Vatikan

Papst stellt sich hinter deutsche Seenotretter

Rom, 6.1.19 (kath.ch) Papst Franziskus hat eine rasche Lösung für die vor Malta festliegenden Rettungsschiffe verlangt. Er appelliere nachdrücklich an die Regierenden in Europa, konkrete Solidarität gegenüber diesen Menschen zu zeigen, sagte er am Sonntag beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz vor 60’000 Besuchern.

Die Schiffe «Sea-Watch 3» und «Professor Albrecht Penck» der deutschen Organisationen Sea-Watch und Sea-Eye warten weiter vor der Küste Maltas darauf, die insgesamt 49 Geretteten in einen europäischen Hafen bringen zu dürfen. Die deutsche Regierung in Berlin signalisierte am Samstag, Deutschland sei zur Aufnahme der Menschen bereit, allerdings im Rahmen einer Verteilung auf mehrere EU-Mitgliedstaaten.

Sea-Watch begrüsst Unterstützung durch Papst

Sea-Watch begrüsste am Sonntag die Unterstützung durch den Papst. Franziskus fordere zu Recht eine europäische Solidarität ein, sagte der Sprecher Ruben Neugebauer dem CIC. Es gehe nicht um Italien oder Malta. «Es ist die europäische Grenze, an der die Leute sterben – da kann sich niemand verstecken», so Neugebauer.

Vor dem Hintergrund der europäischen Menschenrechtskonvention stelle die Verweigerung eines Hafenzugangs eine «Freiheitsberaubung» dar. Die Regierungen nähmen «49 Menschen in Geiselhaft für eine verkorkste Migrationspolitik».

Der Sea-Watch-Sprecher sah den Aufruf des Papstes auch an den deutschen Innenminister Horst Seehofer (CSU) adressiert. «Wir fragen uns, wie es ein christlich-sozialer Innenminister mit seinem Glauben vereinbaren kann, diese Leute für seine Politik in Geiselhaft zu nehmen», sagte Neugebauer. Er verwies darauf, mehr als 30 Städte und Gemeinden in Deutschland hätten eine Aufnahme von Migranten angeboten.

Seit 15 Tagen auf der «Sea-Watch 3»

Mittlerweile befinden sich die 32 Flüchtlinge der «Sea-Watch 3» seit 15 Tagen auf dem Schiff. Neugebauer beschrieb die psychologische Lage als angespannt. Am Samstag sei eine Person über Bord gesprungen, um Malta schwimmend zu erreichen, aber kurz darauf wieder geborgen worden. Für die Migranten sei es schwierig, das Land in Sicht zu haben. «Die grosse Ungewissheit zehrt an den Nerven», sagte Neugebauer.

Der Sprecher betonte, die Menschen kämen aus libyschen Folterlagern. Dass sie sich wegen des schlechten Wetters in den engen Kabinen unter Deck aufhalten müssen, wirke für manche «retraumatisierend».

Besorgt äusserte sich Neugebauer auch über die Wirkung des wochenlangen politischen Tauziehens auf weitere Seenotrettungen. Wenn auch Handelsschiffe damit rechnen müssten, nach einer Rettung von Schiffbrüchigen auf See festzusitzen, könne es geschehen, dass sie aufgrund des zu befürchtenden wirtschaftlichen Ausfalls bewusst von Notsituationen wegschauten, sagte der Sea-Watch-Sprecher. (cic)

Papst Franziskus | © Mazur/episkopat.pl
6. Januar 2019 | 14:29
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