Argentiniens Präsident Javier Milei zu Besuch bei Papst Franziskus, 12. Februar 2024 im Vatikan.
Vatikan

Mileis Besuch beim Papst: viel Herzliches und wenig Konkretes

Gut eine Stunde haben Milei und Franziskus miteinander geredet. Worum es ging, teilten weder der exzentrische Präsident noch der Papst nachher mit. Dabei sprechen die beiden sogar denselben argentinischen Dialekt.

Ludwig Ring-Eifel

So viel Herzlichkeit war selten bei politischen Gesprächen auf höchster Ebene im Vatikan. Schon am Sonntag kam es im Petersdom zu einer unerwartet herzlichen Umarmung. Der wirtschaftsliberal denkende Staatspräsident Javier Milei fiel dem sozial eingestellten Papst aus seinem Heimatland förmlich um den Hals.

Der 34 Jahre ältere Papst persönlich hatte zuvor mit einer witzigen Bemerkung über die oft belächelte Frisur seines Gastes das Eis gebrochen, wie Umstehende später berichteten.

Anzeige ↓     Anzeige ↑

Frage nach Frisur

«Hast du dir die Haare geschnitten?», so die Eröffnungsfrage bei der spontanen Begegnung im Petersdom. Der Präsident bedankte sich artig für die Aufmerksamkeit und entgegnete: «Darf ich Sie umarmen?» Der Papst liess es zu und erwiderte die stürmische Begrüssung mit einem herzlichen Lächeln.

Auch die offizielle Begegnung der beiden aus Buenos Aires stammenden Staatsoberhäupter am Montag verlief sehr herzlich, wenn man den vom Vatikan verbreiteten Fotos glauben darf. Vorher und hinterher lächelte Milei unentwegt, und seine Schwester Karina, die auch Generalsekretärin des Präsidialamtes und engste Vertraute des Präsidenten ist, strahlte beim offiziellen Foto mit dem Papst übers ganze Gesicht.

Rekordverdächtige Gesprächsdauer

Den dazugehörigen Post im Portal X versah Milei mit einem staatsmännischen «Gott segne das argentinische Volk». Aber viel mehr verlautete nicht über das Gespräch in der Privatbibliothek des Papstes. Die Dauer der Begegnung wurde mit rekordverdächtigen 70 Minuten angegeben. Zum Vergleich: Die kurz zuvor vom Papst empfangene Präsidentin von Tansania verbrachte ganze 25 Minuten an selber Stelle – und das, obwohl bei dem Treffen ein Übersetzer nötig war.

Beide aus Buenos Aires

Einen Dolmetscher brauchten die beiden aus Buenos Aires stammenden Männer nicht. Aber ob sie in der vertraulichen Stunde hinter verschlossenen Türen vielleicht sogar im gemeinsamen «Porteno»-Dialekt der Bewohner von Buenos Aires sprachen, blieb ebenso offen wie die Frage, ob sie Szenarien für eine mögliche Reise des Papstes in sein Heimatland diskutierten. Wenn es dazu kämme, könnte sie einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die dramatische wirtschaftliche und politische Krise in dem einst wohlhabendsten Land Lateinamerikas haben.

Junge Anhänger feiern am Abend den Wahlsieg von Javier Milei bei den Präsidentschaftswahlen in Argentinien am 20. November 2023 in Buenos Aires (Argentinien).
Junge Anhänger feiern am Abend den Wahlsieg von Javier Milei bei den Präsidentschaftswahlen in Argentinien am 20. November 2023 in Buenos Aires (Argentinien).

Selbst argentinische Journalisten, die Milei bei seiner mehrtägigen Israel- und Italienreise begleiteten, mühten sich zunächst vergebens, mehr über die Begegnung zu erfahren. Die meist gut informierte argentinischen Zeitung «La Nacion» kommentierte das Schweigen beider Seiten mit den Worten, die Beziehung zwischen dem Präsidenten und dem Pontifex sei halt noch «eine private und eine öffentliche Baustelle».

Wirtschaftskrise besprochen

Auch der argentinische Kardinal Victor Fernandez, der zufällig am selben Tag seine wöchentliche Audienz beim Papst hatte, erging sich in Allgemeinplätzen über die Sorge des Papstes um sein Heimatland, als ihn Journalisten im Damasushof des  Vatikans abfingen. Auch hier kein Wort über mögliche Reisepläne oder über die Haltung des Papstes zur marktliberalen Politik Mileis.

Kardinal Victor Fernandez, Präfekt des Glaubensdikasteriums
Kardinal Victor Fernandez, Präfekt des Glaubensdikasteriums

Dass es bei den übrigen Gesprächen Mileis im Vatikan auch um die schwere Wirtschaftskrise Argentiniens und um Mileis politische Pläne dagegen ging, war lediglich aus dem ansonsten dürren Kommunique des vatikanischen Staatssekretariats zu erfahren.

Manche Beobachter hatten schliesslich noch auf den Nachmittag gehofft, als nach den Treffen Mileis mit der italienischen Regierungchefin Giorgia Meloni und Staatspräsident Sergio Matarella noch ein Abendessen möglich schien. Vielleicht wäre in gelockerter Atmosphäre doch noch das eine oder andere aufschlussreiche Wort gefallen.

Rückreise im Linienflug

Doch dann wurde bekannt, dass Milei bereits um 22:30 seinen Rückflug antreten wolle, und zwar, so, wie er es in Befolgung seines versprochenen Sparkurses meistens tut: Nicht mit einer eigenen Präsidentenmaschine, sondern mit einem normalen Linienflug. Und der wartet nicht am Flughafen, bis der Präsident seinen letzten Termin absolviert und alle Journalistenfragen beantwortet hat. (cic)


Argentiniens Präsident Javier Milei zu Besuch bei Papst Franziskus, 12. Februar 2024 im Vatikan. | © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
12. Februar 2024 | 16:30
Lesezeit : ca. 3  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!