Nadine Manson
Schweiz

Reformierte Pfarrerin lobt Monika Schmid: «Ihr Mut macht mir Mut»

Die reformierte Pfarrerin Nadine Manson bewundert die katholische Theologin Monika Schmid für ihren Mut zur Konzelebration. Monika Schmid lebe, was sie glaube, schreibt die Beauftragte für Liturgie der Reformierten Kirche Schweiz. Hier der Offene Brief im Wortlaut.

Ich kenne Sie nicht persönlich, liebe Monika Schmid, und hatte noch nicht das Vergnügen, Ihnen zu begegnen. Gleich zu Beginn möchte ich Ihren Mut und Ihre dynamische Tapferkeit loben. Ich bin eine reformierte Pfarrerin, Ihrer Schwesterkirche. Die Schwesternschaft in der Kirche ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Die Liturgie ein Bereich, den ich für lebenswichtig halte. Ich bin eine Theologin, die über den treffend benannten Doktor Magnificus, Anselm von Canterbury, staunt, der die Inspiration für das systematische Denken der gesamten christlichen Kirche war. Daher ist der interkonfessionelle Dialog in meinen Augen keine leere Worthülse.

Monika Schmid
Monika Schmid

Ich erlaube mir, diese Worte an Sie zu richten.

Mein erster Reflex war schlecht, ein wenig überheblich und pedantisch, vernarrt in meine reformierte Theologie: Ich verurteilte den Ursprung des so römisch-katholischen doktrinären Tamtam! «Ach», rief ich innerlich, «eine Frau ‘konzelebriert’ die Messe, die Eucharistie, und das ist für sie ein Sakrileg!» Bei uns können Pastoren auch Frauen sein. Offensichtlich habe ich mich in eine Haltung primitiver Empörung hineingesteigert. Eine, in der man sich damit brüstet, Recht zu haben, während die anderen Unrecht haben.

«Was uns trennt, verbindet uns.»

Dabei haben unsere beiden Konfessionen, der Katholizismus und der Protestantismus, wie uns mein Dogmatikprofessor lehrte, eine Mission zu erfüllen, eine Verantwortung oder ein Amt, das sie einander gegenüber ausüben müssen. Die Dualität ist weder absurd noch beklagenswert. Wenn die Spannung aufhöre, so schloss er, würde dies das Ende eines lebendigen und authentischen Christentums bedeuten. Denn was uns trennt, verbindet uns; was uns unterscheidet, verbindet uns; was uns entgegensetzt, verbindet uns. Es war an der Zeit, meine erste sterile Haltung zu überwinden und die Fruchtbarkeit dieser Kontroverse in mir nachklingen zu lassen.

Monika Schmid während ihres Abschiedsgottesdienstes.
Monika Schmid während ihres Abschiedsgottesdienstes.

«Ich habe mehr als einmal einen Rückzieher gemacht.»

Aus diesem Grund begrüsse ich den liturgischen Mut dieser Messe am 28. August 2022. Als Beauftragte für liturgische Fragen unserer reformierten Kirchen in der Schweiz habe ich die Liturgien unserer verschiedenen Gemeinden beobachten können. Innovation, die Suche nach neuen Sprachen und liturgischen Gesten stehen im Mittelpunkt unserer reformierten Kirchen. «Semper reformanda»: immer auf der Suche nach Dynamik und Kraft.

Trotzdem habe ich mich in Gemeinden, die von der Notwendigkeit einer Liturgiereform überzeugt waren, oft zurückgezogen. Ich fürchtete die Reaktionen der Menschen und, was noch schlimmer war, die Macht der Tradition, die ich nicht verletzen wollte. Ich habe mehr als einmal einen Rückzieher gemacht.

«Der Mut, das zu leben, was man glaubt: Was für ein schönes Beispiel für mich als Reformierte!»

Aber Sie, Sie haben es erlebt. Sie haben es getan. Was soll ich sagen, ausser meiner Bewunderung? Der Mut, das zu leben, was man glaubt: Was für ein schönes Beispiel für mich als Reformierte!

Ich begrüsse den Mut Ihres Pastoralteams, das das Risiko der Innovation auf sich genommen hat, ohne sich von der Angst vor Polemik oder gar Repressalien lähmen zu lassen. Das zu sagen und zu leben, was man glaubt – ohne Angst und mit Kühnheit. Dieser Glaube beeindruckt mich. Er ruft Erinnerungen an die Hugenotten im Frankreich des 16. Jahrhunderts hervor. Diejenigen, die im Namen einer tief verwurzelten Überzeugung ihren Komfort, ihren Arbeitsplatz und ihre Existenz riskierten, weil sie von den Reitertruppen verfolgt wurden. Auf diese Weise wurde die Kirche aufgerüttelt. Halb scherzend bereute ich meine Polterei im Vergleich zu den Hugenotten. Wäre ich heute – wörtlich gemeint – mit dem Messer an der Kehle furchtlos genug, um meinen Glauben gegen alle Widerstände zu behaupten?

Im Buch «Der Mut zum Sein» strukturiert der Philosoph und Theologe Paul Tillich den Mut in zwei Teile. Der Mut, man selbst zu sein: sich selbst in seiner Individualität zu behaupten. Der Mut, teilnehmend zu sein: sich als Teilnehmer oder Teilnehmerin an verschiedener Bereichen der Welt zu behaupten. Sie hatten den Mut, diesen Mut umzusetzen und zu darzustellen. Hier, als Monika Schmid, Pastoralreferentin, die an der Messe teilnahm. Hier, in voller Teilnahme an der Konzelebration der Eucharistie.

Danke für Ihren Mut, der in mir etwas von Ihrem Mut entfacht hat.

Und möge Gott uns behüten!

Nadine Manson

28. September 2022

(cath.ch / Adaption: Regula Pfeifer)


Nadine Manson | © zVg
3. Oktober 2022 | 12:03
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