O’Bros ist ein Rap- und Popmusik-Duo, bestehend aus Maximilian und Alexander Oberschelp
Schweiz

O’Bros-Rapper: Erfahrungen aus Kloster Einsiedeln werden in Songtexte einfliessen

Der deutsche Rapper Alexander Oberschelp ist eine Woche zu Fuss ins Kloster Einsiedeln gepilgert – ohne Handy. Er ist fasziniert von der «Schönheit und Tiefe, die der katholische Glaube äusserlich und innerlich trägt», sagt der evangelisch geprägte Christ.

Jacqueline Straub

Sie haben eine Detox-Woche gemacht – und sind ins Kloster Einsiedeln gepilgert. Was war Ihre Motivation?

Alexander Oberschelp*: Ich habe in den letzten Jahren – wie viele andere Menschen – mehr und mehr gespürt, dass der digitale Konsum, und gerade das Handy, meine Lebensqualität zerstört. Der Fokus auf das Wesentliche und das Leben an sich wird durch ständige Ablenkungen geraubt. Die Gedanken und Beziehungen werden befremdlich, oberflächlich und hohl. Und die Spiritualität, also das innerliche Empfinden der Nähe Gottes, droht abzustumpfen.

Und das wollten Sie ablegen?

Oberschelp: Das alles sind Dinge, die ich in meinem Leben nicht will. Mir ist dramatisch klar geworden, dass ich, wenn ich nicht aktiv Schritte gehe, genauso enden werde. Wir als O’Bros wollen mit unserer Musik Glaube, Liebe und Hoffnung verbreiten. Das ist das, was uns antreibt. Und Statistiken zeigen klar, dass Social-Media-Konsum ein Grund für Depressionen in der Jugend ist. Aber wir wollen nichts singen, was wir nicht selber (er)leben. Deshalb habe ich mir vorgenommen, eine Woche lang komplett ohne Handy zu leben. Und da kam ich auf die Idee, den Jakobsweg – einen der bekanntesten mittelalterlichen Pilgerwege der Welt – in der Schweiz zu gehen. Ganz analog. Das Handy habe ich komplett in Deutschland gelassen.

Klosterkirche Einsiedeln – ein Werk des Barock
Klosterkirche Einsiedeln – ein Werk des Barock

Sie sind vom Bodensee bis zum Kloster Einsiedeln gepilgert. Weswegen Einsiedeln?

Oberschelp: Ich muss ehrlich zugeben, der Hauptgrund war: Das Kloster lag auf perfekter Strecke, direkt am Jakobsweg. Aber dann dachte ich mir – das passt doch optimal zu meinem Detox-Ziel.

Waren Sie schon einmal im Kloster Einsiedeln?

Oberschelp: Ich war tatsächlich schon einmal im Kloster Einsiedeln. Ich pflege seit Jahren die Tradition, jedes Jahr um Silvester herum für zwei Tage wegzufahren und über mein Leben und meine Visionen zu reflektieren und zu beten. Vor ein paar Jahren habe ich das im Kloster Einsiedeln getan, deshalb hatte ich schon einen Kontaktpunkt dazu und kannte bereits einige Mönche.

«Ich bewundere die Hingabe, die diese Brüder und Schwestern zu unserem Herrn Jesus leben.»

Wie haben Sie den Aufenthalt dort erlebt?

Oberschelp: Ich finde das Klosterleben unfassbar faszinierend. Weil es ein Kontrapunkt zu unserer normalen Welt ist. Es ist ein Ort der Ruhe, des Gebets, des klaren Fokus. Ohne Klöster wäre unsere europäische Kultur wohl nicht dort, wo sie heute ist. Hier wurde naturwissenschaftlich geforscht, theologisch gebildet, nach Gott und nach der Welt gefragt – und natürlich ganz wichtig: Bier gebraut. Ich bin als evangelisch geprägter Christ mittlerweile fasziniert von der Schönheit und Tiefe, die der katholische Glaube äusserlich und innerlich trägt. Auch wenn ich vieles noch nicht verstehe, schätze ich die gottesfürchtige Ruhe und Gegenwart, die in so einem Kloster herrscht.

Hatten Sie Kontakt mit Mönchen des Klosters?

Oberschelp: Ich habe extra am Ende meines Jakobsweges noch zwei Tage im Kloster angehängt. Einfach um anzukommen. Ich habe dort mit einigen Mönchen sprechen können. Auch sehr lange mit einer Nonne. Es waren meist ziemlich tiefe und ehrliche Gespräche. Ich bewundere die Hingabe, die diese Brüder und Schwestern zu unserem Herrn Jesus leben. Ich fände es schön, falls das klösterliche Leben unter jungen Leuten wieder mehr in Mode kommen sollte – auch wenn es für mich persönlich eher nichts wäre.

Links: Alexander Oberschelp. Rechts: Sein Bruder Maximilian Oberschelp
Links: Alexander Oberschelp. Rechts: Sein Bruder Maximilian Oberschelp

Was nehmen Sie mit aus der Pilgerreise?

Oberschelp: Dass man das Handy nicht braucht, um glücklich zu sein. Im Gegenteil – ohne ging es mir so viel besser. Ich konnte mich wirklich tiefen Gedanken hingeben und manchmal eben auch genau das Gegenteil: gar keinen Gedanken hingeben. Meine Seele ist merklich aufgetaut.

Was hat Sie überrascht?

Oberschelp: Ich war wirklich überrascht, dass ich kein einziges Mal mein Handy vermisst habe. Als eingefleischtes Stadtkind durfte ich beim Pilgern neu entdecken, welche Schönheit und erstaunlicherweise auch Spiritualität in der Natur zu finden sind. Die Schöpfung ist wie eine einzige Gottesoffenbarung. Ausserdem hatte ich endlich mal Zeit, so richtig Gespräche zu führen, die auch mal über oberflächliche Alltagslappalien hinausgehen. Und danach auch darüber nachzudenken. Ich bin der festen Überzeugung, dass Ruhe und digitales Fasten Kernkompetenzen des Menschen der Zukunft – und der Gegenwart – sind. Wer diesen Kampf nicht aktiv kämpft, wird nur noch von Algorithmen und Dopaminabhängigkeit gelenkt sein. Gerade wir jungen Christen sollten lernen, einen gesunden Konsum zu pflegen. Ich will da ein Vorbild sein – gerade weil ich mit Handy und Social Media so sehr zu kämpfen habe.

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Werden Ihre Erfahrungen im Kloster in einen der nächsten Songs einfliessen?

Oberschelp: Indirekt definitiv. Ich werde das Kloster zwar eher nicht erwähnen. Aber die klösterlichen Tugenden werden definitiv eine grössere Rolle in meinem persönlichen Leben spielen – und dadurch dann auch unweigerlich in unseren Texten als O’Bros zu finden sein.

* Alexander Oberschelp ist Teil des Rap- und Popmusik-Duo O’Bros. Zusammen mit seinem Bruder Maximilian Oberschelp hat er 2015 das erste Studioalbum veröffentlicht. Im April 2025 schaffte es ihr Album «To Be Honest» auf Platz 1 der deutschen Albumcharts.


O’Bros ist ein Rap- und Popmusik-Duo, bestehend aus Maximilian und Alexander Oberschelp | © zvg
11. August 2025 | 11:55
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