Schweiz

Katholische Lesbensegnung bewegt Medien und Seelsorger

Zürich, 22.2.15 (kath.ch) Ein reichhaltiges Menü präsentiert die Schweizer Sonntagspresse ihren Lesern zu Themen, welche die katholische Kirche Schweiz zurzeit bewegen. Über die Segnung von homosexuellen Paaren schreiben mehrere Blätter. Sie haben bei Seelsorgern herumgehört. Eine Zeitung nimmt die Abgänge im katholischen Medienbereich auf.

An diesem Wochenende findet in Lenzburg die Hochzeitsexpo 2015 statt. Einen Stand haben die Aargauer Landeskirchen organisiert. Eine Broschüre beantwortet Fragen zu «Gleichgeschlechtlichen Paare». Dort heisst es: «Die reformierte, die römisch-katholische und die christkatholische Kirche bieten gleichgeschlechtlichen Paaren die Möglichkeit einer Segnungsfeier, die aber nicht mit einer Trauung gleichzusetzen ist. Der Segen bezieht sich auf die Menschen, die in der Partnerschaft leben möchten.»

Mitautor der Broschüre ist Kurt Adler, Mitarbeiter der römisch-katholischen Landeskirche Aargau. Er ist Religionspädagoge und unterstützt als Mediator im Kanton Paare. Zum zitierten Abschnitt sagt er gegenüber der Schweiz am Sonntag: «Wir fanden alle: Das gehört einfach hinein.» Klar sei, dass nicht die Beziehung, sondern die beiden Menschen gesegnet und auf ihrem Weg bestärkt werden.

Kurt Adler gestaltet seit sieben Jahren am Valentinstag eine «Segnungsfeier für alle Liebenden». Rund 130 Gläubige, darunter Homosexuelle, kamen vor einer Woche in die katholische Kirche Peter und Paul nach Aarau. Im Mai organisiert Adler mit einer Kollegin eine «Solidaritäts- und Segensfeier für gleichgeschlechtlich Liebende, ihre Familien, ihre Verwandten und Bekannten». Und vor einem Monat erhielt er eine explizite Anfrage von einem lesbischen Paar, das sich segnen lassen will. «Selbstverständlich habe ich Ja gesagt», sagt Adler.

Bucheli spricht die Jugend an

«Der Herrgott hat die Menschen so geschaffen, wie sie sind – mit all ihren Fehlern», betont in der Zentralschweiz am Sonntag Peter Vorwerk, Sprecher des Kirchenrats Bürglen in der Causa Wendelin Bucheli. «Papst Franziskus hat es auf den Punkt gebracht, als er sagte: Wenn jemand kommt und mich um den Segen Gottes bittet: Wer bin ich, ihm diesen Segen zu verweigern?»

Pfarrer Buchelis Entscheid, die Segnung durchzuführen, habe keine allgemeingültige Auswirkung. «Jetzt geht es primär darum, wie man mit unserem Pfarrer umspringt.» Und dieser Umgang gehe ihm nahe. Er fügt hinzu: «Wendelin Bucheli hat es geschafft, die Leute und gerade die Jungen wieder in die Kirche zu holen.»

«Gehört zu meiner Aufgabe als Seelsorger»

«Die beiden Frauen waren in der Kirche engagiert, der Glaube bedeutete ihnen etwas», sagt Georg Schmucki, der bis 2012 katholischer Pfarrer in Uzwil SG war, in der Ostschweiz am Sonntag. «Sie baten mich um den Segen für ihre Partnerschaft.» Er kam der Bitte nach. Die Segnung fand in einem Gottesdienst statt, das Ritual haben die beiden Frauen selber entwickelt: Sie salbten sich gegenseitig, versprachen sich Treue. Schliesslich bat Georg Schmucki um den Segen Gottes. «Das gehört zu meiner Aufgabe als Seelsorger.»

Vitus Huonder in Chur sei da allerdings anderer Meinung. «Dort herrscht ein zentralistisches, autoritäres Leitungsverständnis», sagt Schmucki und eine «überholte Bewertung der Homosexualität».

Das Recht soll dem Heil der Menschen dienen

Die Ostschweiz am Sonntag hat auch in der Pfarrei Wittenbach SG nachgefragt. Diese bietet Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren auf ihrer Homepage an. Eine konkrete Form dafür müsse man im Gespräch finden, sagte der Pfarreibeauftragte Christian Leutenegger gegenüber der Zeitung. «Das kann auch spannend sein.» Manche Elemente könnten einer Trauung ähneln, ein gegenseitiges Versprechen etwa. «Eine Gratwanderung», sagt Leutenegger. «Hochoffiziell kann ein Bischof dazu kaum Ja sagen», ist sich Leutenegger bewusst. «Deshalb würden wir es auch nicht an die grosse Glocke hängen.»

Das würde auch der Buchser Pfarrer Erich Guntli nicht. «Ich wäre gerne bereit, einen solchen Segen auszusprechen», sagt er gegenüber der Zeitung. Denn «den Segen verweigern darf man niemandem». Allerdings müsse man bei dieser Frage abwägen. Zwischen der Loyalität zur Kirche und dem Gewissen, «der höchsten Instanz. Das Recht soll so ausgelegt werden, dass es dem Heil der Menschen dient», sagt Guntli.

Politische Diskussion angelaufen

Homosexuelle Paare sollen ihre Beziehung künftig als offizielle Partnerschaft eintragen können. Der Nationalrat hat am vergangenen Dienstag als Erstrat dem Eintrag der registrierten Partnerschaft im Grundsatz zugestimmt. Der Wunsch nach Gleichstellung setzte sich gegen Bedenken von SVP, EVP und EDU durch, schreibt die Neue Zürcher Zeitung.

Eine interessante Parallele zur katholischen Kirche liefert die CVP. In ihrer Initiative zur Abschaffung der Heiratsstrafe definierte die Partei die Ehe als «Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau». In einer Erhebung des Umfrageinstituts GFS befürworten jedoch 70 Prozent der CVPler die Homo-Heirat, schreibt die Sonntagszeitung.

Mit der Homo-Ehe beschäftigt sich derzeit auch der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK). «Wir haben das seit zwei Monaten auf dem Radar und diskutieren das», sagt SEK-Geschäftsleiter Philippe Woodtli. «Grundsätzlich begrüssen wir verbindliche und auf Dauer angelegte Verbindungen.»

Die Schweizer Bischöfe halten an ihrer Position fest. «Es ist ein Anliegen der Bischöfe, dass die Ehe zwischen Mann und Frau eine Alleinstellung hat», sagte Walter Müller, Sprecher der Schweizer Bischofskonferenz, gegenüber der Sonntagszeitung. «Wir werden die Entwicklung nun genau verfolgen und entscheiden, wie wir am besten reagieren.»

Blick in die reformierte Kirche

In der evangelisch-reformierten Kirche wären Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare erlaubt. Trotzdem finden sie in der Ostschweiz nur selten statt. «Uns sind in den letzten zehn Jahren im Kanton St. Gallen drei Fälle bekannt», erklärte Martin Schmidt, Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, in der Ostschweiz am Sonntag. «Die reformierte Tradition ist demokratisch, es entscheidet das Kirchenparlament», so Schmidt. Deshalb sei sie wohl auch eher in der Lage, gesellschaftliche Veränderungen aufzunehmen.

Andererseits ist die Ehe in der reformierten Kirche auch nicht ein Sakrament wie in der katholischen Kirche. «Rein theologisch ist eine Trauung bei uns eine Segnung», sagt Schmidt. Eine Trauung werde sie in erster Linie durch das Vorliegen eines standesamtlichen Trauscheins.

Mit der neuen Kirchenordnung, die letztes Jahr in Kraft getreten ist, gibt es auch bei der evangelisch-reformierten Landeskirche des Thurgaus eine Grundlage für die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren, wenn auch keine explizite, sagte Aktuar Ernst Ritzi. Sie legt fest, dass zum Anlass bedeutender «lebensgeschichtlicher Ereignisse» auf Wunsch «gottesdienstliche Handlungen oder Segensfeiern» durchgeführt werden können.

Ungereimtes zu Abgängen in der katholischen Kirche

Die Schweiz am Sonntag nimmt sich der Änderungen im Sekretariat der Schweizer Bischofskonferenz an, wo der Sprecher Simon Spengler entlassen wurde und daraufhin auch der Interims-Präsident der katholischen Medienkommission, Werner De Schepper, den Hut nahm. Gegenüber der Zeitung erklärte der Schweizer Medienbischof, Alain de Raemy, die Bischöfe hätten die Nachfolge von de Schepper noch nicht in Angriff genommen. Auch stimme es nicht, dass Bischofssprecher Simon Spengler «Knall auf Fall auf die Strasse gestellt» worden sei. So habe er die Modalitäten seines Abgangs selber mitbestimmen können.

Spengler erklärte gegenüber der Zeitung, er sei «ohne Vorwarnung, ohne Anhörung und Vorgespräch» entlassen worden. Zu den Abgangsmodalitäten habe er bis heute nichts Schriftliches erhalten.

Im Fall De Schepper seien die Bischöfe bereits auf der Suche nach einer Alternative, schreibt die Zeitung. Nachdem der Churer Bischof Vitus Huonder De Scheppers eheliche Lebenssituation – er lebt getrennt von seiner Frau in einer neuen Beziehung – und seine Haltung zur Kirche mit Hinweis auf die «Weltwoche» gerügt habe, habe die Mehrheit der Bischöfe sich dafür ausgesprochen, dass man «der Sache auf den Grund gehen» müsse, so die Zeitung. Ein Bischof habe laut Recherchen gleichzeitig gesagt: Es sei nach einer Alternative zu De Schepper Ausschau zu halten. (gs)

Zeitungen | © Georges Scherrer
22. Februar 2015 | 15:37
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