Schweiz

Petition fordert Aufnahme von 10'000 Flüchtlingen jährlich

Zürich, 6.3.18 (kath.ch) Die Schweiz soll künftig 10’000 Flüchtinge aufnehmen sowie legale Zugangswege zum Land öffnen. Das fordern in einer Petition das Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) und die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH). Verschiedene Parteien und Organisationen unterstützen die Aktion, nicht aber die katholischen Hilfswerke Caritas und Fastenopfer.

Die Schweiz sei aufgrund ihrer langen humanitären Tradition besonders in der Verantwortung, mehr Flüchtlingen als bisher Schutz zu gewähren, schreiben Heks und SFH. 84 Prozent der weltweit fast 66 Millionen Flüchtlinge lebten in Entwicklungsländern, meist in Nachbarländern der Krisenregionen. Diese Länder seien jedoch völlig überlastet und nicht in der Lage, für diese Menschen auch nur einigermassen akzeptable Lebensbedingungen zu schaffen.

Viele Flüchtlinge sähen keinen anderen Ausweg als die Flucht nach Europa auf «illegalen und oft lebensgefährlichen Wegen». Allein in den beiden vergangenen Jahren seien über 8000 Menschen auf der Flucht in seeuntüchtigen Booten über das Mittelmeer ertrunken. Für die meisten Schutzsuchende ende die Flucht an den abgeriegelten EU-Aussengrenzen. Der Zugang zu einem Asylverfahren in einem europäischen Staat werde ihnen verunmöglicht.

Sponsoren und Stipendien

Das Kontingent an Flüchtlingen soll auf jährlich 10’000 Personen erhöht werden. Das fordern Heks und SFH. Menschen mit nachgewiesener Schutzbedürftigkeit sollen direkt in die Schweiz geholt werden. Die Flüchtlinge sollen mittels eines privaten Sponsorship-Programms in Kooperation mit dem Uno-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und zivilgesellschaftlichen Organisationen, über eine erweiterte Familienzusammenführung oder auch im Rahmen von Stipendienprogrammen für junge Studierende aufgenommen werden.

Die Petition wird von verschiedenen Organisationen unterstützt. Unter diesen finden sich der Christliche Friedensdienst (cfd), der Jesuiten Flüchtlingsdienst Schweiz (JRS) und als Parteien die BDP und die SP Schweiz. Nicht aber Caritas Schweiz und das Fastenopfer. Heks-Sprecher Dieter Wüthrich erklärte auf Anfrage, mit Caritas Schweiz habe es Kontakte gegeben. Zu einer Zusammenarbeit sei es aber nicht gekommen. Die Anfrage beim Fastenopfer sei seit dieser Woche unterwegs, sagte Wüthrich.

Aktuelle Aufnahmeaktionen

Der Schweizer Bundesrat hat im September 2013 beschlossen, im Rahmen eines dreijährigen Pilotprojekts 500 besonders schutzbedürftige Flüchtlinge des Syrienkrieges aufzunehmen. Im März 2015 entschied der Bundesrat, im Rahmen einer humanitären Aufnahmeaktion weitere 3500 Opfer aufzunehmen. 2016 entschied der Bund die Aufnahme von 2000 Flüchtlingen bis 2019.

Seit der Einführung dieses jüngsten Programms haben gemäss Heks und SFH letztes Jahre bereits 590 Personen in der Schweiz Schutz gefunden. Aufgenommen werden primär syrische Staatsangehörige aus dem Libanon und aus Jordanien. (gs)

Hier geht es zur Petition.

 

Kurdisches Flüchtlingslager in der Türkei | © Nicole Maron
6. März 2018 | 12:56
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