Schweiz

Päpstlicher Ehrentitel: Die letzten Schweizer Protonotare leben im Tessin

Papst Franziskus stoppte 2014 die Vergabe des Ehrentitels «Apostolischer Protonotar». Wenig Wert auf den Titel legen Adrian Meile (97) und Oliviero Bernasconi (90), die letzten Schweizer Protonotare.

Barbara Ludwig

Einst gingen die Päpste offenbar freizügig mit den geistlichen Ehrentiteln um. Bei einer Suche im Historischen Lexikon der Schweiz werden immerhin 75 männliche Persönlichkeiten aufgelistet, denen der höchste Ehrentitel «Apostolischer Protonotar» verliehen wurde.

Ernannt durch Johannes Paul II.

Länger wird die Liste nicht. 2014 reduzierte Papst Franziskus die geistlichen Ehrentitel. Ganz gestoppt wurde unter anderem die Vergabe des Titels «Apostolischer Protonotar». Wer bereits Protonotar ist, bleibt dies. So auch die beiden Schweizer Priester Adrian Meile und Oliviero Bernasconi. Beide erhielten den Ehrentitel von Johannes Paul II. (1978-2005).

«Ich habe den Titel nie benutzt.»

Oliviero Bernasconi (90) wirkt belustigt, als er am Telefon auf den Ehrentitel angesprochen wird. «Ich habe den Titel nie benutzt. Diese Dinge interessieren mich nicht», sagt der Tessiner und lacht. Seit 67 Jahren ist Bernasconi Pfarrer von Genestrerio, einem Dorf mit rund 1000 Einwohnern unweit von Chiasso. Daneben ist er Richter am Interdiözesanen kirchlichen Gericht, «seit ungefähr 20 Jahren».

An die Auszeichnung mit dem Titel «Apostolischer Protonotar» kann er sich kaum erinnern. «Es war wohl am Ende meiner Amtszeit als Generalvikar des Bistums Lugano, 1997 oder 1998.»

Adrian Meile kenne er gut, «aber nicht wegen des Titels», sagt Bernasconi. Auch Protonotar Meile lebt im Tessin.

Deutschschweizer in Rom, Teheran, Lissabon

Der 97-jährige Basler sagt am Telefon: «Ich habe viele Jahre in Italien gelebt und es deshalb vorgezogen, nach der Pensionierung ins Tessin zu ziehen. Wegen des Klimas und der Natur.»

Adrian Meile hat in Rom Kirchenrecht studiert und die päpstliche Diplomatenschule besucht. Er arbeitete im Innen- und Aussendienst des vatikanischen Staatssekretariats.

Von 1958 bis 1960 war er auf der Nuntiatur in Teheran stationiert. «Ich lernte hier die islamische Welt und ihre Probleme kennen; aber auch die Welt der alten, von Rom getrennten Kirchen», sagte Meile 1981 gegenüber der Zeitung «Vaterland».  Eine weitere Station im Aussendienst war Lissabon.

Im Machtzentrum der Kirche

Dann ging’s ins Machtzentrum der katholischen Kirche: Von 1963 bis 1969 war der Schweizer Sekretär des damaligen Kardinalstaatssekretärs Jean-Marie Villot. Ab 1974 vertrat Meile den Papst beim Europarat in Strassburg.

«Solche Titel sind vollkommen überholt.»

Den Ehrentitel des «Apostolischen Protonotars» erhielt Adrian Meile 1986, als er pensioniert wurde. Er bedeutet ihm nichts. «Viele wurden beim Übertritt in den Ruhestand zum Protonotar ernannt. Das ist nichts Besonderes», sagt Adrian Meile 34 Jahre später. Dass Franziskus den Titel abschaffte, sei eine gute Entscheidung: «Solche Titel sind vollkommen überholt.»

Zeremonienmeister Guido Marini (r.) trägt das Gewand eines apostolischen Protonotars. | © KNA
20. November 2020 | 15:47
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