Die ehemalige Fabrikantenvilla in Neuhaus, die sich die Piusbruderschaft gekauft hat und in der ab Ende 2026 Gottesdienste gefeiert werden sollen.
Schweiz

Piusbrüder kaufen Villa für Gottesdienste: «Traditionelle Liturgie strahlt ganz andere Spiritualität aus»

Die Piusbruderschaft lässt sich künftig in der Gemeinde Eschenbach im Sankt Gallischen nieder. Sie hat in Neuhaus eine ehemalige Fabrikantenvilla gekauft. Geleistet hat sie sich diese durch Spenden. Die Spenden resultieren vor allem durch das Sonntagsopfer der rund 4500 Gläubigen.

Wolfgang Holz

Die ehemalige Fabrikantenvilla in Neuhaus sieht sehr stattlich aus, die sich die Piusbruderschaft in Neuhaus geleistet hat. Der Verein Nazareth der Piusbruderschaft hat das Gebäude bereits vergangenes Jahr gekauft. Die Villa war 1866 vom Glarner Textilunternehmer Georg Wild errichtet worden. Indes – in welcher Höhe ist der Kaufpreis denn anzusiedeln? Wohl mindestens sechsstellig?

«Wir können uns nur das leisten, was wir gemäss dem Spendenaufkommen unserer Gläubigen an finanziellen Mitteln erhalten.»

Pater David Köchli, Ökonom der Piusbruderschaft im Distrikt Schweiz, lacht herzhaft auf die Frage von kath.ch am Telefon. «Das kann ich Ihnen leider nicht sagen – wir können uns aber nur das leisten, was wir gemäss dem Spendenaufkommen unserer Gläubigen an finanziellen Mitteln erhalten. Wir bekommen ja keine Kirchensteuer.»

Rund 4500 Gläubige in der Schweiz

Offensichtlich gibt es reichlich Spenden für die Piusbrüder in der Schweiz. Die Piusbruderschaft zählt laut Köchli rund 4500 Gläubige. Die meisten würden über das Sonntagsopfer eine Spende leisten, so der Ökonom. Von grösseren Spenden von Privatpersonen sei ihm nichts bekannt. Doch warum findet denn die Piusbruderschaft überhaupt so eine grosse Resonanz unter katholischen Gläubigen?

«Nachwuchssorgen haben wir keine, weil viele junge Männer bei uns eine Faszination des Glaubens spüren.»

«Das ist nicht schwer zu erklären», antwortet Pater David Köchli gegenüber kath.ch. Die traditionelle Liturgie strahlt einfach eine ganz andere Spiritualität aus», ist er überzeugt. Bekanntlich feiern die Piusbrüder die Heilige Messe nach dem tridentinischen Ritus, bei dem die Priester mit dem Rücken zum Kirchenvolk stehen. Diese Art der Spiritualität wirkt sich offensichtlich auch positiv auf den Priesternachwuchs aus. «Ja, Nachwuchssorgen haben wir keine, weil viele junge Männer bei uns eine Faszination des Glaubens spüren.»

Die Einweihung der Kapelle in Gommiswald 2025 (links): Pater David Köchli
Die Einweihung der Kapelle in Gommiswald 2025 (links): Pater David Köchli

Eigentlich nur ein Umzug

Künftig können die Piusbrüder im Priorat Wil neu in der Fabrikantenvilla in Neuhaus zusätzliche Gottesdienste feiern. Dabei handelt es sich eigentlich nur um einen Umzug. Denn seit 1992 hielten die Piusbrüder ihre Gottesdienste in einer Kapelle in Uznach in einem ehemaligen Restaurant ab, wo sie eingemietet waren. Diese sei ihnen dann gekündigt worden. Daraufhin zogen sie um nach Gommiswald.

Seit 2020 ist Pater Thibaud Favre der Distriktsobere in der Schweiz. Er wird in seinen Aufgaben von zwei Assistenten unterstützt: die Patres Philippe Lovey und Georg Kopf. Für die administrativen Angelegenheiten ist Ökonom Pater David Köchli verantwortlich.

«Die Villa muss erst hergerichtet werden.»

Nun hat der Verein Nazareth der Piusbruderschaft für die ehemalige Fabrikantenvilla an der Rickenstrasse in Neuhaus ein Baugesuch eingereicht. «Die Villa muss erst hergerichtet werden», erklärt Pater David Köchli. Eigentlich sei das neue Gotteshaus, das Platz für rund 50 Personen bieten soll, keine grosse Sache. «Es ist einfach ein kleiner Ableger innerhalb des Priorats Wil, wo ja drei unserer Priester auch wohnen. An Weihnachten planen wir in der Villa, erste Gottesdienste zu feiern.» Der Standort Wil mit Schule habe Zuwachs erfahren.

Die Leitung der Pius-Priesterbruderschaft vor der Statue von Papst Pius X. in Ecône, 2020
Die Leitung der Pius-Priesterbruderschaft vor der Statue von Papst Pius X. in Ecône, 2020

«Was bisher in Gommiswald war, wird künftig also in Eschenbach sein. Wir hoffen, bis Weihnachten den Umzug vollziehen zu können. Es wird also auch künftig nur einen Standort im Linthgebiet geben», sagt Pater David Köchli. In der Fabrikantenvilla in Eschenbach sei aber lediglich ein Gottesdienstraum geplant. «Oben drüber sind zwei Wohnungen. Wir wollen drei daraus machen und sie wieder vermieten», verrät Köchli.

Durch Lefebvre gegründet

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. wurde am 1. November 1970 durch den Bischof von Freiburg, Genf und Lausanne, François Charrière, als Glied der römisch-katholischen Kirche kanonisch errichtet. Ihr Gründer ist der französische Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), ehemaliger Missionar und Apostolischer Delegat für das Französisch sprechende Afrika. Dieser hatte 1976 gegen ein päpstliches Verbot Priester geweiht und damit die Priesterbruderschaft St. Pius X. innerkirchlich isoliert.

Die dadurch ausgelöste Auseinandersetzung erreichte 1988 mit der Weihe von vier eigenen Bischöfen und der Exkommunikation der Beteiligten ihren Höhepunkt. Papst Benedikt XVI. (2005-2013) hob diese Exkommunikation zwar 2009 auf; zu einer theologischen Einigung kam es aber nicht.

Jüngst hat es einen neuen Annäherungsversuch in Rom zwischen der Piusbruderschaft und Papst Leo XIV. gegeben, der aber gescheitert ist. Grund: Die Piusbrüder wollen nach wie vor am 1. Juli neue Bischöfe weihen.

Die Gründung der Piusbruderschaft geht auf die Veränderungen zurück, die das Zweite Vaticanum in den 1960er Jahren mit sich brachte. Viele Traditionalisten sahen in den Neuerungen eine Abkehr von der traditionellen katholischen Lehre. In diesem Kontext entstand die Bruderschaft in der Absicht, die alte Liturgie und die klassischen Lehren der katholischen Kirche zu bewahren. Ökumene und Religionsfreiheit lehnen sie ab.

Insgesamt werfen die Piusbrüder der römisch-katholischen Kirche vor, mit den Konzilsbeschlüssen die Tradition der Kirche zu zerstören. Sie tun dies aber in subjektiver Treue zum Papst in Rom, für den sie auch in ihren Messen beten. (kna)

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Die ehemalige Fabrikantenvilla in Neuhaus, die sich die Piusbruderschaft gekauft hat und in der ab Ende 2026 Gottesdienste gefeiert werden sollen. | © zVg
5. März 2026 | 16:00
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