Beziehung eingehen will. Das ist ja gerade das Anliegen der Kirche», betont Adler.

Zwar handle es sich in diesem Fall um zwei Männer oder zwei Frauen. Doch diese Menschen fragten aus einer Überzeugung heraus, und nicht, weil sie eine Show beabsichtigten, ist Adler überzeugt. «Und dafür müssen wir Lösungen finden und Lösungen leben.» Die Stellungnahme der Bischöfe empfindet er «von oben herab und nicht auf Augenhöhe der Menschen.» Und fügt hinzu: «Mir fehlt darin der Weg- und Suchcharakter.»

Interview mit dem Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz Markus Büchel zur Segnung homosexueller Paare

 

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