Nicola Neider, wann ist ein Flüchtling integriert?
Sie leitet den Fachbereich Migration und Integration der Katholischen Kirche Stadt Luzern und präsidiert eine Beratungsstelle für Sans-Papiers. Auf die Frage, wann jemand integriert ist, sagt Nicola Neider im Podcast «Laut + Leis» folgendes.
«Ich glaube, das können die Personen am besten selber sagen, wann sie sich dazugehörig fühlen. Für mich fängt es da an, wo ein Mensch am sozialen Leben teilhaben kann. Noch schöner wäre es natürlich auch, Integration so zu verstehen, wenn ein Mensch ökonomisch unabhängig ist. Das dauert oft, das dauert sehr lange namentlich bei Frauen, die auch Kinder betreuen.
Aber sicherlich sind das zwei Kennzeichen. Ist jemand in irgendeiner Gruppe dabei? Wenn zum Beispiel jemand beim Chor der Nationen dabei ist und wirklich regelmässig kommt, dann ist das für mich ein Zeichen von Integration, weil er oder sie diesen Schritt getan hat.
Oder in einen Deutschkurs zu gehen und regelmässig dabei zu bleiben, das ist für mich auch Integration. Also es geht insgesamt darum, Kontakt aufzunehmen mit der Umgebung und selber zu sagen, ich gehöre jetzt dazu, ich will mich integrieren.
Also das ist natürlich die Grundvoraussetzung. Aber das erlebe ich bei sehr vielen. Manchen fällt es schwer aus psychischen Gründen. Manche haben Schwierigkeiten mit der Sprache. Das ist natürlich immer eine Herausforderung.
Aber ich würde nie sagen, dass ein Mensch dann integriert ist, wenn er sich total schweizerisch verhält. Also kulturell sollte man auch seinen eigenen Werten und Vorstellungen treu bleiben können. Aber ich soll dazugehören, und ich soll mitmachen können.»
Das sagt Nicola Neider. Die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus hat die katholische Theologin mit dem Fischhof-Preis ausgezeichnet. Im Podcast «Laut + Leis» spricht sie über ihr Engagement für Flüchtlinge und Sans-Papiers und über die Schweizer Asylpolitik. (sl)
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