Kolumban Reichlin, Gardekaplan.
Schweiz

Pater Kolumban Reichlin: «Um Pilger zu sein, braucht es ein neugieriges Herz»

Der Höhepunkt im Heiligen Jahr ist für die Gläubigen eine Pilgerfahrt nach Rom – und vor allem das Durchschreiten einer der Heiligen Pforten. Im neuesten Video von kath.ch kommen Menschen zu Wort, die berichten, wie das Heilige Jahr in Rom erlebt wird und was den Menschen das Pilgern bedeutet.

Jacqueline Straub

Das Heilige Jahr 2025 steht unter dem Motto «Pilger der Hoffnung». Am 24. Dezember 2024 öffnete Papst Franziskus die Heilige Pforte des Petersdoms. Bis zum 6. Januar 2026 können Pilgerinnen und Pilger diese noch durchschreiten – ein Höhepunkt für die Gläubigen aus aller Welt.

Die Heilige Pforte zu durchschreiten, ist nicht «etwas Magisches oder ein Automatismus», sagt Pater Kolumban Reichlin, Kaplan der Schweizergarde. Vielmehr ist es ein «schönes, konkretes äusseres Zeichen einer inneren spirituellen Einstellung, eines spirituellen Wunsches, sein Leben mit Christus zu leben».

Menschen mit Gehhilfen und Rollstuhl passieren die Heiligen Pforte im Petersdom im Vatikan.
Menschen mit Gehhilfen und Rollstuhl passieren die Heiligen Pforte im Petersdom im Vatikan.

Guido Funke, Priester der Deutschsprachigen Pfarrei Santa Maria dell› Anima erlebt das Heilige Jahr als «stetig wachsend». Zu Beginn war es ruhig, nun wird es immer «lebendiger und immer reicher an Pilgern».

Auch aus dem deutschsprachigen Raum pilgern vermehrt Menschen nach Rom. «Dass ich Pilger begleiten darf, ist für mich das Schönste.» Er erlebt dabei, «wie Menschen bewusst den Weg mit Gott gehen wollen». Die Menschen reisen nicht einfach nach Rom, um «Urlaub am Strand» zu machen, sondern «sie kommen hierher, um eine Ausrichtung zu Gott zu finden».

Als Leiter des Deutschen Pilgerzentrums trifft Pfarrer Christian Böck täglich Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die als Pilger nach Rom gekommen sind. «Mich motiviert es, mit Pilgern zu arbeiten», sagt er. Er darf viel von ihren Lebensgeschichten lernen und erhält so «das seelsorgerliche Gefühl», dass er «ein Stück mitgehen darf auf deren Lebensweg, der gleichzeitig auch ein Pilgerweg ist».

«Ich erlebe die Pilger als sehr ehrfürchtig, wenn sie hierherkommen», sagt der Schweizergardist Dario. Er bewundert ihre «Hingabe für die lange Reise, die sie auf sich nehmen». Aber auch die Emotionen jener, die betend durch die Pforte gehen. Er wünscht sich für das Heilige Jahr, dass die «Welt wieder ein bisschen zueinander findet» und Trennungen überwunden werden.

27 Kilometer in sechs Stunden

«Um Pilger zu sein, braucht es nicht viel», sagt Pater Kolumban Reichlin. «Es braucht ein offenes Herz, ein neugieriges Herz.» Ebenso braucht es den «inneren Wunsch, die Gottesbeziehung zu beleben und zu vertiefen».

Zusammen mit den Schweizergardisten hat er bereits in der traditionellen Sieben-Kirchen-Wallfahrt alle vier Heiligen Pforten der vier grossen päpstlichen Basiliken in Rom zu Fuss besucht und durchschritten. Das sind fast 27 Kilometer – und sechs Stunden Fussmarsch.

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Auch Christian Böck ist bereits durch alle vier Heiligen Pforten durchschritten. ” Für mich ist es immer eine ganz besondere Erfahrung.» Durch die Pforte zu gehen, heisst, «zu Jesus hinzugehen», sagt Christin Böck.

Im Video kommt auch Luise Gafriller zu Wort. Sie ist Volontärin aus Bozen und hilft als «Ordnungsdienst», indem sie etwa bei Prozessionen Wege absperrt, damit die Prozessionen ungestört durch die Strassen ziehen können. Sie ging schon alle durch die Heilige Pforte, empfiehlt aber, dies in einer Gruppe zu tun.


Kolumban Reichlin, Gardekaplan. | © Jessica Krämer
16. September 2025 | 17:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
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