Blick ins Innere der Herz-Jesu-Kirche in Rorschach | © 2015 zVg
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Blick ins Innere der Herz-Jesu-Kirche in Rorschach | © 2015 zVg

Originelle Idee für Finanzproblem: Kirche in Rorschach soll mit Wohnungen gefüllt werden

Rorschach SG, 24.3.15 (kath.ch) In Rorschach läuft ein ungewöhnliches Kirchenumbau-Projekt an. Die Herz-Jesu-Kirche soll im Innern mit Wohnungen und Geschäften ausgestattet werden. Am Sonntag, 22. März, informierte der Präsident des Katholischen Kirchenverwaltungsrats, Stefan Meier, die Kirchbürgerversammlung. Das Umbauprojekt soll das Finanzierungsproblem einer teuren Sanierung lösen. – Dieses Problem ist bei der Kapelle in Altwis LU anders angegangen worden.

Die Idee fand  in der Rorschacher Kirchbürgerversammlung Anklang. Die Journalistin des St. Galler Tagblatts (23.3.) notierte, Meiers Ausführungen habe bei vielen Besuchern «beifälliges Nicken» ausgelöst. Nur eine Frau habe den Umbau ihrer «Heimatkirche» kritisiert. Meier selbst schrieb an kath.ch: «Die Gespräche nach der Versammlung zeigten, dass viele Bürgerinnen und Bürger einer Entwicklung der Kirche positiv gegenüberstehen.» Eine Abstimmung fand am Sonntag nicht statt, die ist für später geplant. «Die Kirchbürger haben das letzte Wort», versprach Meier.

Vorläufig existiert eine Ideenskizze, die ein Architekturbüro entwickelt hat, wie die Zeitung (22.3.) schrieb. Demnach würde ein Haus ins Kircheninnere eingebaut, in dem Wohnungen und Geschäfte Platz fänden. Der Chor der Kirche würde in einen Andachtsraum verwandelt. Die Krippe im Seitenaltar – ein Anziehungspunkt für Gläubige – würde erhalten und zugänglich bleiben. Der Umbau zieht notwendigerweise eine Entweihung der Kirche mit sich.

Lösung für die Finanzierungsfrage

Gemäss Projekt gibt die Kirchgemeinde das Gebäude baurechtlich an einen Partner ab, bleibt aber Eigentümerin. Mit dem Baurechtszins, das fortan an die Kirchgemeinde fliesst, kann sie Investitionen für den Andachtsraum decken und einen Fonds für den Unterhalt der Aussenhülle der Kirche errichten.

Denn das war das Problem der Kirche: Das kaum genutzte Gotteshaus hätte für mehrere Millionen saniert werden müssen, eine immense Summe für die Kirchgemeinde. Der Kirchenverwaltungsrat suchte deshalb seit Jahren nach einer Lösung und glaubt nun, sie mit dem aktuellen Vorschlag gefunden zu haben. Jetzt geht es darum, auch andere Involvierte davon zu überzeugen: die Stadt Rorschach, die kantonale Denkmalpflege und Vertreter der Kirche. Ein grundsätzliches «Ja» hat bereits Bischof Markus Büchel geäussert, wie die Zeitung erfahren hat.

Schenkung als Alternative

Eine etwas konventionellere Lösung für das Finanzierungsproblem eines Gotteshauses hat die Luzerner Gemeinde Altwis gefunden, wie die Neue Luzerner Zeitung (24.3.) schreibt. Die rund 200 Seelen zählende Ortschaft, welche die Kapelle bisher über eine Defizitgarantie mitfinanzierte, hat massive Finanzprobleme. Nun schenkt sie ihre Kapelle einer neu gegründeten Stiftung, der Kapellenstiftung Altwis. Solche Entflechtungen seien «gang und gäbe», sagte Stiftungspräsident Pius Egli gegenüber der Zeitung. Auch die Kapellen in den Luzerner Gemeinden Ermensee und Hämikon seien in den Besitz von privaten Stiftungen überführt worden. Die Kapellenstifung Altwis will das Kleinod mittels Mitgliederbeiträgen und Spenden erhalten.

Auch die Kapelle in Altwis muss saniert werden und braucht dafür zusätzliche finanzielle Mittel. Sie steht also an einem ähnlichen Punkt wie die Herz-Jesu-Kirche in Rorschach. (rp)

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