Renata Asal-Steger
Schweiz

Papst-Nein zur Frauenweihe: «Eine Klatsche ins Gesicht»

Papst Franziskus hat am Montag das Frauendiakonat klar abgelehnt und damit Hoffnungen im Keim erstickt. Er und auch der synodale Prozess verlieren in der Schweiz an Glaubwürdigkeit.

Barbara Ludwig

Papst Franziskus hat am Montag mit seiner klaren Ablehnung des Frauendiakonats noch vor Ende der Synode aufgeschreckt. «Der Papst hat zum Ausdruck gebracht, dass zum jetzigen Zeitpunkt die Frage des weiblichen Diakonats noch nicht ausgereift ist. Er hat darum gebeten, dass wir uns nicht mit dieser Möglichkeit befassen», liess Kardinal Fernandez, Präfekt des Dikasteriums für Glaubensfragen, verlauten. Damit ist die Diskussion über die Frauenfrage an der Synode abgewürgt.

Widerspruch zum synodalen Weg

Der Entscheid des Papstes stehe für sie «im krassen Widerspruch zu dem von ihm persönlich propagierten synodalen Weg», schreibt Renata Asal-Steger in einer Stellungnahme für kath.ch. Die frühere Präsidentin der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) ist Synodalrätin der Luzerner Landeskirche. «Sich gemeinsam auf den Weg machen und einander zuhören! Wo bleibt da das Zuhören?», fragt sie.

Papst Franziskus im Gespräch am Tisch bei der Weltsynode, 16. Oktober 2023 im Vatikan.
Papst Franziskus im Gespräch am Tisch bei der Weltsynode, 16. Oktober 2023 im Vatikan.

Ihr persönlich stelle sich mit dem päpstlichen Entscheid die grundsätzliche Frage nach der Weiterführung des synodalen Prozesses. «Denn einmal mehr wird deutlich: nicht die Fragen, Sorgen und Anliegen der Menschen stehen im Mittelpunkt, sondern im Zentrum geht es um Macht und Machterhaltung», kritisiert sie. Dabei brauche es dringend glaubwürdige Reformen.

Wut und Verletztheit grösser als Enttäuschung

Doch – dies zeige ihr das Nein zum Frauendiakonat klar – oben sei die Zeit nicht reif für Reformen in der katholischen Kirche. Der längst fällige Wandel müsse von unten kommen, stellt die Luzerner Synodalrätin fest. Und angesichts der Kirchenaustritte dränge die Zeit hierfür.

Grösser als die Enttäuschung ist bei Asal-Steger «die Wut und die Verletztheit». Diese päpstliche Verweigerung, nicht weiter über den Frauendiakonat debattieren zu dürfen, sei «wie eine Klatsche ins Gesicht all jener, die sich seit Jahrzehnten für die gleiche Würde und die gleichen Rechte aller Menschen in der katholischen Kirche einsetzen», lautet ihr bitteres Fazit.

Eine «Art Wunder» nicht ausgeschlossen

Bei Ann-Kathrin Gässlein hält sich die Enttäuschung im Rahmen. «Ich habe nicht viel anderes erwartet», bekennt die Theologin, die sich in der St. Galler Reformbewegung «Reformen jetzt» engagiert. Dennoch hätte sie auf eine höflichere und sensiblere Kommunikation gehofft – und sogar «eine Art Wunder» nicht ausschliessen wollen.

Ann-Katrin Gässlein ist Theologin.
Ann-Katrin Gässlein ist Theologin.

Auch für Gässlein ist mit dem Entscheid die Glaubwürdigkeit des Papstes angekratzt. «Wie ernst ist einem Papst, der zu einer synodalen Kirche aufruft und anmahnt, und dann aber eine Basta!»-Politik betreibt?», fragt die Theologin. Sie beklagt, dass es keine theologische Auseinandersetzung erfolgt und dass «offenbar Angst, Engstirnigkeit und Engherzigkeit vorherrschen».

Schlussdokument soll Spannung thematisieren

Dass Papst Franziskus die Zeit für die Weihe von Frauen nicht für reif hält, sei längst bekannt, stellt hingegen Daniel Kosch, der frühere Generalsekretär der RKZ, fest. Ebenso, dass das Thema nicht Gegenstand der Beratungen der Synode sein soll. Dennoch sei das Thema an der Synode stark präsent gewesen.

Daniel Kosch, ehemaliger Generalsekretär der RKZ
Daniel Kosch, ehemaliger Generalsekretär der RKZ

«Wenn die unermüdlichen Beteuerungen der Bedeutung des Zuhörens und des wichtigen Beitrags der Frauen zu einer synodalen Kirche sich nicht als Leerformeln erweisen sollen, müssten der Papst und Kardinal Fernandez ausdrücklich anerkennen, dass weite Teile des Volkes Gottes und auch zahlreiche Bischöfe überzeugt sind, dass die Zeit für die Diakonatsweihe der Frau reif ist und die theologischen Einwände dagegen nicht überzeugen», mahnt der Theologe. Er fände es wichtig, dass das Schlussdokument der Synode «diese Spannung offen thematisiert».

Kirchenrecht muss reformiert werden

Die Kirche müsse derzeit mit dieser offenen Wunde leben, so schmerzhaft sie sei, ist Kosch überzeugt. «Beschwichtigungen und Trostpflaster  aller Art machen das Ganze nur schlimmer.» Er sehe sich in seiner Überzeugung bestätigt, dass echte Synodalität einer tiefgreifenden Reform des Amtsverständnisses und des Kirchenrechts bedarf. Dass eine solche nicht in Sicht sei, halte ihn jedoch nicht davon ab, dafür und für die Zulassung von Frauen zu allen Ämtern einzutreten, so Kosch.

«Der Papst hat nicht recht.»

Die Walliserin Franziska Zen Ruffinen engagiert sich im Vorstand des weltweit vernetzten Catholic Women’s Council. Und auch sie thematisiert die Spannung zwischen oben und unten. Sie schreibt, der Grossteil der Kirchenmitglieder sei bereit für das Weiheamt der Frau.

«Der Papst hat nicht recht, die Kirche und das Kirchenvolk sind bereit für Weiheämter», lautet ihr Fazit. Die Umsetzung hingegen sei ein anderes Thema. «Man kann nicht davon ausgehen, dass die Weiheämter gleich gelebt werden von Frauen und Männern.» Schon jetzt würden sie nicht gleich gelebt von den verschiedenen Männern. Mit der Frauenweihe würde die Diversität noch zunehmen, so Zen Ruffinen.


Renata Asal-Steger | © Christian Merz
22. Oktober 2024 | 17:13
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