Schweiz

Liturgie-Professor: Weihwasser und Singen im Gottesdienst weniger gefährlich als gedacht

Hans-Jürgen Feulner ist Liturgie-Professor in Wien. Ein 900-Seiten-Buch geht Hygienekonzepten in der Kirche nach. Demnach tötet Salz im Weihwasser Krankheitserreger. Kommunionkelche müssten nicht mit Desinfektionsmitteln geschrubbt werden, «bis sich die Goldbeschichtung löst».

Raphael Rauch

Seit fast einem Jahr sind in Schweizer Kirchen die Weihwasserbecken trocken. Es gibt keinen Friedensgruss mehr und weitgehend auch keine Mundkommunion. Über Nacht wurden liturgische Änderungen vorgenommen. Spannende Zeiten für Liturgiewissenschaftler – wie etwa den Wiener Theologen Hans-Jürgen Feulner.

«Gottesdienst auf eigene Gefahr?»

Er hat ein 900-Seiten-Buch herausgegeben: «Gottesdienst auf eigene Gefahr? Die Feier der Liturgie in der Zeit von Covid-19.» Das Interesse an dem Wälzer ist gross. Sogar der «Spiegel» berichtet darüber.

Kein Weihwasser – zum Schutz vor Ansteckung

Feulner ist der Ansicht: «Vielleicht hätten wir uns stärker gegen Massnahmen wehren müssen, die das religiöse Leben massiv beeinträchtigen», sagt er dem «Spiegel». Als Beispiel nennt er den Gesang im Gottesdienst: «Das galt lange als extrem infektiös, inzwischen gibt es Studien, die zeigen, dass dabei nicht mehr Aerosole ausgestossen werden als bei lautem Sprechen.»

Salz im Weihwasser tötet Krankheitserreger

Feulner verweist auch auf eine «schon Jahre währende Diskussion darüber, wie unhygienisch Weihwasser» sei. Der Liturgie-Professor betont: «Unhygienisch ist nicht gleichbedeutend damit, dass es auch krank macht.»

Es gebe Studien, die davon ausgingen, «dass von Weihwasser keine Gefahr ausgeht. Insbesondere wenn es mit genügend Salz versetzt wird, wodurch Krankheitserreger abgetötet werden», schreibt der «Spiegel».

Der Ex-Generalvikar der Urschweiz, Martin Kopp, firmt auch zu Coronazeiten.

Für die Krankensalbung empfiehlt Feulner, statt des Fingers ein Wattestäbchen zu verwenden, «das anschliessend ehrfürchtig entsorgt werden soll, weil das geweihte Krankenöl noch daran ist. Bei der Firmung kann der Firmspender seinen Daumen desinfizieren, bevor er zum nächsten Gläubigen schreitet.»

Kelche und Messgewänder schonen

Studien hätten gezeigt: Das Risiko durch Schmierinfektionen sei geringer als anfangs angenommen. «Es ist also unnötig, die Kommunionkelche mit Desinfektionsmitteln zu schrubben, bis sich die Goldbeschichtung löst. Und es ergibt auch keinen Sinn, kostbare Messgewänder des 18. Jahrhunderts aus Brokat chemisch zu reinigen und damit zu ruinieren.»


Pfarrer desinfiziert seine Hände. | © Vera Rüttimann
20. Februar 2021 | 06:30
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