Einkaufszentrum in der Weihnachtszeit | © pixabay.com
Schweiz
Einkaufszentrum in der Weihnachtszeit | © pixabay.com

Keine «vorweihnächtliche Einkaufsschlacht» an Heiligabend

Freiburg/Bern, 4.12.17 (kath.ch) Ein Aufruf der Kirchen ergeht am 4. Dezember an die Geschäftsinhaber: Sie sollen christliche Werte hochhalten und am 24. Dezember auf den Sonntagsverkauf verzichten. Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK), der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) und die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) rufen hierzu gemeinsam in einer je eigenen Mitteilung auf.

«Wer am Sonntag arbeitet, fehlt zu Hause», sagt SEK-Präsident Gottfried Locher laut Medienmitteilung. Damit fehle der Familie ein Mitglied bei der Vorbereitung auf eines der wichtigsten Familienfeste im Jahr. Hintergrund des Aufrufs ist die Tatsache, dass der 24. Dezember dieses Jahr auf einen Sonntag fällt und viele Geschäfte dann Sonntagsverkauf anbieten.

Der SEK fordert nun gemeinsam mit SBK und SEA, nicht alle vorweihnachtlichen Sonntage für den Verkauf zu öffnen, «damit den gemeinsamen christlichen Wurzeln und Traditionen der notwendige Raum gegeben wird.»  Der Aufruf will Geschäftsinhaber ermutigen, die Geschäfte am 24. Dezember geschlossen zu lassen.

Wahrung der christlichen Werte

Drastischere Worte findet die SEA: Die Adventszeit, einst Zeit der Besinnung, «muss heute immer mehr dem hektischen Treiben der vorweihnächtlichen Einkaufsschlacht weichen», heisst es in der Mitteilung der SEA.

Die Kirchenvertreter wollen mit ihrem Aufruf an die «Wahrung der gesellschaftlichen sowie christlich-kirchlichen Relevanz des Sonntags» erinnern, formuliert es die Allianz. An Sonntagen solle man sich erholen, Zeit mit Familie und Freunden verbringen und einer Freizeitbeschäftigung nachgehen können. Der SEK ergänzt, dass der Sonntag die Freiheit des Menschen schütze, weil er der ökonomischen Verfügung über sie eine Grenze setze. Eine Gesellschaft, die sich keine Zeit für Besinnung, Ruhe und Gottesdienst mehr nehme, setze die eigenen Fundamente aufs Spiel.

Auch die SBK nennt den Advent in ihrer Mitteilung eine Zeit «der Besinnung, des Staunens und der Liebe». Der Besuch des Gottesdienstes an Heiligabend sei in der Bevölkerung tief verankert «und beschert vielerorts volle Kirchen.»

Viel Umsatz vor Weihnachten

Die SEA zeigt als einzige der drei Kirchenvertreter ein gewisses Verständnis dafür, dass die Sonntagsverkäufe in der Vorweihnachtszeit «zu den wohl umsatzstärksten Tagen im Jahr» zählten. Durch eine Schliessung der Geschäfte an Heiligabend könnten die Geschäftsinhaber aber «den christlichen Werten und Traditionen in unserem Land Raum» geben und dadurch auch ihren Mitarbeitenden eine würdige Einstimmung auf dieses Fest ermöglichen.

Am Samstag hatte die junge Evangelische Volkspartei (EVP) vor dem Einkaufszentrum Sihlcity in Zürich versucht, Passanten den Verzicht auf das Einkaufen an Sonntagen schmackhaft zu machen. Sie verteilten Flyer mit dem Slogan «Sonntagsverkauf Ohne mich!». Die Aktion soll am nächsten Samstag wiederholt werden.

Laut Anne Durrer, Mediensprecherin des SEK, besteht kein Zusammenhang zwischen der Aktion der jungen EVP und dem Aufruf der Kirchen. Letzterer sei schon länger geplant gewesen und zufällig kurz nach der Aktion der EVP versandt worden, sagte sie auf Anfrage. Das Anliegen, den Sonntag als Ruhetag zu gestalten, sei den Kirchen ein Anliegen, das sie seit Jahren vertreten.

Bereits im November hatte die Gewerkschaft Unia Geschäftsinhaber aufgerufen, am 24. Dezember auf den Sonntagsverkauf zu verzichten. (sys)


Junge EVP wirbt für Shopping-Verzicht an Sonntagen im Advent

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