Der St. Galler Bischof Markus Büchel (Mitte) im Publikum. | © Barbara Ludwig
Schweiz
Der St. Galler Bischof Markus Büchel (Mitte) im Publikum. | © Barbara Ludwig

Markus Büchel und Daniel Kosch stärken dem SPI den Rücken

St. Gallen, 20.1.19 (kath.ch) Das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut hat am Freitag seinen 50. Geburtstag gefeiert. Die Tagung mit Vorträgen und Ateliers zu kirchlichen «Baustellen» stiess auf grosses Interesse. Der St. Galler Bischof Markus Büchel und RKZ-Generalsekretär Daniel Kosch würdigten das Forschungsinstitut beim abendlichen Festakt im St. Galler Pfalzkeller.

Barbara Ludwig

Die katholische Kirche Schweiz braucht ein Institut, das sie durch Forschung und Beratung bei ihrer Planung unterstützt. Dies war an der Tagung vom Freitag, mit der Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) seinen 50. Geburtstag beging, unbestritten.

Publikum an der Jubiläumstagung des SPI im St. Galler Pfalzkeller | © Barbara Ludwig

«Wenn es das SPI nicht gäbe, hätten die Verantwortlichen für die Zukunft der Kirche vor 50 Jahren etwas falsch gemacht», sagte der St. Galler Bischof Markus Büchel, der innerhalb der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) für die Pastoral zuständig ist. Dass es das SPI noch immer gebe, sei ein Zeichen für die Überzeugungskraft und den Durchhaltewillen, «eine als notwendig erkannte Aufgabe durchzuhalten», so der SBK-Vizepräsident.

Das SPI ist eng mit den St. Galler Katholiken verbunden.

Entstehung und Geschichte des SPI sind eng mit den St. Galler Katholiken verbunden, die das Institut Ende der 1960er Jahre aus der Taufe hoben. Dies zeigte auch die Ansprache des Ortsbischofs. Büchel erzählte vor dem Publikum im Pfalzkeller, wie ihn nicht nur das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) geprägt hätten, sondern auch die Arbeiten des SPI.

Offen für den Wandel

Sie ermutigten ihn, während seiner Zeit als Seelsorger und Pfarrer, den Blick auf den Wandel in der Gesellschaft nicht zu verlieren und in «angstfreier Offenheit» die Seelsorge als einen «Weg mit den Menschen» zu verstehen. Dass dieser Geist im Bistum St. Gallen seit dem Konzil prägend war, verdanke man den kirchlichen Entscheidungsträgern, die durch die Impulse aus der Pastoralsoziologie und dem SPI zu neuen Schritten ermutigt wurden.

Der Einsiedler Abt Urban Federer hört zu. | © Barbara Ludwig

Die Gründung der Pastoralplanungskommission nach Abschluss der Synode 72 sei eine wichtige Entscheidung gewesen, fuhr Büchel fort. Weil damit die Forschungsergebnisse der Pastoralsoziologie auch für die Pastoral in den Bistümern fruchtbar gemacht werden könnten.

Dank für Arbeit zu Familiensynode

Einen besonderen Dank sprach der Bischof für die Arbeit aus, die das Institut im Umfeld der Familiensynode und der Jugendsynode geleistet habe. Dabei erwähnte er die vom SPI im Jahr 2015 herausgegebene Publikation «Familienvielfalt in der katholischen Kirche». Und mahnte zur Geduld, wenn auch noch nicht alle Beteiligten davon überzeugt seien, dass es diese Vielfalt tatsächlich gebe.

«Das älteste SPI war die Schreibstube des Lukas.»

RKZ-Generalsekretär Daniel Kosch entdeckt einen biblischen Vorläufer des SPI. | © Barbara Ludwig
Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ), ging in der Geschichte mehr als 50 Jahre zurück. «Das älteste SPI der Kirchengeschichte war die Schreibstube des Lukas», sagte Kosch als Vertreter des Zusammenschlusses der Kantonalkirchen, der das SPI mitfinanziert.

Diese Behauptung untermauerte der Kirchenfunktionär, der auch Theologe ist, mit biblischen Belegen. So sagte er etwa, das Lukas-Evangelium beginne mit einer «Methodenreflexion» und die Apostelgeschichte habe ein «gutes Gespür für qualitative Soziallforschung».

Aufmerksamkeit für das Konkrete

Davon ausgehend stellte Kosch fest, dass die Pastoralsoziologie, verstanden als Aufmerksamkeit für das Konkrete schon immer zur DNA der Kirche gehört habe. Nicht nur die Schriften des Lukas, sondern die ganze Bibel zeigten, man könne von der Kirche nicht sprechen, ohne das Konkrete, Zahlen, Fakten, Personen und Konflikte in den Blick zu nehmen.

Der RKZ-Generalsekretär betonte zudem die Bedeutung der Heilsgeschichte und der kirchlichen Tradition für die pastorale Planung. «Ohne den langen Atem der Heilgeschichte» gehe dieser Planung der «Schnauf» aus, zeigte sich Kosch überzeugt. Es sei deshalb erfreulich, dass am SPI nicht nur die Soziologie, sondern auch die Theologie einen hohen Stellenwert habe.

Gemeinschaftswerk im dualen System

Zuletzt erinnerte Kosch daran, dass der Anstoss zur Gründung des SPI – einem «wichtigen Gemeinschaftswerk von Pastoral und staatskirchenrechtlichen Instanzen» –, von den staatskirchenrechtlichen Behörden kam, namentlich von Urs Cavelti, dem damaligen Präsidenten des Administrationsrates des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen.

Dieser habe immer wieder in Erinnerung gerufen, dass jeder staatskirchenrechtlichen oder finanziellen Entscheidung eine pastorale Entscheidung vorausgehe. Cavelti sei überzeugt gewesen, dass pastorale und finanzielle Entscheidungen «in der konkreten gesellschaftlichen Realität verankerte Entscheidungsgrundlagen» benötigen.

Alois Odermatt leitete das SPI von 1977 bis 1984. | © Barbara Ludwig

Kritische Töne von Ehemaligen

Am Festakt gab es auch einige nachdenkliche Voten von Ehemaligen des SPI, die von Institutsleiter Arnd Bünker nach vorne geholt wurden. Alois Odermatt, SPI-Leiter von 1977 bis 1984, sagte: «Ein bisschen Trauer hat unsere Arbeit immer durchzogen.» Offenbar kam es in der Vergangenheit nicht selten vor, dass die Bischöfe die aus Sicht der im Institut Tätigen notwendige Schritte nicht vollzogen. «Man gab sich Mühe. Und plötzlich kam von oben ein Nein, obschon die Bischöfe am Anfang Ja sagten», so der Historiker.

«Ich kann nur eine Institution beraten, die das auch möchte.»

Claudia Mennen, 1996 bis 2003 Mitglied der Pastoralplanungskommission, musste irgendwann auch feststellen, dass ihr Einfluss sich in Grenzen hielt. «Ich merkte, auf der Klaviatur der Macht kann ich nicht spielen und möchte ich nicht spielen.»

Sie könne nur eine Institution beraten, die das auch möchte, sagte die deutsche Theologin kritisch. Noch immer sei die Kirche auf dem Weg, eine synodale Kirche zu werden. «Das ist uns nicht vom Himmel gegeben.» Einige Menschen müssten Macht loslassen, damit auch andere sich einbringen könnten.


Wenn ein Todesfall pastoraler Störfall wird – Kirche muss Freiräume planen

Publikum an der Jubiläumstagung des SPI im St. Galler Pfalzkeller | © Barbara Ludwig
Publikum an der Jubiläumstagung des SPI im St. Galler Pfalzkeller | © Barbara Ludwig
Im Atelier "Diakonische Kirche" | © Barbara Ludwig
Im Atelier "Diakonische Kirche" | © Barbara Ludwig
Im Musiksaal diskutieren Teilnehmer des Ateliers "Personalmangel". | © Barbara Ludwig
Im Musiksaal diskutieren Teilnehmer des Ateliers "Personalmangel". | © Barbara Ludwig

Mehr Teilnehmer als erwartet

Die Tagung des SPI hatte bereits am Freitagvormittag mit zwei Impulsvorträgen begonnen. Sie stiess auf grosses Interesse. Nach Angaben von Arnd Bünker hatten sich rund 200 Personen angemeldet, gerechnet hatte man mit 120 bis 150 Personen. Auch prominente Persönlichkeiten der Kirche liessen sich den Anlass nicht entgehen, darunter der Einsiedler Abt Urban Federer und die Generalvikare des Bistums Basel und St. Gallen, Markus Thürig und Guido Scherrer.

Nach zwei Impulsvorträgen hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, zu einer «umfassenden Baustellenbesichtigung», wie Bünker am Vormittag ankündigte. Dazu bot das SPI zahlreiche Ateliers zu aktuellen Themen an: Planung und Beteiligung, Personalmangel und Pastoralpläne standen auf dem Programm. Aber auch Diakonie und Behindertenseelsorge, die Freiwilligen, die Umnutzung von Kirchengebäuden, Glaubenszugänge für Erwachsene und die Familie als Ort für religiöses Lernen. Zum Ende der Tagung gab es das Jubiläumsbuch mit dem Titel «Die Menschen ins Zentrum stellen» als Geschenk. (bal)

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