Monacos Erzbischof vor Papstbesuch: Hinter Glamour viel Armut
Erstmals seit fast 500 Jahren reist ein Papst ins Fürstentum Monaco: Papst Leo XVI. Im Steuerparadies am Meer ist der Katholizismus Staatsreligion. In dem Luxusstaat trifft er unter anderen Fürst Albert und die Jugend. Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt – warnt der Ortsbischof.
Sabine Kleyboldt
(CIC) Vor dem Papstbesuch am morgigen Samstag in Monaco wendet sich dessen Erzbischof Dominique-Marie David gegen Klischees über den zweitkleinsten Staat der Welt. So gebe es in dem Fürstentum vielfältige Formen von Armut, sagte er in einem jüngst verbreiteten Interview mit Vatikan-Medien. Er selbst habe erst in den letzten Jahren begonnen, die Realität Monacos jenseits der Stereotype und medialen Bilder zu verstehen.
«Es ist nicht ungewöhnlich, Menschen zu begegnen, die unter Einsamkeit leiden.»
«Zuallererst gibt es materielle Armut, die manchmal sehr versteckt und schwer zu erkennen ist», so der seit sechs Jahren amtierende Erzbischof. Viele Menschen, die im Fürstentum arbeiteten und für dessen Wohlstand sorgten, lebten rund um den zweitkleinsten Staat der Welt. Manchmal gerieten sie insbesondere beim Thema Wohnraum und Lebenshaltungskosten in Schwierigkeiten.
Einsamkeit und Sinnlosigkeit
Neben diesen materiellen Problemen gebe es auch andere Formen der Armut: Einsamkeit und Sinnlosigkeit. «Wenn man ein gewisses Mass an Wohlbefinden geniesst und keine grösseren materiellen Sorgen hat, stellen sich andere Fragen: Welchen Sinn soll man seinem Leben geben? Es ist nicht ungewöhnlich, Menschen zu begegnen, die unter Einsamkeit leiden», berichtete David.
Auch seien Probleme bei der Kindererziehung sowie Trennungen und «Familiendramen» verbreitet. Dies sei umso erschütternder, als das Leben zumindest oberflächlich betrachtet einfacher erscheine. Die Kirche müsse diese verborgenen Formen der Armut im Blick behalten, für Solidarität sorgen und «Situationen der Zerbrechlichkeit» erkennen, betonte der Erzbischof.
Papst wird praktisch zur ganzen Welt sprechen
Weiter verwies David darauf, dass auf nur zwei Quadratkilometern fast 150 Nationalitäten leben. «Oft wird das Fürstentum etwas verzerrt dargestellt, lediglich als Luxusstadt», so der Geistliche. «In Wirklichkeit speist sich sein Reichtum aus der grossen Vielfalt der Herkunft und der sozialen Durchmischung.»
«Seine Mission ist es, das Evangelium zu verkünden, den Glauben zu stärken und eine Botschaft des Friedens und der Menschenwürde zu verbreiten.»
Damit werde Papst Leo XIV. bei seinem Besuch praktisch zur ganzen Welt sprechen. «Seine Mission ist es, das Evangelium zu verkünden, den Glauben zu stärken und eine Botschaft des Friedens und der Menschenwürde zu verbreiten», sagte David. «Daher ist es wahrscheinlich, dass die Wirkung eines solchen Besuchs über die Grenzen unseres kleinen Staates hinausreicht.»
Als erster Papst wird Leo XIV. am heutigen Samstag (28. März) Monaco für rund neun Stunden besuchen. Im Fürstentum am Mittelmeer ist der Katholizismus Staatsreligion.
82 Prozent der Monegassen sind katholisch
Rund 31’500 (82 Prozent) der Monegassen sind katholisch. Das von Erzbischof Dominique-Marie David (62) seit 2020 geleitete Erzbistum Monaco zählt zu den kleinsten Diözesen der Welt. Sie umfasst sechs Pfarreien und drei weitere pastorale Zentren, in denen 19 Diözesanpriester, acht Ordenspriester, drei Ständige Diakone, elf Ordensfrauen und 45 Katechisten tätig sind. Ferner gibt es zwei Seminaristen.
Die vier Kindergärten und Grundschulen in Trägerschaft der Diözese oder von Ordensgemeinschaften werden von 597 Jungen und Mädchen besucht. 747 Kinder und Jugendliche in Monaco gehen in die weiterführende Schule der Kirche. Darüber hinaus gibt es im Fürstentum drei kirchliche Krankenhäuser, fünf Einrichtungen für Senioren und Menschen mit Behinderung, 16 Waisenhäuser und Kinderkrippen sowie ein Zentrum für soziale Bildung und Erziehung.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




