Schweiz

Radio Maria distanziert sich von italienischem Kollegen

Pater Livio Fanzaga (80) verbreitet in Italien krude Verschwörungstheorien – auf dem konservativen Sender «Radio Maria». Der Schweizer Ableger distanziert sich: «Pater Livio haben wir nicht auf unserem Sender», sagt Thomas Rellstab.

Raphael Rauch

Thomas Rellstab ist Priester im Bistum Chur und Programmdirektor von «Radio Maria Schweiz». kath.ch macht ihn auf krude Sendungen von «Radio Maria Italien» aufmerksam.

Vorwurf: Satan macht Menschen zu Zombies

Darin behauptet der Direktor Livio Fanzaga, die Corona-Pandemie sei ein Komplott der globalen Eliten. Sie wollten eine Welt ohne Gott schaffen – eine Welt des Satans, in der die Menschen zu Zombies würden.

Studio von Radio Maria, Adliswil ZH

Rellstab distanziert sich von diesem Weltbild – verteidigt aber zugleich seinen italienischen Kollegen. «Seit März ruft Pater Livio nahezu täglich dazu auf, das Virus ernst zu nehmen und sich an alle Massnahmen zu halten, weil es gefährlich ist. Er tut also das Gegenteil dessen, was ein Corona-Leugner tut», betont Rellstab.

Ein Anhänger von Medjugorje

Pater Livios Einschätzungen seien von den Botschaften des Wallfahrtsortes Medjugorje geprägt. Weiter will sich Rellstab aber nicht äussern. «Ich kenne die Vorgänge in Italien zu wenig, dass ich eine schlüssige Meinung abgeben könnte», sagt Rellstab.

Papst Franziskus aus Pappkarton am Stand von Radio Maria – links im Hintergrund ist Pfarrer Rellstab.

Der Radio-Direktor gibt zu: Er könne «bei der Vielfalt von unterschiedlichen wissenschaftlichen Daten nicht sagen, was stimmt und was nicht». Der Schweizer Ableger von «Radio Maria» bete «um Schutz vor Ansteckung und für eine Beendigung der Pandemie». Hierfür gebe es täglich um 15 Uhr eine Novene nach dem Barmherzigkeitsrosenkranz.


Pfarrer Thomas Rellstab, Direktor von «Radio Maria». | © zVg
19. November 2020 | 08:22
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