Katholischer Frauenbund: «Hass auf Sanija Ameti ist die falsche Antwort»
Die Causa Sanija Ameti wühlt die Schweiz auf: Die 32-Jährige hat bekanntlich auf ein Bild von Maria mit dem Jesus-Kind geschossen und das Ganze im Netz gepostet. Nun ruft der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) zu Besonnenheit auf und verurteilt Gewaltandrohungen.
«Wir können nachvollziehen, dass viele Menschen über die symbolische Gewalt der Schüsse auf Maria und Jesus verletzt sind. Aber Menschen machen Fehler. Als Christinnen und Christen sind wir dazu aufgerufen, zu vergeben, anstatt Hass zu schüren», so SKF-Präsidentin Simone Curau-Aepli.
«Löste bei religiösen Gruppen Entsetzen aus»
Das Szenario ist bekannt: Sanija Ameti, Politikerin der Grünliberalen Partei (GLP) und Co-Präsidentin von Operation Libero, sorgte mit ihrem Instagram-Post für eine heftige Kontroverse.
«Die Juristin löste dadurch besonders bei religiösen Gruppen und der Schweizer Bischofskonferenz Entsetzen aus», schreibt der SKF in einer Medienmitteilung. Trotz einer Entschuldigung und der Bitte um Vergebung, stehe Ameti nun aufgrund von Morddrohungen unter Polizeischutz.
Mehr als blosse Empörung
Die Kommentare im Netz offenbaren laut Schweizerischem Katholischem Frauenbund mehr als blosse Empörung über das wenig umsichtige Handeln der medienerfahrenen Juristin, die für ihr provokatives Auftreten bekannt sei.
Boulevardeske Medienberichte und die Diskussionskultur auf Social Media-Plattformen würden die gesellschaftliche Spaltung befeuern. Sanija Ameti habe ihren Fehler eingestanden, sich öffentlich entschuldigt und die katholische Gemeinschaft in einem Schreiben an den Churer Bischof Joseph Bonnemain um Vergebung gebeten.
Als Dreijährige aus Ex-Jugoslawien geflüchtet
Wie der Schweizerische Katholische Frauenbund in Erinnerung ruft, sei Ametis Familie muslimischen Glaubens und 1995 mit der damals dreijährigen Sanija aus Ex-Jugoslawien in die Schweiz geflohen.
Wer sich dieser Tage mit Sanija Ameti befasse, so der SKF, dem schlage eine Welle sexistischer, islam- und ausländerfeindlicher Kommentare entgegen.
«Der Hass, der sich an Sanija Ameti entlädt, offenbart auch ein grundsätzliches gesellschaftliches Problem. Diese Entwicklung ist gefährlich.»
«Dinge, die bisher höchstens hinter vorgehaltener Hand gesagt wurden, sind plötzlich salonfähig. Der Hass, der sich an Sanija Ameti entlädt, offenbart auch ein grundsätzliches gesellschaftliches Problem. Diese Entwicklung ist gefährlich», versichert SKF-Mediensprecherin Sarah Paciarelli.
Job und Politik weg
Nach einer aufgeheizten öffentlichen Debatte verlor Ameti bekanntlich ihren Job bei einer Marketingagentur. Sie trat auch von ihrer Position in der Kantonalzürcher GLP zurück. Die Partei prüfte gar ein Ausschlussverfahren, entschied sich letztlich aber dagegen. Zudem wurden Strafanzeigen wegen Verletzung der Glaubens- und Kulturfreiheit eingereicht. (woz)
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