Schweiz

Milan Kostrešević: Trauriger Tag für die serbisch-orthodoxe Kirche

Der Tod des Patriarchen Irinej macht die Angehörigen der serbisch-orthodoxen Kirche betroffen. Auch Milan Kostrešević, Doktorand der Theologie und neuer Präsident der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen.

Regula Pfeifer

Patriarch Irinej ist heute früh gestorben. Wie ist das für Sie?

Milan Kostrešević, Doktorand der Theologie und neuer Präsident der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen

Milan Kostrešević: Das ist ein trauriger Tag für die serbisch-othodoxe Kirche. Patriarch Irinej hat unsere Kirche als Bischof und Patriarch jahrzehntelang geprägt und bis zum letzten Tag geführt.

«Wir waren begeistert von seinem Besuch in der Schweiz.»

Haben Sie ihn persönlich getroffen?

Kostrešević: Ja, mehrmals. Etwa im September 2018. Da hat Patriarch Irinej die Schweiz besucht. Und dabei auch die Serbisch-orthodoxe Kirche in Belp BE geweiht. Wir waren begeistert von seinem Besuch und beeindruckt von seiner Persönlichkeit.

Der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej bei der Einweihung der orthodoxen Kirche in Belp BE

Haben Sie auch mit ihm zusammengearbeitet?

Kostrešević: Zwischen der Theologischen Fakultät Bern und der serbisch-orthodoxen Kirche besteht eine enge Beziehung. So haben in Bern bereits rund 50 serbisch-orthodoxe Studenten Theologie studiert. Während meines Studiums habe ich zweimal den Patriarchen in Belgrad besucht – als Teil einer etwa zehnköpfigen Studentengruppe.

Wie kam es dazu?

Kostrešević: Die Theologische Fakultät Belgrad wollte ihren Studierenden Kenntnisse über die christkatholische Theologie und Kirche vermitteln. Sie gelangte ans Institut für Christkatholische Theologie in Bern. Dessen Mitarbeitenden schrieben das Buch «Die christkatholische Kirche: Geschichte und Gegenwart». Es erschien auf Deutsch – und auf Serbisch. Die Übersetzung stammt von mir.

«An der Buchpräsentation in Belgrad war auch Patriarch Irinej anwesend.»

Wie war der Patriarch hier involviert?

Kostrešević: Wir Theologiestudenten aus Bern haben das Buch in Belgrad vorgestellt. An der Präsentation war auch Patriarch Irinej anwesend. Wir überreichten ihm das Buch und die Dissertation eines Studienkollegen.

«Patriarch Irinej war bemüht, jedem zu helfen, der es brauchte.»

Wie haben Sie den Patriarchen erlebt?

Kostrešević: Patriarch Irinej war ansprechbar. Er interessierte sich für die Probleme der einfachen Leute. Er war bemüht, jedem zu helfen, der es brauchte. Seine Telefonnummer war nie ein Geheimnis. Er wurde oft von den Medien und von gewöhnlichen Gläubigen direkt kontaktiert.

«Er sagte oft, dass er Ökumeniker sei.»

Auch sagte er oft von sich selbst, dass er ein Ökumeniker sei, was ich an zahlreichen Gesten und Handlungen seiner Kirchenführung erkennen konnte. Und er war voller Energie und Motivation.

Orthodoxe Kirchenvertreter sind oft auch politisch aktiv. Wie war das bei Patriarch Irinej?

Kostrešević: Es steht jedem orthodoxen Bischof und Priester frei, politische Vorgänge zu kommentieren. Ich möchte dazu im Moment nichts sagen. Jetzt ist die Phase der Trauer. Später wird man das beurteilen können.

*Milan Kostrešević ist Doktorand am Institut für Neues Testament der Universität Bern. Er ist am 4. November 2020 zum Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK.CH) gewählt worden. Damit hat die AGCK erstmals in ihrer fast 50-jährigen Geschichte einen Präsidenten aus einer orthodoxen Kirche.

Link Uni: https://www.neuestestament.unibe.ch/ueber_uns/personen/kostreevi_milan/index_ger.html#pane593081

Der Belgrader orthodoxe Patriarch Irinej von Serbien (Mitte) am orthodoxen Konzil auf Kreta 2016 | © KNA
20. November 2020 | 17:06
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