Mammutveranstaltung des «Volkes Gottes»

40 Jahre nach Eröffnung der Synode 72:

Zürich, 3.7.12 (Kipa) 1972 bis 1975 tagte die Synode 72 in insgesamt bis zu zehn Sessionen als Bistumssynoden in Wil SG, Bern, Zürich, Freiburg i. Ü., Sitten, Lugano, Chur sowie in der Abtei Saint-Maurice. Auf Anstoss der Schweizer Bischofskonferenz von 1969 sollte sie die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils für das kirchliche Leben in der Schweiz übersetzen. Ein Rückblick.

Im Oktober 1969 wandten sich die Schweizer Bischöfe in einem Brief mit beigelegter Antwortkarte an die Gläubigen. Sie sollten sieben Themenbereiche gewichten, um so mitzuwirken an der von der Schweizer Bischofskonferenz beschlossenen Synode. Das Echo war überwältigend: 150.000 Antworten gingen ein, dazu über 10.000 Briefe. Die Vorbereitungskommission erarbeitete einen Themenkatalog, nach einem langwierigen Prozess schliesslich die Synodenvorlagen, die in allen Versammlungen gleichzeitig behandelt werden sollten. Am Ende sollten die Ergebnisse auf nationaler Ebene wieder zusammengeführt werden.

Quoten für Frauen, Junge, «Gastarbeiter»

Die Diözesansynoden waren jeweils auf 200 Teilnehmende beschränkt. Die Hälfte der Synodalen bestand aus Priestern und Ordensleuten und wurden von diesen direkt gewählt, die übrigen über Elektoren, die die Pfarreien gewählt hatten. Ein ausgeklügelter Verteilschlüssel sorgte dafür, dass Junge ebenso vertreten waren wie Frauen oder «Gastarbeiter», wie man damals sagte. Als Architekten und Organisatoren dieses Prozesses gelten gemäss einer aktuellen Publikation von Manfred Belok (»Die Synode in der Schweiz, 1972-1975») die beiden damaligen Bischofsvikare Ivo Fürer (später Bischof von St. Gallen) und Alois Sustar (später Bischof von Ljubljana).

Es war ein Riesenvorhaben, das schwer zu koordinieren war: Die Synoden arbeiteten nicht gleich schnell und kamen auch nicht immer auf dasselbe Resultat. Sie schrieben einige Vorlagen um, wiesen sie auch mal zurück und entschieden, ob sie die Kompetenzen für die jeweiligen Themen an die gesamtschweizerischen Sitzungen abgeben wollten, die die Beschlüsse zusammenzuführen hatten.

Vieles wurde realisiert, vieles kam nicht durch

An Ende standen über 500 Seiten Dokumente. Ein Teil der Beschlüsse wurde realisiert und ist heute selbstverständlicher Alltag in der katholischen Kirche. Etwa die Anstrengungen in der religiösen Erwachsenenbildung. Oder die Empfehlung an die Klöster, Suchenden ihre Türen zu öffnen. Dass die Jugendverbände ökumenisch offen sind. Manches wäre noch aufzuzählen. Dass das Firmsakrament erst jungen Erwachsenen gespendet werden soll, wird erst in jüngster Zeit umgesetzt. Ähnliches gilt, insbesondere angestossen durch sinkende Schülerzahlen, in Sachen ökumenischer Religionsunterricht.

Anderes fand keine Umsetzung: Die Bischöfe machten aufgrund der Ergebnisse Eingaben in Rom, von denen die meisten jedoch abgelehnt wurden. Ein Pastoralrat als Nachfolgerat der Synode etwa wurde nicht gut geheissen, obwohl die Schweizer Bischöfe die Statuten bereits angenommen hatten. Hingegen wurde das Schweizer Synode-Hochgebet ins «Missale Romanum» aufgenommen.

Einige Themen sind noch heute aktuell. Etwa die Forderung, wiederverheiratete Geschiedene zu den Sakramenten zuzulassen. Oder die Frage, wie man verfahren soll mit den immer häufiger werdenden Mischehen. Ist die Beichte noch aktuell? Schon damals war man beunruhigt über die düsteren Personalprognosen und sprach davon, dass es künftig Gemeindeleitungen durch Laien geben werde.

Andere Themen werden derzeit kaum noch diskutiert: Wie verhält sich das Evangelium zur Militärdienst-Pflicht (eine Thematik, die damals wütende Reaktionen auslöste)? Gibt es eine Sonntagspflicht? Diskutiert, aber wieder verworfen wurde die Frage nach einem Weihbischof für Zürich – erst in den Wirren um den damaligen Churer Bischof Wolfgang Haas wurde ein solcher vorübergehend eingeführt.

Hinweis: Manfred Belok: Die Synode 72 in der Schweiz (1972-1975). In: Pastoraltheologische Informationen, S. 21-43. Nachzulesen unter: https://www.kath.ch/80712

 

Separat:

Am Rande der Synode

Wer sich im Kipa-Archiv auf die Suche macht, findet manches, das auch heute, nach 40 Jahren, noch (oder wieder) heiss diskutiert wird. So kündigte Bischof Pierre Mamie von Lausanne, Genf und Freiburg 1975 an, die Approbation der Priesterbruderschaft Pius X. von 1970 zurückzuziehen. Dies wegen der Ablehnung des Konzils und der Autorität von Papst Paul VI. durch die Bruderschaft.

Auch auf politischem Feld kam etliches zur Sprache, was auch heute noch auf der Tagesordnung steht. So wurde an der Synode schon über das Bankgeheimnis gesprochen oder über das Finanzgebaren von Schweizer Firmen in Ländern des Südens.

(kipa/arch/pem/job)

3. Juli 2012 | 10:43
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