Papst spricht sich für geeintes Europa gegen die Barbarei aus: «Illusion der Wiederaufrüstung»
In Metz, wo Robert Schuman 1950 Europa erträumte, mahnt Papst Leo XIV. 76 Jahre später zur Einheit des Kontinents. Er warnt eindringlich vor Aufrüstung und «barbarischen» internationalen Beziehungen.
Severina Bartonitschek
(CIC) Papst Leo XIV. hat eindringlich für ein geeintes, friedliches Europa geworben und scharfe Kritik an aktuellen sicherheits- und migrationspolitischen Entwicklungen geübt. An dem Ort, an dem der EU-Gründervater Robert Schuman einst lebte, beklagte Leo XIV. gestern eine zunehmende Verrohung: «Heutzutage werden die Beziehungen zwischen Menschen und zwischen Staaten immer barbarischer.»
Das gegebene Wort werde missachtet, kritisierte Leo XIV., stattdessen rühme man sich der Lüge und der Täuschung. Europa könne dieser Abwärtsspirale ein Ende setzen. Es habe in den vergangenen 80 Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass Begegnung statt Kampf möglich sei.
Völkerrecht und Multilateralismus bildeten das beste Gegenmittel gegen jeden Herrschaftswillen, der die Ursache jedes Konflikts ist.
«Illusion der Wiederaufrüstung»
Während sich Europa mit 800 Milliarden Euro bis 2030 kriegstüchtig machen will, sagte Leo XIV.: «Es ist kein Zufall, dass die wiederkehrenden Forderungen nach einer Erhöhung der Militärausgaben und die daraus resultierenden Entscheidungen von vielen Regierenden mit der Gefährlichkeit anderer gerechtfertigt werden.» Er warnte jedoch vor der «Illusion der Wiederaufrüstung».
Die Förderung des Friedens sei ein aktives Unterfangen. «Heute müssen wir uns fragen, ob wir tatsächlich kreative Anstrengungen unternehmen, um den Weltfrieden zu fördern, oder ob wir lediglich versuchen, das Blutvergiessen des Krieges einzudämmen und uns besser auf jene Kriege vorzubereiten, von denen wir annehmen, dass sie noch kommen werden», so der Papst. Mit Blick auf den Ukrainekrieg beklagte er «ein neues sinnloses Gemetzel, das jeden Tag unzählige zivile Opfer fordert».
Klare Worte zur Migration
Die vielen Kriegsschauplätze weltweit seien ein Grund dafür, warum so viele Menschen nach Europa kommen. Leo XIV. forderte für sie ernsthafte Aufnahme- und Integrationsprozesse, erinnerte aber auch an ihre Pflichten: «Einen Menschen aufzunehmen bedeutet, ihn wie ein Familienmitglied zu integrieren (…), aber auch, sich in den Geist des Hauses einzufügen.»
Der Papst verankerte seine Forderungen in den christlichen Wurzeln Europas. Diese haben, so der Papst mit einem Zitat Schumans, «die Gleichheit aller Menschen in ihrer Natur gelehrt als Kinder desselben Gottes » und durch das «universelle Gesetz der Liebe und der Nächstenliebe (…) jeden Menschen zu unserem Nächsten gemacht». Aus dieser christlichen Prägung leiteten sich die zentralen europäischen Werte wie Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit ab.
«Man muss die historische Tragweite dessen begreifen, was gerade geschieht, nämlich eine beispiellose Begegnung zwischen Völkern und Kulturen, die zur kreativen Wiederentdeckung unserer Wurzeln und zugleich zum aufmerksamen Hören auf den Anderen aufruft», appellierte Leo XIV. Die Universalität der Grundwerte Europas sorge für die Gewissheit, dass dieser Dialog möglich sei. Zugleich lehnte er einen «naiven Irenismus» ab – also eine Haltung, die zur Vermeidung offener Konflikte darauf verzichtet, vorhandene Unterschiede zu benennen.
Appell an Europas Jugend
Zum Abschluss seiner Rede im Robert-Schuman-Kongresszentrum richtete sich der Papst an die jungen Europäer und rief sie zu Friedensengagement, Familiengründung, Lebensschutz und politischem Engagement auf. «Habt den Mut, die Mission des Friedenstiftens verantwortungsbewusst zu erfüllen, in eurem Herzen, in euren Beziehungen, in eurer Familie, in den Schulen und Universitäten, im Leben eurer Städte, eurer Länder und ganz Europas.»
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