Neue Nationalhymne: Deutsche Strophe «Weisses Kreuz auf rotem Grund... " | © Screenshot youtube
Schweiz
Neue Nationalhymne: Deutsche Strophe «Weisses Kreuz auf rotem Grund... " | © Screenshot youtube

Postkartenaktion gegen neue Nationalhymne und alt Bundesräte

Zürich, 21.7.17 (kath.ch) Am 1. August ist es wieder soweit: Am Nationalfeiertag soll der Schweizerpsalm erklingen. Ihm ist aus den Reihen der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) Konkurrenz erwachsen. Diese versucht einem neuen Text zur alten Hymne zum Durchbruch zu verhelfen. Die Vereinigung «Neuer Rütlibund» läuft dagegen Sturm.

Die ersten Worte der neuen Variante für die Nationalhymne lauten «Weisses Kreuz auf rotem Grund». Die SGG hat diesen Vorschlag mit einem Wettbewerb erkürt. Der «Rütlibund», der sich gemäss eigener Angabe für den Erhalt der christlichen Werte in der Schweiz einsetzt, will den Schweizerpsalm beibehalten, der mit den Worten beginnt: «Trittst im Morgenrot daher».

Der Psam wurde 1841 vom Zisterziensermönch des Klosters Wettingen, Alberik Zwyssig, zu einem Text von Leonhard Widmer komponiert. Aus der Sicht des «Rütlibundes» verbindet der Text in seiner Bildsprache und Entstehungsgeschichte «Gegensätze der Schweiz und betont die Liebe zu Gott, Heimat und Vaterland».

Mit Bruder Klaus gegen den neuen Text

Der «Rütlibund» hält am Text fest. Mit einer Postkartenaktion will er dafür sorgen, dass der Psalm auch an diesem 1. August gesungen wird. Auf der Postkarte ist neben der ersten Strophe des Psalms das bekannte Bruder-Klaus-Lied «Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir», abgedruckt.

Bruder Klaus und der Schweizer Psalm | © Vereinigung «Neuer Rütlibund»

Den Nationalheiligen nennt der «Rütlibund» eine wichtige Identifikationsfigur für die Schweiz. Dessen tiefer Gottesbezug finde im Schweizer Psalm eine Entsprechung. Die Vereinigung möchte ihre Postkarten möglichst breit streuen. Der «Rütlibund» erhält Unterstützung vom Verein Helvetia Christiana. Diese sammelt Unterschriften gegen die neue Hymne.

Von Emil bis Zemp

Die Gegenseite rüstet auch auf. Rund 70 Prominente stellen sich hinter die neue Hymne. Zu diesen gehören die alt Bundesrätinnen Eveline Widmer-Schlumpf, Ruth Metzler und Ruth Dreifuss sowie alt Bundesrat Moritz Leuenberger. Auch von kirchlicher Seite sind Personen in ein Unterstützungskomitee eingestiegen, so der Grossmünster-Pfarrer aus Zürich, Christoph Sigrist.

Die Präsidentin von Caritas Schweiz, Mariangela Wallimann-Bornatico, und der alt Bundesrichter Giusep Nay gehören ebenfalls zum Komitee, wie SGG-Geschäftsleiter Lukas Niederberger auf Anfrage erklärte. Ferner der Schweizer Kommunikationsberater Iwan Rickenbacher und der Luzerner alt Regierungrsrat Anton Schwingruber. Emil Steinberger und die Opernsängerin Noëmi Nadelmann erwärmen sich ebenfalls für die neue Fassung.

Mit von der Partie ist zudem der Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, Beat W. Zemp, der den neuen Text «für sehr gut lernbar» ansieht, so dass er auch von Primarschülern gesungen werden könne.

Bisher wenig Resonanz in Gemeinden

Offenbar stösst der neue Text der Hymne nicht auf starke Resonanz. Die SGG schrieb vergangenes Jahr die rund 2350 Schweizer Gemeinden an. Rund zwanzig seien dem Aufruf gefolgt und hätten den neuen Text intoniert, schreibt der «Rütlibund» in der Juli-Ausgabe seiner Informationsbroschüre. Die Kosten für die neue Hymne würden bisher über 700’000 Franken betragen. Dazu gehörten Personalaufwand, Notariat und anderes mehr.

SGG-Geschäftsleiter Lukas Niederberger ist zuversichtlich. Gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung» erklärte er: «Die Skepsis gegenüber einer Hymne, die vom Bund nicht offiziell anerkannt ist und Gott aussen vor lässt, bleibt gross, besonders in der Romandie, dem Tessin und in der Innerschweiz.» Und er ergänzte: «Aber wir haben Zeit.» (gs)

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