Schweiz

«Pastorales Sensorium», «Teddybär», Brücke zu den Romands: Katholiken danken Bischof Denis

Weihbischof Denis Theurillat (70) war beliebt. Das zeigen die Reaktionen auf seinen Rücktritt – von Rom über Bern und Solothurn bis nach Luzern. Kurienkardinal Kurt Koch (70) hebt Weihbischof Denis’ «liebenswürdige Art und sein pastorales Sensorium» hervor.

Raphael Rauch

Schon mehr als 20 Jahre ist es her, dass Kurt Koch als Bischof von Basel bei Denis Theurillat anklopfte – und ihn zum Weihbischof machte. Doch einfach machte es der Jurassier seinem Bischof nicht.

Einwandfreie Zusammenarbeit

«Als Kurt Koch mich fragte, habe ich gesagt: Lieber Bischof Kurt, du klopfst an der falschen Tür. Ich bin Priester und möchte Priester bleiben», erzählte Theurillat später. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit sagte er dann doch Ja.

Kardinal Kurt Koch

Die Zusammenarbeit mit Kurt Koch sei einwandfrei gewesen: Beide sind derselbe Jahrgang. Dann wurde Koch Kardinal in Rom, der 16 Jahre jüngere Felix Gmür wurde neuer Bischof. «Das war schon eine Umstellung», sagte der Weihbischof, und gab zu: «Es ist nicht einfach, einen jüngeren Chef zu haben.»

«Wir lebten im Bischofshaus mitbrüderlich zusammen»

Entsprechend warmherzig fällt die Reaktion von Kurienkardinal Kurt Koch zum Rücktritt seines einstigen Weihbischofs aus: «Ich bin ihm dankbar für die zehn Jahre, die wir im Bistum und in der Bischofskonferenz zusammenwirken und im Bischofshaus mitbrüderlich zusammenleben durften», sagt Koch, und fügt hinzu: «Ich behalte seine liebenswürdige Art und sein pastorales Sensorium gerne in Erinnerung.»

Denis Theurillat, Weihbischof von Basel, am ökumenischen Gottesdienst zur Eröffnung der Legislatur

Ob Weihbischof Denis Theurillat mit seinem Rücktritt auch sein Amt als Domherr des Standes Bern abgibt, ist unklar. Die Berner bedauern seinen Rückzug als Weihbischof.

Integrationsfigur für die Romands

«Bischof Denis Theurillat war in Bern ein Sympathieträger. Insbesondere für die starke Minderheit der französischsprachigen Katholikinnen und Katholiken war er eine Integrationsfigur und sprach mit seiner Herzlichkeit viele Menschen direkt an», sagt der Sprecher der Berner Katholiken, Karl Rechsteiner.

Mit Weihbischof Denis habe die frankophone Kirchenkultur «immer einen guten Platz auch in der Bundesstadt» gehabt.

Schachspiel unweit des Bundeshauses in Bern

Grosse Sympathien kommen dem scheidenden Basler Weihbischof von den Jugendverbänden entgegen. Mit ihnen hat er während seiner Zeit als Jugendbischof eng zusammengearbeitet. So etwa mit Jungwacht Blauring.

«Er hatte nie den Anspruch, alles zu wissen»

Bundespräses Valentin Beck findet, Weihbischof Denis Theurillat habe sich «authentisch dafür eingesetzt, die Realitäten und Bedürfnisse von Jugendlichen in die Gestaltung kirchlichen Handelns einfliessen zu lassen».

Jubla-Bundespräses Valentin Beck

Theurillat sei bei den Jugendlichen und ihren Betreuern beliebt gewesen. «Er hatte nie den Anspruch, alles zu kennen, zu wissen oder fixfertige Lösungen zu haben. Er verliess sich auf die Stimmen aus der professionellen und ehrenamtlichen kirchlichen Jugendarbeit», sagt Beck.

Engagement für die Frauen

Beck würdigt auch Theurillats Engagement in der Frauenfrage: «Er hat gefordert, die Frauenfrage auf Ebene der Schweizer Bistumskonferenz und auch weltkirchlich zur Sprache zu bringen.»

Murielle Egloff, Stellenleiterin Kinder und Jugend, Katholische Landeskirche Thurgau, und Präsidentin der Ministrantenpastoral

Dies schätzte auch Murielle Egloff. Sie ist Präsidentin der Ministrantenpastoral in der deutschsprachigen Schweiz.

«Ich fühlte mich von Weihbischof Denis gerade auch als Frau immer sehr wertgeschätzt und ernstgenommen. Seine Haltung gegenüber der Frau in der katholischen Kirche wahr immer auf Augenhöhe.»

Dialog über die Bischofssynode

Auch Viktor Diethelm wird Weihbischof Denis Theurillat vermissen. Diethelm leitet die Deutschschweizer Fachstelle für offene kirchliche Jugendarbeit in Luzern. «In allen Begegnungen mit Weihbischof Denis Theurillat habe ich Wohlwollen und Anerkennung für die kirchliche Jugendarbeit erfahren», sagt Diethelm.

Viktor Diethelm, Leiter der Deutschschweizer Fachstelle für offene kirchliche Jugendarbeit

«Er konnte Jugendliche begeistern und seine Wertschätzung jungen Menschen auf eine lebendige Art vermitteln.» Diethelm hofft, dass er den E-Mail-Austausch über die Resultate der Bischofssynode mit dem emeritierten Weihbischof noch fortsetzen könne.

Bischof Denis – wie ein Teddybär?

Thomas Boutellier ist voll des Lobes über den scheidenden Weihbischof. Boutellier leitet die Fachstelle Jugend der Synode Solothurn. «Als ich Student war, hat jemand nach dem Besuch von Bischof Denis im Seminar gesagt, er sei wie ein Teddybär.»

Thomas Boutellier, Verbandspräses der katholischen Pfadi Schweiz

Auf den ersten Blick sei ihm der Vergleich befremdlich vorgekommen. «Aber mit und für Bischof Denis zu arbeiten hiess auch in einer Komfortzone zu arbeiten. Sie hat viel mehr ermöglicht als mit anderen Würdenträgern – besonders ausserhalb des Bistums», sagt Boutellier. «Und wir konnten darauf vertrauen, dass er auch ein Bär sein konnte, der verteidigt, was er machte.»

Jugendrat nicht mehr im Blick der Bischöfe

Was Boutellier bedauert: «Bischof Denis hat vor vielen Jahren den Jugendrat der Bischofskonferenz gegründet. Das war damals ein Novum: Endlich haben die Bischöfe über die sprachregionalen Grenzen geschaut. Leider ist dieses Gremium inzwischen eingeschlafen und nicht mehr im Blickfeld der Bischöfe.»

Boutellier ist auch Verbandspräses der Katholichen Pfadi. Er ist sich sicher: «Wir werden sein ‘Wie geht es dir?’ vermissen. Er war immer zuerst Seelsorger und dann Bischof.»


Denis Theurillat, emeritierter Weihbischof von Basel | © Raphael Rauch
8. Februar 2021 | 18:10
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