Schweiz

Priorin Irene und Silja Walter zum Karsamstag: «Dein Leiden, deinen Tod mitaushalten und daraus leben»

Priorin Irene Gassmann vom Kloster Fahr gibt spirituelle Impulse für die Kar- und Ostertage. Sie bedient sich dabei aus dem literarischen Fundus ihrer verstorbenen Mitschwester Silja Walter.

Wie oft sagen wir «Nach jedem Karfreitag wird es wieder Ostern». Bevor es jedoch Ostern werden kann, gibt es noch den Karsamstag. Ein wichtiger Tag, auch wenn äusserlich gesehen, nichts geschieht. Es ist der Tag des «Aushaltens» und des Bleibens. Karsamstag ist die Zeit, in der Wunden heilen können und neues Leben sich im Verborgenen vorbereiten kann.

Am Karsamstag rückt das Leitmotiv, welches uns durch diese Heilige Woche begleitet, ins Zentrum:

«Dein Leiden, deinen Tod mitaushalten und daraus leben.»

Im Gebet des Klosters am Rand der Stadt entfaltet Silja Walter diesen Gedanken:

Herr,
und jemand muss dich aushalten,
dich ertragen,
ohne davonzulaufen.

Deine Abwesenheit aushalten,
ohne an deinem Kommen
zu zweifeln.

Dein Schweigen aushalten
und trotzdem singen.
Dein Leiden, deinen Tod mitaushalten
und daraus leben.

Das muss immer jemand tun
mit allen andern
und für sie.

In diesem kurzen Abschnitt spricht Silja Walter vier Mal von «aushalten». Da können wir fragen: Wer hält das aus? Wir alle kennen Situationen in unserem Leben, in denen es uns zum Davonlaufen ist.

Was gibt uns dennoch Kraft zu bleiben?

Silja Walter ermutigt uns in ihren Texten immer wieder hindurchzuschauen. Die Dichterin und Gottsucherin gibt uns einen Schlüssel zu ihrem Glaubensgeheimnis des Hindurchschauens: «Dein Schweigen aushalten und trotzdem singen».

Wenn Silja Walter von «singen» spricht, dann meint sie mehr als Gesang. Für die Benediktinerin bedeutet «singen» Gebet, und somit auch in Beziehung sein mit dem lebendigen Gott.

Diese Beziehung zum Lebendigen trägt durch den Karsamstag hindurch. Sie ist die Kraft und Hoffnung zum Bleiben und Aushalten, auch dann, wenn alles verloren scheint.

Die Ruhe des Karsamstags lädt uns ein, dieser leisen singenden Hoffnung in uns Raum zu geben.

Irene Gassmann | © Christian Merz
3. April 2021 | 10:09
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