Kardinal Mauro Maria Gambetti
Vatikan

Papst versetzt Kurienkardinal vom Petersdom in die Provinz

Es war schon lange gemunkelt worden, nun herrscht Klarheit: Kardinal Gambetti, einflussreicher Chef des Petersdoms, wird in ein Provinz-Bistum versetzt – eine der ersten grösseren Personalentscheidungen unter Leo XIV.

(CIC) Paukenschlag am Petersdom: Leo XIV. hat den «Hausherrn» (Erzpriester) der Papst-Basilika, Kardinal Mauro Maria Gambetti (60), nach gut fünf Jahren abberufen. Der Norditaliener soll künftig das Erzbistum Chieti-Vasto an der Adriaküste leiten, wie der Vatikan am Samstag mitteilte.

Das Bistum zählt mit knapp 300’000 Katholiken zu den mittelgrossen in Italien. Dem Vernehmen nach wird er seine neue Aufgabe nach den Feiern zum 400. Weihetag des Petersdoms am 18. November antreten.

Bisher Erzpriester des Petersdoms

Der Franziskaner-Minorit Gambetti ist seit Februar 2021 Erzpriester der grössten Kirche der katholischen Christenheit, Präsident der Dombauhütte sowie Generalvikar für die Vatikanstadt. Wer ihm in diesen einflussreichen Ämtern nachfolgt, ist noch offen.

Das Bistum Chieti-Vasto in den Abruzzen, rund 200 Kilometer östlich von Rom, wird seit 2004 von Erzbischof Bruno Forte geleitet. Dieser erreichte 2024 die für Bischöfe geltende Altersgrenze von 75 Jahren. Die Bistumsleitung hatte bereits am Freitag zu einer «ausserordentlichen Versammlung» in die Kathedrale San Giustino eingeladen.

Blitzkarriere unter Franziskus

Gambetti war unter Papst Franziskus (2013–2025) eine prominente Figur mit Blitzkarriere im Vatikan. Franziskus machte ihn im November 2020 zum Kardinal. Erst kurz vorher war er zum Bischof geweiht worden.

Der studierte Ingenieur trat 1998 den Franziskaner-Minoriten bei. Ab 2013 leitete er als Kustos den Konvent von Assisi, das Mutterkloster der Gemeinschaft am Grab des heiligen Franziskus. Als die Franziskaner 2018 Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der «Lampe des Friedens» ehrten, war Gambetti auch in deutschen Medien zu sehen.

«Macher» am Petersdom

Mit Gambettis Abberufung war schon länger gerechnet worden, er galt unter Konservativen als unakzeptabel. Er führte am Petersdom viele Neuerungen ein, auch mit Blick auf das Heilige Jahr 2025.

Auch gibt es seit kurzem ein kostenpflichtiges Anmeldesystem für schnelleren Einlass in die Basilika, regelmässige Konzerte, Vorträge sowie Andachten samstags um 21 Uhr, einen «Raum des Zuhörens» für Menschen mit allgemeinen Anliegen und ein «Segens-Häuschen» im linken Seitenschiff.

Auftritt von Naomi Campbell vor dem Petersdom

Auch ging Gambetti Kulturpartnerschaften etwa mit dem Unternehmen Microsoft ein. Ein mondänes Konzert auf dem Petersplatz im September 2025, bei dem unter anderen die Mode-Ikone Naomi Campbell auftrat, sorgte für Unmut im Vatikan. Zudem verbannte Gambetti konservative Liturgien aus dem Petersdom.

Zugleich kam es in den letzten Jahren zu einigen Vorfällen von Vandalismus in der Basilika, allein dreimal zwischen Frühjahr 2023 und Herbst 2025. Erst danach wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Für die öffentliche Sicherheit im Petersdom ist – anders als auf dem Petersplatz – allein der Vatikan verantwortlich.

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Kardinal Mauro Maria Gambetti | © KNA
6. Oktober 2026 | 07:00
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