Schweiz

Nach Lesben-Segnung: Bucheli will bleiben – Chur reicht Verantwortung weiter

Bürglen UR, 10.2.15 (kath.ch) Der Pfarrer von Bürglen, Wendelin Bucheli, hat angekündigt, er werde die vom Churer Bischof Vitus Huonder verlangte Demission verweigern. Er sehe «keinen Grund, zum jetzigen Zeitpunkt die Gemeinschaft zu verlassen», sagte Bucheli am Montag, 9. Februar, an einer Krisensitzung des Bürgler Kirchenrates. Dies teilten der Kirchenrat von Bürglen und die Gemeinde Bürglen am Dienstag in einer gemeinsamen Medienmitteilung mit. Bucheli hatte im Oktober vergangenen Jahres ein Lesben-Paar gesegnet und dadurch das Missfallen von Huonder erregt.

«Ich fühle mich wohl in Bürglen. Meine Arbeit ist noch nicht fertig», so der Pfarrer gemäss Mitteilung. Er sehe deshalb «keinen Grund, zum jetzigen Zeitpunkt die Gemeinschaft zu verlassen». Die Kirchenbehörden stehen «einstimmig» zum Pfarrer und wollen ihn unterstützen.

An der Krisensitzung vom Montagabend hatte der Kirchenrat entschieden, «das Gespräch mit Chur zu suchen», weil die Katholiken von Bürglen ihren Pfarrer behalten wollen, sagte Präsidentin Susanne Bätscher-Planzer am Dienstag, 10. Februar, gegenüber kath.ch. Auch die Einwohnergemeinde stehe hinter dem Pfarrer, heisst es in der Mitteilung weiter. 90 Prozent der Bürgler seien Katholiken und der Gemeinderat sei an einer guten seelsorgerischen Versorgung der Bevölkerung interessiert. Bürglen zählt rund 4.000 Einwohner.

Kirchgemeindeversammlung soll Pfarrer den Rücken stärken

Der Kirchenrat hatte laut Bätscher zudem beschlossen, am Dienstag, 10. Februar, zu einer Briefaktion aufzurufen. «Das Volk soll Briefe nach Chur schreiben.» Auf den 26. Februar ist zudem eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung angesetzt. Gedacht sei sie als «Solidaritätsbekundung» für den beliebten Pfarrer, erklärte die Kirchenratspräsidentin. Damit wolle man auf die «Stimmung im Volk reagieren». Die Versammlung findet in der Pfarrkirche statt. Bucheli wird dabei sein. An dem Anlass wird die Kirchgemeinde die Bevölkerung auch über das weitere Vorgehen informieren, heisst es in der Mitteilung weiter.

Gebetsbuch der Solidarität in der Pfarrkirche

Unterdessen wird in der Pfarrkirche ein offenes Gebetsbuch aufgelegt, in dem die Gläubigen ihre persönlichen Anliegen und Wünsche festhalten können. Damit will die Kirchenbehörden der Bevölkerung ermöglichen, «etwas zur positiven Entwicklung der Situation beizutragen».

Chur verweist auf Freiburg und will nichts mehr machen

Bucheli hatte im vergangenen Oktober in der Pfarrkirche ein Lesben-Paar gesegnet. Die Segenshandlung missfällt Bischof Huonder. Aus diesem Grund soll der aus der Westschweiz stammende Pfarrer in seine Heimatdiözese zurückkehren. Dies hatte das Bistum Chur am Sonntag, 8. Februar, mitgeteilt. «Als nächstes wird nun Bischof Charles Morerod Kontakt mit Pfarrer Bucheli aufnehmen», liess das Bistum Chur am Dienstag, 10. Februar, verlauten. «Das ist vom Ablauf her so vorgesehen.» Bucheli ist Priester des Bistums Lausanne-Genf-Freiburg. Das Bistum Chur werde «vorderhand nichts weiter unternehmen». (bal)

 

Pfarrer Wendelin Bucheli an der Kirchenratssitzung vom 9.2.2015 in Bürglen UR (v.l.n.r. Pfarrer Wendelin Bucheli, Seelsorger René Deiss, Kirchenratsvizepräsident Peter Vorwerk und Kirchenratspräsidentin Susanne Bätscher-Planzer) | © 2015 zVg
10. Februar 2015 | 15:36
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