Osterfest in Jerusalem: Auferstehung ist kein allgemeines Symbol für Harmonie
Christinnen und Christen aus der ganzen Welt feierten in der Jerusalemer Grabeskirche die Ostermesse. Die Auferstehung gebe den «Geschmack einer Freiheit», die nicht genommen werden könne, sagte der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa.
Katholische Gläubige aus aller Welt haben sich am Sonntag zur Feier des Osterfests in der Jerusalemer Altstadt versammelt. «Heute wird in Jerusalem, wie in jedem anderen Teil der Welt, das Geheimnis schlechthin, der Kern unseres Glaubens – nämlich die Auferstehung – vor unser Bewusstsein gestellt», predigte der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, in der zentralen Ostermesse in der Grabeskirche.
Auferstehung darf nicht verwechselt werden
Auferstehung dürfe nicht «mit Genesung, mit einer Rückkehr zur Normalität des Lebens oder gar mit der Lösung von Konflikten jeglicher Art» verwechselt werden, mahnte der italienische Franziskaner. Sie sei kein allgemeines Symbol für Frieden und Harmonie, sondern vielmehr «der Einbruch des Lebens Gottes in das unsere».
Geschmack der Freiheit
Für den einzelnen Menschen bedeute dies, dass er hier auf der Erde verwurzelt sein und die Menschen, die sie bewohnen, leidenschaftlich lieben müsse. Gleichzeitig gebe die Auferstehung den Geschmack einer Freiheit, die nicht genommen werden könne. Entsprechend rief Pizzaballa die Versammelten auf, sich nicht zurückzuziehen und sich nicht in Ängsten zu verschliessen, auch wenn es auch heute Orte gebe, an denen «die Verkündigung des auferstandenen Christus weder verstanden wird noch erwünscht ist» und wie ein Ärgernis wirken könne.
Emmausmärsche am Ostermontag
In der Grab-Ädikula feierten unterdessen verschiedene Gruppen Ostergottesdienste. Die deutschsprachigen Lutheraner begingen ihren Ostergottesdienst in den frühen Morgenstunden auf dem Gelände der evangelischen Himmelfahrtskirche am Ölberg. Am Ostermontag bieten verschiedene christliche Gruppen «Emmausmärsche» an. Sie gehen dabei jenen Weg der biblischen Erzählung nach, auf dem sich Jesus nach seiner Auferstehung gemäss der Überlieferung erstmals seinen Jüngern zeigte.
Heiliges Feuer
Für die Ostkirchen, deren Ostersonntag aufgrund unterschiedlicher Kalenderberechnungen in diesem Jahr auf den 24. April fällt, hat mit den Palmsonntagsprozessionen die Heilige Woche begonnen. Als Höhepunkt der ostkirchlichen Feiern in Jerusalem gilt dabei die mehr als 1’200 Jahre alte Liturgie des «Heiligen Feuers» am Samstagmittag.
Nach orthodoxem Volksglauben entzündet sich auf wundersame Weise eine Flamme an der als Grab Christi verehrten Kapelle. Das Feuer wird anschliessend an die Gläubigen weitergereicht. (kna)
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