Die Feuerwehr unterwegs zur Liebfrauen-Kirche Zürich
Schweiz

«Marsch fürs Läbe»: Erst kommt die Feuerwehr, dann Weihbischof Marian Eleganti

Aufregung in Zürich: Um die Liebfrauenkirche stinkt es nach Gas. Die Feuerwehr rückt aus, gibt aber Entwarnung. In der Messe zum «Marsch fürs Läbe» nimmt Weihbischof Marian Eleganti das Wort «Abtreibung» nicht in den Mund. Er betet für «viele unschuldige Kinder, die das Licht der Welt nie erblicken werden».

Regula Pfeifer

Knapp eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes rückt die Feuerwehr zur Zürcher Liebfrauenkirche aus. Rund um die Kirche stinkt es nach Gas. Die Beamten überprüfen die Umgebung und das Kircheninnere.

Maximal 50 Menschen

Offenbar ist die Kupplung eines Autos leck, das gleich beim Kircheneingang steht. Es wird weggefahren. Liebfrauen-Pfarrer Josef-Michael Karber zeigt sich erleichtert, die Messe kann wie geplant beginnen.

Marian Eleganti leitet den Gottesdienst des "Marsch fürs Läbe" in der Liebfrauenkirche Zürich.
Marian Eleganti leitet den Gottesdienst des "Marsch fürs Läbe" in der Liebfrauenkirche Zürich.

Der Gottesdienst findet ohne Zertifikatspflicht statt. Maximal 50 Menschen dürfen coronabedingt in die Kirche. Sie müssen am Eingang ihre Personalien angeben. Weitere zwei Dutzend Menschen verfolgen die Feier an einem Bildschirm draussen hinter der Kirche.

Marsch fürs Läbe: Einschreiben für den Gottesdienst in der Liebfrauenkirche Zürich
Marsch fürs Läbe: Einschreiben für den Gottesdienst in der Liebfrauenkirche Zürich

Veranstalter distanzieren sich von BAG-Massnahmen

Es sind vor allem ältere Gläubige gekommen. Sie halten sich an die Regeln: Maskenpflicht, Abstand halten. Nur sieben Menschen wünschen die Mundkommunion.

Die Veranstalter des «Marsch fürs Läbe» sind nicht glücklich über die Corona-Bestimmungen: «Die Umstände sind weder von Gastkirche noch Veranstalter so gewählt. Die Veranstalter sind gegen die Zertifikatspflicht», steht auf einem Zettel vor dem Kircheneingang. «Wir versuchten gemeinsam mit der Gastkirche und allen Verantwortlichen, die bestmögliche Formel zu finden.»

Eleganti feiert die Liturgie in Gesangsform

Die Feier wird durchgehend von Gesängen aus dem Lautsprecher begleitet. Diese ertönen mal lateinisch, mal deutsch, mal in einer slawischen Sprache.

Sanfte Melodien und sanfte Stimmen prägen den Gottesdienst in der Liebfrauenkirche am Samstagmorgen. Der emeritierte Weihbischof von Chur, Marian Eleganti, steht allein im Chor, ohne Ministranten. Er feiert die Liturgie singend. «Wir stehen hier im Namen vieler unschuldiger Kinder, die das Licht der Welt nie erblicken werden», singt er zu Beginn des Gottesdienstes. Es gehe darum, das Gewissen der Menschen aufzurütteln.

Marian Eleganti predigt über den Anruf Gottes an das Kind im Mutterleib.
Marian Eleganti predigt über den Anruf Gottes an das Kind im Mutterleib.

Menschliche Existenz «höchst erstaunlich»

«Der Mensch ist schon im Mutterschoss vom ersten Augenblick an jemand», bringt Marian Eleganti seine Predigt auf den Punkt. Die Predigt ist der einzige Beitrag, den er nicht singt, sondern spricht.

Der emeritierte Weihbischof von Chur findet die menschliche Existenz «höchst erstaunlich». Das alles geschehe nicht von allein. Vielmehr: «Im Anfang stand das Wort des Schöpfers», sagt Eleganti. Daraus sei eine Vielfalt von Leben in den Meeren, Flüssen und auf der Erde entstanden.

Marsch fürs Läbe: Der Gottesdienst übertragen für Besucher hinter der Liebfrauenkirche
Marsch fürs Läbe: Der Gottesdienst übertragen für Besucher hinter der Liebfrauenkirche

«Auftrag und Berufung»

Darunter befinde sich auch der Mensch. Er allein sei bestimmt, das Wort Gottes zu vernehmen. «Nur der Mensch erkennt das Wort. Die ganze Schöpfung erkennt nicht sich selbst. Nur der Mensch erkennt sich selbst und die ganze Welt.»

Gott rufe den Menschen an. Diese Ansprache – dieses Wort, wie Eleganti sagt – sei «Auftrag und Berufung». Es bedeute: «Du bist jemand, man kann dich nicht ersetzen.» Und es heisse ebenso: «Wir sind geliebt vom Schöpfer, wir sind gewollt.»

Marsch fürs Läbe: Der Gottesdienst übertragen für Besucher hinter der Liebfrauenkirche
Marsch fürs Läbe: Der Gottesdienst übertragen für Besucher hinter der Liebfrauenkirche

Rückgriff auf Bruder Klaus

Das Gotteswort gilt es zu beherzigen, ist Eleganti überzeugt. Denn: «Dieses Wort wird die Vorlage sein für das persönliche jüngste Gericht.» Gott habe Jesus bereits im Mutterleib angerufen, kommt der Geistliche seinem Anliegen näher. Das gelte für alle Menschen ebenso. «Denn wir sind da, weil am Anfang ein Wort war.»

Weihbischof Marian Eleganti beruft sich auch auf Bruder Klaus: «Schon unser Nationalheiliger, der heilige Bruder Klaus, hat dieses Wort – das er werden musste, das er verwirklichen musste in seinem Leben – schon vor der Geburt im Mutterschoss vernommen.»

Gottesdienstbesucher hinter der Liebfrauenkirche
Gottesdienstbesucher hinter der Liebfrauenkirche

Und die Rolle der Frau?

Der Schöpfer erkenne den Menschen, bereits bevor dessen Glieder gebildet worden seien, so Eleganti. Und er zeige ihm so: Er sei gewollt. Dieses Wissen sei wunderbar.

Die Rolle der Frau erklärt der Geistliche anhand der Situation der Muttergottes Maria. Der Engel habe zu Maria gesagt: «Das Wort – das Ewige – wird in deinem Schoss Mensch werden. Bist du bereit dazu?» Maria habe geantwortet: «Mir geschehe nach deinem Wort.» Marian Eleganti ruft mit sanften Worten dazu auf, diese Haltung von «dein Wille geschehe» zu übernehmen.

«Erbarme dich aller Kinder»

Dann schliesst er: «Wir beten für all die unzähligen Kinder, die im Mutterleib auch von Gott erkannt worden sind.» Es gehe darum, bereit zu sein – und auch zu einem allfälligen «Martyrium Ja zu sagen». Eleganti fordert die Anwesenden auf, für alle zu beten: für die Kinder, die Mütter und die Väter.»

Auch im Hochgebet spricht er das Thema nochmals an: «Erbarme dich aller Kinder, die unschuldig getötet werden.» Auch die abschliessenden drei Lieder hätten dieses Thema, teilt eine Stimme aus der Empore mit.

Die Feuerwehr unterwegs zur Liebfrauen-Kirche Zürich | © Regula Pfeifer
18. September 2021 | 17:30
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