Papst Franziskus begrüsst Flüchtlinge auf Lesbos, 2016.
Vatikan

Papst fordert Entscheidungsfreiheit für Migration

Papst Franziskus hat aufgerufen, die Ursachen der «Zwangsmigration» zu beseitigen und die Würde aller Migrantinnen und Migranten zu achten. Migrationsbewegungen sollten begleitet und gelenkt werden.

Papst Franziskus fordert Entscheidungsfreiheit für Migration. In seiner Botschaft zum Weltflüchtlingstag kritisierte das katholische Kirchenoberhaupt den Zwang zu Flucht oder Migration für Millionen von Menschen. Der Vatikan veröffentlichte die päpstlichen Worte am Donnerstag. Es gebe in vielen Fällen bis heute keine Entscheidungsfreiheit, bedingt durch Verfolgungen, Kriege, Wetterphänomene und Elend.

Flüchtlinge auf See.
Flüchtlinge auf See.

Das katholische Kirchenoberhaupt forderte, die Ursachen dieser «Zwangsmigration» zu beseitigen. Dafür brauche es das gemeinsame Engagement aller – entsprechend der jeweiligen Verantwortung. «Wir müssen uns bemühen, das Wettrüsten, den wirtschaftlichen Kolonialismus, den Raub der Ressourcen anderer und die Zerstörung unseres gemeinsamen Hauses zu beenden», so Franziskus.

«Unter den Völkern die Fähigkeit zum gegenseitigen Teilen erwecken»

Auch wenn die Hauptaufgabe bei den Herkunftsländern und ihren Regierenden liege, müssten diese aber auch in die Lage versetzt werden, eine gute, transparente, ehrliche und weitsichtige Politik im Dienste aller zu betreiben. «Da die Ressourcen der Welt nicht unbegrenzt sind, hängt die Entwicklung der wirtschaftlich ärmeren Länder in der Tat davon ab, ob es gelingt, unter den Völkern die Fähigkeit zum gegenseitigen Teilen zu erwecken», so Franziskus.

Januar 2021 in Bosnien: Migranten aus Bangladesch haben sich provisorische Lager im Wald eingerichtet.
Januar 2021 in Bosnien: Migranten aus Bangladesch haben sich provisorische Lager im Wald eingerichtet.

In Ländern, in denen Menschen die freie Wahl zur Auswanderung haben, müsse sichergestellt werde, dass diese Entscheidung mit dem nötigen Wissen getroffen werde, erklärte der Papst weiter. Damit könne verhindert werden, dass viele Männer, Frauen und Kinder «risikoreichen Illusionen oder skrupellosen Menschenhändlern zum Opfer fallen».

Migrationsbewegungen begleiten

Zugleich rief der Papst dazu auf, die Würde eines jeden Migranten in höchstem Masse zu achten. Dies bedeute, die Migrationsbewegungen so gut wie möglich zu begleiten und zu lenken, «indem wir Brücken und nicht Mauern bauen und die Wege für eine sichere und reguläre Migration erweitern».

«Wo auch immer wir uns entscheiden, unsere Zukunft aufzubauen, in unserem Geburtsland oder anderswo, wichtig ist, dass es dort immer eine Gemeinschaft gibt, die bereit ist, alle aufzunehmen, zu schützen, zu fördern und zu integrieren, ohne Unterschied und ohne jemanden aussen vor zu lassen», so Franziskus.

1914 eingeführt

Der katholische Welttag der Migranten und Flüchtlinge findet in diesem Jahr zum 109. Mal statt. Das Motto des diesjährigen Weltflüchtlingstags am 24. September lautet «Frei in der Entscheidung auszuwandern oder zu bleiben». Ausgerufen hatte den Tag Papst Benedikt XV. (1914-1922) im Jahr 1914. Papst Franziskus verlegte das frühere Datum vom Januar in den September, da das bisherige Datum nahe an anderen kirchlichen Gedenk- und Feiertagen lag. (cic)


Papst Franziskus begrüsst Flüchtlinge auf Lesbos, 2016. | © KNA
11. Mai 2023 | 17:24
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