Reform für Ökumene: Der Papst will seine Vormachtstellung herunterstufen
Es ist ein Zankapfel unter Theologen – und dies seit rund tausend Jahren. Das soll sich jetzt ändern. Am Donnerstag publiziert der Vatikan einen Vorschlag, der das Papstamt für alle Kirchen akzeptabel machen soll – mit weitreichenden Folgen. Federführend ist der Schweizer Kardinal Kurt Koch.
Ludwig Ring-Eifel
Der Vatikan will am Donnerstag ein theologisches Dokument vorstellen, das die Beziehung der christlichen Kirchen in Ost und West grundlegend ändern könnte. Der Text wurde von der Ökumene-Behörde des Papstes unter Federführung des Schweizer Kardinals Kurt Koch erarbeitet.
Das Papier trägt den Titel «Der Bischof von Rom». Der Untertitel lautet: «Primat und Synodalität in den ökumenischen Gesprächen und den Antworten auf die Enzyklika Ut unum sint». In dem Lehrschreiben von 1995 hatte der polnische Papst vor allem mit Blick auf die Kirchen des Ostens eine andere Art der Ausübung des Papstamts in Aussicht gestellt.
Jahrzehntelange Beratungen
Johannes Paul II. hatte damals die anderen christlichen Kirchen eingeladen, im «brüderlichen, geduldigen Dialog» mit Rom nach Wegen zu suchen, wie das Papstamt als «Dienst der Barmherzigkeit» an allen Kirchen verstanden werden könnte. Daraufhin hatte die Ökumene-Abteilung des Vatikans mit mehreren Kirchen je eigene Dialogforen gegründet, die jahrzehntelang berieten. Die Ergebnisse liegen nun vor.
Einen weiteren Schub bekam das Projekt durch Papst Franziskus. Dieser definierte sich von Anfang an als «Bischof von Rom». Auch verfügte er die Wiederbelebung des historischen Titels «Patriarch des Westens», der noch von seinem Vorgänger Benedikt XVI. gestrichen worden war. Allerdings liess er zunächst offen, wie er diese Rolle mit seinen anderen historischen Titeln (»Stellvertreter Christi» und «Oberster Pontifex der Universalen Kirche») in Einklang bringen will.
Annäherung durch «synodale Verfassung»
Als weiteren Schritt der Annäherung an andere Kirchen hat Franziskus der katholischen Kirche eine «synodale» Verfassung verordnet. Nun sollen Bischöfe, Theologen und Laien an Beratungen über Grundsatzfragen der Kirche beteiligt werden und der Papst nicht mehr allein entscheiden. Damit wird die katholische Kirche in ihrer Struktur den schon immer synodal verfassten Kirchen des Ostens sowie den evangelischen Kirchen ähnlicher.
Offen blieb allerdings bislang noch die zentrale Frage, ob der Papst unter den christlichen Kirchenoberhäuptern weiterhin eine übergeordnete Stellung für sich beansprucht. Diese als «Primat des Papstes» bezeichnete Vormachtstellung behauptet die katholische Kirche seit dem frühen Mittelalter. Zuletzt hatte das Erste Vatikanische Konzil im Jahr 1870 diesen universalen Machtanspruch in dogmatischen und kirchenrechtlichen Fragen untermauert und ausgebaut. Diese Beschlüsse sollen nun als teilweise zeitbedingt relativiert und neu interpretiert werden.
Beratung mit anderen Patriarchen auf Augenhöhe?
Bei dem Papier, das am Donnerstag vorgestellt werden soll, handelt es sich nach Vatikanangaben um ein «Studiendokument», das von Franziskus gebilligt wurde. Es soll die Antworten auf «Ut unum sint» und die ökumenischen Dialoge über Primat und Synodalität zusammenführen.
Am Ende werde das Dokument einen Vorschlag für eine erneuerte Form des Papstamtes machen, die auch von den anderen Kirchen anerkannt werden könne. Im Vatikan halten manche es für möglich, dass sich der Papst gemäss dem Vorschlag künftig mit anderen Patriarchen und Kirchenoberhäuptern auf Augenhöhe zu Beratungen trifft.
1700 Jahre Konzil von Nicäa
Ein erstes Treffen dieser Art könnte im kommenden Jahr anlässlich des 1700-Jahr-Jubiläums des Konzils von Nicäa stattfinden. Dieses Konzil wird bis heute von fast allen christlichen Kirchen anerkannt.
Damals gelang es auch, ein gemeinsames Verfahren zur Festlegung des Osterdatums zwischen den Ostkirchen und Rom zu vereinbaren, das später aufgegeben wurde. Papst Franziskus ist nach Informationen aus dem Vatikan bereit, auch in dieser symbolisch wichtigen Frage den Ostkirchen weit entgegenzukommen. (cic)
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