Oft geht dem sexuellen Missbrauch ein geistlicher Missbrauch voraus.
Schweiz

Missbrauch in der Schweiz: Bischöfe wollen im Frühling 2022 über Details zum Pilotprojekt informieren

«Das Pilotprojekt zur Geschichte sexueller Ausbeutung im Umfeld der katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts kommt planmässig voran», teilt die Schweizer Bischofskonferenz mit. Derzeit würden die Mandatsverträge unterzeichnet. Das Bistum Sitten ruft dazu auf, Missbrauchstäter zu melden.

Barbara Ludwig

«Zurzeit befinden wir uns in der Phase der Unterzeichnung der Mandatsverträge, die Verhandlungen sind somit abgeschlossen», teilte die Sprecherin der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), Encarnación Berger-Lobato, auf Anfrage mit.

Zu den Vertragsparteien zählen die SBK, die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) und Vertreter der Ordensgemeinschaften der Schweiz als Auftraggeber auf der einen Seite, und auf der anderen Seite die mit der Studie beauftragten Wissenschaftler. Deren Namen werden zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekanntgegeben, so die Sprecherin.

Wie die Zeitung «Le Temps» berichtet hatte, soll die Zürcher Historikerin Marietta Meier Teil des unabhängigen Forschungs-Teams sein. Gegenüber «Le Temps» wollte Meier das weder bestätigen noch dementieren.

Mehr Informationen erst im Frühjahr 2022

Laut Encarnacion Berger-Lobato ist als nächster Schritt der Aufbau der Projektorganisation geplant. Sobald diese steht und die praktische Projektarbeit starten könne, findet eine Medienkonferenz statt – voraussichtlich im Frühjahr 2022.

Um die wissenschaftliche Unabhängigkeit zu garantieren und eine ungestörte Vorbereitung zu ermöglichen, wolle man sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zum Projekt äussern, schreibt Berger-Lobato. «Das Vertragswerk schliesst jede Einflussnahme sowohl der Auftraggebenden als auch von Dritten auf das wissenschaftliche Pilotprojekt aus.»

Bistum Sitten erlässt Aufruf an Opfer

Sexuelle Gewalt im kirchlichen Umfeld ist auch im Bistum Sitten ein Thema. Anlass dazu gibt dort der Missbrauchsskandal in Frankreich, dessen Dimensionen unlängst in einer Untersuchung dokumentiert wurden. Das Bistum Sitten teile den «Schock», den die Veröffentlichung des Berichts der Unabhängigen Untersuchungskommission sexuellen Missbrauchs in der Kirche (Ciase) am 5. Oktober ausgelöst habe, heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag auf der Website des Bistums.

Und weiter: Das Bistum wolle den Opfern von sexuellem Missbrauch seine volle Unterstützung zusichern. Es lädt Opfer erneut ein, sich an eine vom Diözesanbischof beauftragte Kontaktperson zu wenden. Die Leitung des Bistums Sitten bekräftigte zudem ihre Entschlossenheit, «alle Formen des Missbrauchs in einem pastoralen Kontext zu bekämpfen», dies in Übereinstimmung mit den Richtlinien der SBK.

«Die Opfer und die Gerechtigkeit kommen für mich an erster Stelle.»

Dominique Rimaz, Priester

Am Mittwoch hat sich Dominique Rimaz (53) entschlossen, eine Petition französischer Opferhilfevereinigungen an die Französische Bischofskonferenz auf Twitter weiterzuverbreiten. Der katholische Priester stammt aus dem Kanton Neuenburg und wirkt zurzeit als Aushilfspriester und Spitalseelsorger in Freiburg.

«Es ist wichtig, den Opfern zu helfen. Die Opfer und die Gerechtigkeit kommen für mich an erster Stelle», sagt er am Telefon zu kath.ch. Rimaz hat die Petition am Mittwoch unterzeichnet. Über 30’000 andere Personen haben dies bereits getan.

Die Missbrauchsopfer weltweit erwarteten von den Verantwortlichen in der Kirche, dass sie tatsächlich Massnahmen ergreifen, um den Missbrauch durch Kleriker zu stoppen, heisst es in der Petition. Die Bischöfe und die Verantwortlichen auf allen Ebenen der Kirche sollen demnach die Empfehlungen der Unabhängigen Untersuchungskommission sexuellen Missbrauchs in der Kirche (Ciase) befolgen.


Oft geht dem sexuellen Missbrauch ein geistlicher Missbrauch voraus. | © KNA
27. Oktober 2021 | 17:34
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