Kritische US-Ordensfrauen tagten mit Vatikan-»Aufsehern»
Rom/Washington, 23.8.13 (Kipa) Der vor zwei Jahren von Benedikt XVI. wegen schwerwiegender lehrmässiger Irrtümer unter Vatikanaufsicht gestellte Dachverband von 57.000 Ordensfrauen aus den USA will keine Verschärfung in dem Konflikt. Bei der jüngsten Vollversammlung der «Leadership Conference of Women Religious» (LCWR) – so der Name des Dachverbands – in Orlando (Florida) habe es ein «positives Klima» zwischen der LCWR-Leitung und den Papstvertretern gegeben, zitiert Radio Vatikan aus dem Communiqué: «Das Gespräch hat einen tieferen Austausch und ein besseres Verständnis von bestimmten Positionen ermöglicht», heisst es vorsichtig formuliert.
Die amerikanischen Ordensfrauen waren in Orlando mit dem vom Vatikan ernannten Delegaten, Erzbischof James Peter Sartain, sowie mit den Assistenten des Delegaten, den Bischöfen Leonard Blair und Thomas Paprocki, zu ausführlichen Diskussionen zusammengekommen. Die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre hatte Sartain 2011 als Apostolischen Beauftragten eingesetzt, um eine Reform des amerikanischen Verbandes zu überwachen. Die LCWR wird verdächtigt, die römisch-katholische Position nicht mehr vollständig zu vertreten.
In dem veröffentlichten Communiqué der Organisation heisst es jetzt, dass das Gespräch mit Erzbischof Sartain das neue, positive Klima zwischen dem Vatikan und dem Verband bekräftige. Dieses Klima könne auf Dauer möglicherweise zu einer Lösung der Probleme führen. Die Mitglieder des amerikanischen Verbandes hofften auf eine Fortsetzung dieses Dialogs mit dem Vatikan, heisst es laut Radio Vatikan.
Kein Kommentar
Wie die Onlinezeitung «Huffington Post» dazu am Mittwoch berichtet, sei unklar, welche Linie Papst Franziskus in dem Konflikt einschlagen will. Während er im Mai die Ordensfrauen zu Romtreue und Kirchlichkeit aufgerufen hatte, kamen im Juni ganz andere Signale. Diese erfolgten bei jenem berühmt gewordenen Gespräch mit Vertretern der Lateinamerikanischen und Karibischen Konferenz der Ordensleute (CLAR), dessen Protokoll unerlaubterweise veröffentlicht wurde.
Kein Kommentar zu diesem «Privatgespräch» war damals von Papstsprecher Federico Lombardi zu bekommen gewesen. Bestätigt indes wurde das Gesagte von der CLAR selbst – auch wenn der Verband die Veröffentlichung, die einer aus ihren Reihen zu verantworten hatte, ausdrücklich bedauere. Verbreitet wurden Teile dieses Gesprächs, das hinter verschlossenen Türen stattfand, vom chilenischen Internetportal www.reflexionyliberacion.cl.
«Reisst die Türen auf»
Wörtlich sagte der Papst demnach den stark befreiungstheologisch orientierten CLAR-Ordensleuten: «Habt Mut, schlagt neue Richtungen ein! Fürchtet Euch nicht vor den Risiken, wenn ihr auf die Armen und die Menschen zugeht, die gerade beginnen, im Kontinent ihre Stimme zu erheben. Reisst die Türen auf. Reisst die Türen auf! Ihr werdet Fehler machen, ihr werdet anderen auf die Füsse treten. Das passiert. Vielleicht wird sogar ein Brief der Glaubenskongregation bei euch eintreffen, in dem es heisst, dass ihr dies oder jenes gesagt hättet. Macht Euch darüber keine Sorgen. Erklärt, wo ihr meint erklären zu müssen, aber macht weiter. Macht die Türen auf. Tut dort etwas, wo der Schrei des Lebens zu hören ist. Mir ist eine Kirche lieber, die etwas falsch macht, weil sie überhaupt etwas tut, als eine Kirche, die krank wird, weil sie sich nur um sich selbst dreht.»
Offenbar gebe es in der LCWR die Hoffnung, dass der Papst die Linie zu kritischen Ordensleuten gegenüber seinem Vorgänger ändert, so die «Huffington Post». (kipa/kap/am)


