Patriarch Kyrill I. wirft Kritikern Neid vor
Der orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill I. wirft ausländischen Kritikern Russlands Eifersucht und Neid vor. «Viele lehnen sich heute gegen unser Vaterland auf; aber wir wissen, dass das Vaterland niemandem etwas Böses angetan hat», sagte er bei einem Gottesdienst am Sonntag in Kaliningrad (Königsberg).
Sie erhöben sich nicht gegen Russland, «weil wir schlecht sind, sondern weil wir anders sind», sagte der 75-Jährige weiter.
«Die Andersartigkeit Russlands erregt Eifersucht, Neid und Empörung, aber wir können uns nicht ändern», sagte das orthodoxe Kirchenoberhaupt. «Natürlich wollten uns viele Leute, wie man jetzt sagt, reformieren; aber es hat nicht funktioniert, obwohl so viel Mühe und Geld in die Reformierung Russlands investiert wurde.» Das Riesenreich sei die «Heilige Rus» geblieben, die der «hochheiligen Mutter Gottes» gehöre.
«Kein Feind kann uns Angst machen.»
Gott möge die Region Kaliningrad, das russische Volk und das ganze Land «vor jedem Feind und Schuft schützen», fuhr Kyrill I. fort. «Aber das Wichtigste ist, dass der Herr unsere Herzen rein hält und den Glauben in unseren Herzen. Dann kann uns kein Feind Angst machen», so der Patriarch. Kyrill I. steht seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine Ende Februar hinter dem Kurs von Präsident Wladimir Putin.
Besuch in russischer Exklave Kaliningrad
Der Patriarch besuchte am Wochenende die zwischen Polen und Litauen an der Ostsee gelegene russische Exklave Kaliningrad. Bei einer Begegnung mit dem Gouverneur der Region, Anton Alichanow, sagte er: «In Anbetracht der Tatsache, dass die westlichen Länder aus verschiedenen, grösstenteils rational nicht erklärbaren Gründen eine äusserst unfreundliche Haltung gegenüber Russland an den Tag legen, spielt das Kaliningrader Gebiet heute eine sehr wichtige Rolle.» Er meine das nicht politisch oder militärisch. Kaliningrad sei vielmehr ein «Aussenposten im spirituellen Sinne». Hier gebe es im Gegensatz zu Westeuropa ein reges religiöses Leben.
Bevor Kyrill Kirchenoberhaupt wurde, betreute er ab 1986 die Region Kaliningrad; von 1988 bis 2009 war er Erzbischof bzw. Metropolit von Smolensk und Kaliningrad.
Wiederholte Rechtfertigungen
Seit Monaten rechtfertigte er immer wieder Russlands Einmarsch in der Ukraine. In der Armee-Kathedrale in Kubinka vor den Toren Moskaus schwor er Soldatinnen und Soldaten persönlich auf den Kampf ein. Die britische Regierung fror deshalb im Juni Vermögenswerte Kyrills in Grossbritannien ein und verhängte ein Einreiseverbot. EU-Sanktionen gegen den Moskauer Patriarchen waren am Widerstand der ungarischen Regierung von Viktor Orban gescheitert. (kna)
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