Missio Schweiz am Jubiläum in Rom: «Mission ist gegenseitiges Geben und Nehmen»
Missio Schweiz nahm am Jubiläum der Missionarischen Welt in Rom teil. Die 20 Delegierten hörten, wie Papst Leo XIV. und Kardinal Luis Antonio Tagle zu einem neuen missionarischen Aufbruch aufriefen. Und machten eigene Erfahrungen mit Mission und Weltkirche.
(rp) Zum «Jubiläum der Migranten und Missionare» im Vatikan am letzten Wochenende reiste auch eine 20-köpfige Delegation von Missio Schweiz. Das Jubiläum war einer der Programmpunkte des laufenden Heiligen Jahres «Pilger der Hoffnung».
An den Feierlichkeiten nahm Missio Schweiz gemeinsam mit anderen missionarisch Engagierten sowie Vertreterinnen und Vertretern kirchlicher Werke aus allen Kontinenten teil. «Das Wochenende stand ganz im Zeichen einer weltweiten Erneuerung des missionarischen Geistes und einer Kirche, die hinausgeht – eine Kirche im Aufbruch und im Dasein», teilt Missio Schweiz nun mit.
Kardinal Tagle: Mission als lebendige Bewegung
Die Delegation besuchte dabei auch die Internationale Missionskonferenz, zu der das Dikasterium für die Evangelisierung an der Päpstliche Universität Urbaniana eingeladen hatte. Dort sprach der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle, Pro-Präfekt des Dikasteriums, über «Die Missio ad gentes heute: Aufbruch zu neuen Horizonten». Er habe an das Zweite Vatikanische Konzil und dessen Aufruf erinnert, die Kirche immer wieder neu auf ihre missionarische Sendung hin zu prüfen, teilt Missio mit.
Mission sei keine nostalgische Rückschau, sondern eine lebendige Bewegung des Glaubens, habe Tagle gesagt und dabei betont: «Die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, weil sie zugleich Frucht der Mission und Trägerin der Mission ist.» Es gehe darum, Einheit im katholischen Glauben bei aller kulturellen Vielfalt zu leben und Austausch und Geschwisterlichkeit zu fördern.
Migration als neue Gestalt der Mission
Kardinal Tagle betonte laut Mitteilung den Zusammenhang von Migration und Mission. Migration, so habe er erklärt, sei nicht nur ein soziales oder politisches Phänomen, sondern trage selbst eine missionarische Dimension in sich. Millionen von Migrantinnen und Migranten – darunter viele Christinnen und Christen – würden ihren Glauben über Grenzen hinweg tragen und so zu Missionaren des Alltags werden.
Wo Migrantinnen und Migranten ihr Leben neu aufbauen, entstehe Kirche, lebendig, vielsprachig und grenzenlos. Migration offenbare so «das Antlitz Gottes inmitten einer Menschheit, die unterwegs ist», erfuhren die Missio-Delegierten.
Papst Leo XIV.
Am Sonntag zelebrierte Papst Leo XIV. auf dem Petersplatz die Festmesse zum 111. Welttag der Migranten und Flüchtlinge unter dem Leitwort «Migranten, Missionare der Hoffnung». In seiner Predigt rief er die Kirche dazu auf, das «Feuer der missionarischen Berufung» neu zu entfachen.
Mission bedeute zu bleiben, mitten unter den Menschen, besonders, wo Leid, Ungerechtigkeit und Krieg herrschen. Und dabei «Christus durch Annahme, Mitgefühl und Solidarität zu verkünden.» Leo XIV. warnte zugleich vor einer «Kälte der Gleichgültigkeit» gegenüber Migrantinnen und Migranten, die ihre Heimat verlassen müssen. Diese Menschen dürften nicht auf das Stigma der Diskriminierung treffen, habe der Papst gesagt. Stattdessen solle die Kirche eine Kultur der Geschwisterlichkeit und Hoffnung fördern.
Mission als gegenseitiges Geben und Empfangen
Zentraler Bestandteil der päpstlichen Botschaft war der Aufruf zu missionarischer Zusammenarbeit und einer neuen Kultur der Berufung, teilt Missio mit. Die Kirche müsse ihre Kräfte zwischen Nord und Süd, Ost und West verbinden und voneinander lernen, so der Papst. Besonders die europäischen Länder habe er dazu aufgerufen, wieder mehr für missionarische Berufungen zu tun.
Diese Impulse prägten auch die Begegnungen der Schweizer Delegation während der Tage in Rom, heisst es in der Mitteilung. In Gesprächen mit Partnern aus Afrika, Asien und Lateinamerika sei spürbar geworden, wie lebendig die weltweite Kirche ist – trotz aller Spannungen und Herausforderungen. «Mission ist keine Einbahnstrasse, sondern gegenseitiges Geben und Empfangen», sagte demnach ein Teilnehmer von Missio Schweiz.
Kirche im Zustand permanenter Mission
Das Jubiläum der Missionarischen Welt habe eindrücklich gezeigt, dass die Sendung der Kirche neu gedacht werden muss, schreibt Missio Schweiz. Und zwar nicht als Weg in die Ferne, sondern als Weg der Nähe: zu den Menschen, die leiden, hoffen, glauben und suchen. Papst Leo XIV. habe es auf den Punkt gebracht mit den Worten: «Es ist an der Zeit, dass wir alle uns in einen Zustand permanenter Mission versetzen.»
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