Peter Lüthi: «Der Abt ist seit 1924 bei der Welttheater-Organisation dabei»
Peter Lüthi vertritt das Kloster in der Welttheater-Organisation. Das Kloster Einsiedeln sei seit Beginn dieser Theatertradition aktiv dabei, sagt er. Dass bei den kommenden Aufführungen keine Mönche mitspielen, bedauert der ehemalige Rektor der Klosterschule Einsiedeln.
Regula Pfeifer
Spielen im neuen Einsiedler Welttheater auch Einsiedler Mönche mit?
Peter Lüthi*: Leider lassen sich keine Mönche finden, die beim Welttheater mitspielen. Der theateraffinste Mönch ist Abt Urban. Er war bis zu seiner Wahl als Abt selbst Klostervertreter im Vorstand der Welttheatergesellschaft Einsiedeln (2007, 2013), die das Welttheater Einsiedeln organisiert.
Welche Rolle spielt das Kloster beim Welttheater?
Lüthi: Das Kloster spielt eine grosse Rolle beim Welttheater. Seit 1924 ist eigentlich der Abt bei der Organisation indirekt oder beinahe direkt dabei. Der Abt verteilt symbolisch die Rollen an die Spielerinnen und Spieler. Dieses Jahr war Abt Urban krank und konnte nicht teilnehmen. Aber das Kloster gehört seit jeher zur Organisation. Es schickt immer einen Vertreter in den Vorstand – das ist in den Statuten so festgehalten. Er wird nicht gewählt, sondern vom Kloster bestimmt.
«Abt Urban hat mich als ehemaligen Rektor der Stiftsschule mit den Hobbies Fussball und Theater angefragt.»
Momentan sind Sie als Klostervertreter im Vorstand des Welttheaters. Wie kam es dazu?
Lüthi: Abt Urban hat mich als ehemaligen Rektor der Stiftsschule mit den Hobbies Fussball und Theater angefragt. Ich habe das sehr gerne übernommen und bin jetzt auch noch für die Kommunikation des Welttheaters verantwortlich.
Waren die Einsiedler Mönche früher anderweitig involviert?
Lüthi: Die Mönche waren in den vergangenen Spielzeiten immer wieder prominent vertreten bei den Aufführungen – etwa als Komponisten oder als Schauspieler. So hat der geniale Pater Kassian Etter in zwei Spielzeiten bei Thomas Hürlimanns Stücken jeweils den Autor oder die Welt gespielt. Komponisten waren folgende Mönche: 1924 Pater Joseph Staub, 1930 Pater Joseph Staub, 1935, 1937, 1950 und 1955 Pater Pirmin Vetter, 1981, 1987 und 1992 Pater Daniel Meier. 1924 schrieb Pater Raphael Häne zudem an der Textfassung mit.
«Calderons Stück ‹Das grosse Welttheater› war im Zuge der Gegenreformation geschrieben worden.»
Weshalb dieses Engagement?
Lüthi: Dass das Kloster immer involviert war, hat auch mit der grossen Theatertradition des Klosters Einsiedeln zu tun. Sie geht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Für das Welttheater war das Kloster mitverantwortlich, als es 1924 erstmals aufgeführt wurde. Abt Ignaz Staub setzte sich für die Aufführung vehement ein. Pedro Calderons Stück «Das grosse Welttheater» war ja auch im Zuge der Gegenreformation im 17. Jahrhundert geschrieben worden.
Wie lange wurde Calderons Stück gespielt?
Lüthi: Seit 2000 spielt man nicht mehr Calderons Stück, sondern ein Stück, das von einem zeitgenössischen Autor im Sinne von Calderons Ideen, aber aus heutiger Sicht verfasst wird. Es dreht sich also weiter um die Frage, «Welche Rolle spiele ich?». Nächstes Jahr ist Lukas Bärfuss, Georg Büchner-Preisträger, verantwortlich für den Text. Dieser Text wird auch immer der Klostergemeinschaft vorgängig vorgestellt, so geschehen letzten Samstagmorgen.
Hilft das Kloster dem Welttheater auch materiell?
Lüthi: Ja, es stellt viele seiner Räume zur Verfügung. Zudem gehört ein grosser Teil des Klosterplatzes, auf dem das Theater spielt, zum Grundbesitz des Klosters. Das Kloster steht sehr oft auch im Brennpunkt der Kritik, wenn die Spielzeit beginnt. Wenn allzu provokative Aussagen gemacht werden, kann das Reaktionen hervorrufen.
Ein Theater-Grossprojekt
Das Einsiedler Welttheater ist ein Theater-Grossprojekt. Rund 500 bis 600 Personen wirken mit, geplant sind 39 Aufführungen. Das Budget beträgt 4,85 Millionen Franken, wie an der Medienorientierung im letzten Juni bekannt gegeben wurde. Neu ist eine überdachte Tribüne, die Platz bietet für 4000 Gäste. Das aktuelle Theaterstück interpretiert Pedro Calderón de la Barcas «Das grosse Welttheater» auf neue Art, Autor ist Lukas Bärfuss. (rp)
*Peter Lüthi ist Klostervertreter im Vorstand der Welttheatergesellschaft Einsiedeln, die das Welttheater organisiert. Lüthi ist zuständig für die Kommunikation. Früher leitete er als Rektor die Klosterschule.
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