Schweiz

Midlife-Crisis und Heiratsgedanken: Warum Bucheli nach Bürglen auswanderte

Freiburg i.Ü., 17.2.15 (kath.ch) Wendelin Bucheli sei ein guter Seelsorger, heisst es nicht nur in Bürglen UR, sondern auch in seiner früheren Wirkstätte in der Stadt Freiburg. Dort war der jetzt als Lesben-Segner schweizweit bekannt gewordene Pfarrer von Bürglen vorher 17 Jahre lang tätig. Dort liegt sein Ursprungsbistum. Dorthin muss er – geht es nach bischöflichem Willen – zurückkehren. Aber weshalb verliess er vor gut zehn Jahren seine Freiburger Heimat? Eine Spurensuche.

Regula Pfeifer

Nur zwei Weggefährten sind zu reden bereit: Kurt Stulz, ehemaliger Bischofsvikar für Deutschfreiburg und Melchior Etlin, Präsident des Pfarreiseelsorgerates (PSR) der katholischen Pfarreiseelsorge Freiburg Stadt und Umgebung. Und beide sprechen über das, was auch die Freiburger Nachrichten am 28. August 2004 zum Abschied von Wendelin Bucheli schrieben.

Laut der Zeitung sagte Bucheli, die Aufgabe als priesterlicher Mitarbeiter der neuen katholischen Pfarreiseelsorge Freiburg Stadt und Umgebung habe ihn in eine Krise stürzen lassen. Die Verantwortung und die Leitung hätten ihm gefehlt. «Es kam mir vor, als ob man mir meine Familie weggenommen hätte», zitierte die Zeitung den Seelsorger.

Zwei Anwärter für die Pfarreileitung

Melchior Etlin, der das Umbauprojekt der Freiburger Pfarreien leitete, erklärt die Situation so: Bei der Gründung der Pfarreiseelsorge Freiburg Stadt und Umgebung 2003 wurden die bisherigen Pfarrkreise zu einer Einheit zusammengeschlossen, denen ein Pfarreileiter vorstand. In jenem Moment gab es zwei Anwärter für das Amt: Wendelin Bucheli und Winfried Bächler. Bächler bekam das Amt – und hat es bis heute inne – Bucheli wurde «nur» priesterlicher Mitarbeiter (sogenannter Priester in solidum). «Dass er die Verantwortung nicht übernehmen konnte, schätzte Bucheli womöglich weniger», meint Kurt Stulz. Als Bischofsvikar war er mitverantwortlich für personelle Entscheide in den Pfarreien.

Bucheli hätte eine weitere Option gehabt. Seine Vorgesetzten, Bischof Bernard Genoud und Kurt Stulz boten ihm an, als Pfarrer in Tafers FR zu arbeiten, doch Bucheli lehnte ab. Er habe selber weiter suchen wollen, so Stulz.

Krise löste allerlei Fragen aus

Buchelis Krise war offenbar nicht rein beruflicher Natur. Laut Freiburger Nachrichten stellte sich Bucheli grundsätzliche Fragen, etwa ob seine Zukunft in der Pfarrei, im Bildungsbereich oder im Kloster liege und ob er heiraten und eine Familie gründen solle. Die Heiratsidee begrub er laut der Zeitung bald. «Wahrscheinlich war das eine Art Midlife-Crisis, die allerlei Fragen auslöste», vermutet Stulz.

Offenbar zog es Bucheli aus weiteren Gründen weg von Deutschfreiburg. Laut den Freiburger Nachrichten gab es «Spannungen mit Vorgesetzten, die aber schon älteren Datums sind». Darauf angesprochen, meint Stulz, in der Pfarrei St. Peter hätten Leute sich über freikirchliche Züge in der Haltung von Pfarrer Bucheli beklagt.

Bucheli suchte schliesslich eine neue Pfarrei und entschied sich für Bürglen. Er hatte eine Anfrage aus dem Dorf erhalten und war vom spirituellen Interesse der Bevölkerung angetan, wie das Urner Wochenblatt (19.8.2005) schrieb. «Hier sah ich, dass ich meinen Weg gehen könnte, den ich lange gesucht hatte», begründete Bucheli im Wochenblatt seine Zusage. Ihm behagte auch das bäuerliche Umfeld, stammte er doch aus einem ebensolchen. «Bucheli ist ein Bergler», fügt Melchior Etlin hinzu, «und zwar nicht von seiner Herkunft, sondern von seiner Art her.» Seine Sommerferien habe Bucheli meist in den Bergen verbracht.

Der Wechsel von Freiburg nach Bürglen verlief reibungslos, wie sich Etlin erinnert. Der Übergang vom einen zum anderen Bistum war rasch geregelt, kannten sich die beiden Kirchenführer doch bestens. Der Churer Bischof Amédée Grab war zuvor Weihbischof von Lausanne, Genf, Freiburg gewesen. Vom Herbst 2005 an arbeitete Bucheli als Pfarradministrator der Bürgler Pfarrei, später als Pfarrer.

Zurück nach Freiburg?

Ob er nun bleiben darf, ist ungewiss. Das Bistum Chur hat ihn unlängst zur Demission aufgefordert, weil er im Oktober 2014 ein Lesbenpaar gesegnet hatte. Geht es nach dem Willen der Bischöfe Huonder und Morerod, wird Bucheli in sein Ursprungsbistum zurückkehren müssen. Ein Gespräch mit Morerod steht allerdings noch aus. Sicher ist: Bucheli will in Bürglen bleiben, wie er am Sonntag nach der Messe öffentlich bekräftigt hat.

Und in Bürglen und weitherum im Land regt sich weiterhin der Widerstand gegen die angedrohte Strafversetzung. Am Dienstagmittag, 17.2.15, haben bereits rund 36’800 Personen die Petition «Bischof Vitus Huonder: Pfarrer Wendelin Bucheli muss in Bürglen, UR Schweiz bleiben» unterschrieben.

Wendelin Bucheli selbst konnte gegenüber kath.ch keine Stellung nehmen. Der Pfarrer habe sich in die Stille zurückgezogen, in die Exerzitien, informiert René Deiss, Seelsorger in der katholischen Pfarrei Bürglen.

 

 

Wendelin Bucheli, Pfarrer von Bürglen UR, mit dem Hirtenhemd, einem Geschenk seiner Pfarrei | © 2015 Hans Merrouche
17. Februar 2015 | 12:44
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