Schweiz

Jugendevents sind sehr wohl nachhaltig!

27.6.17 (kath.ch) Plädoyer für Fairness und Objektivität! Dies verlangt Martin Iten in einer persönlichen Reaktion auf einen Beitrag von Thomas Boutellier auf kath.ch. Iten ist Präsident a.i. der ARGE Weltjugendtag.

Martin Iten

Einmal mehr hat ein «hoher» Funktionär kirchlicher Jugendarbeit den Jugendevents Nachhaltigkeit abgesprochen. Thomas Boutellier behauptet in einem etwas kuriosen Blogeintrag auf der Startseite von kath.ch, dass Anlässe wie die Taizé-Treffen und Weltjugendtage oder Bistumsjugendtreffen keine prägende Auswirkungen auf das Leben der jugendlichen TeilnehmerInnen hätten. Es geschehe durch sie keine «Ausrichtung des Lebens auf Jesus, die Kirche oder Gott». [sic]

Woher weiss Thomas Boutellier das? Ist er etwa ein Kenner der Szene? Beruft er sich auf persönliche langfristige Erfahrungswerte oder gar unabhängige Studien? Nein, er bringt ganz andere «Beweise». Erstens hat er selbst erst kürzlich eine Jugendgruppe nach Taizé begleitet und dabei offenbar festgestellt, dass diese Reise für die Jugendlichen nicht nachhaltig-prägend genug war. Zweitens sieht er einen Grund darin, dass in den letzten 30 Jahren in der Schweiz doch mindestens eine Taizé-Gruppe hätte entstehen müssen…

Seine Argumentation ist schwach und seine Analyse trifft nicht zu. Ich bin seit 16 Jahren stark mit den Weltjugendtagen verbunden. Zuerst als Teilnehmer, später als Mitorganisator und Verantwortlicher. Auch habe ich mehrmals Reisen nach Taizé unternommen. In all den Jahren habe ich sowohl in meinem eigenen Leben, wie auch in Leben von hunderten anderen TeilnehmerInnen solcher «Events», erlebt und gesehen, wie von dort ausgehende Impulse prägend und nachhaltig wurden.

Es sind inzwischen tausende junge Menschen, die an Weltjugendtreffen eine positive Gottes- und Kirchenerfahrung machten. Viele von ihnen fingen an, sich innerhalb der Kirche (zum Beispiel in der eigenen Pfarrei) zu engagieren oder fanden durch die Teilnahme an Weltjugendtagen neue Motivation, ihr Engagement weiterzuführen. Es sind nicht wenige geistliche Berufungen aus Weltjugendtreffen hervorgegangen, auch der «Rücklauf» an Personal in andere kirchliche Berufe ist vergleichsweise hoch.

Im Umfeld des Weltjugendtages sind in der Deutschschweiz dutzende Gebetsgruppen, Bewegungen und Initiativen entstanden und bestehen zum Teil schon seit Jahren und Jahrzehnten erfolgreich. Allein das Netzwerk rund um Adoray umfasst inzwischen mehrere hundert junge Menschen, die sich nachhaltig und selbstverantwortlich an 14 städtischen Standorten in der Schweiz engagieren.

Frische Medienangebote wie Fisherman.FM und Melchior Magazin inspirieren tausende junge Menschen im In- und Ausland. Jugendliche aus dem Umfeld des Weltjugendtages haben das Hilfswerks Mary’s Meals Schweiz gegründet und initiieren mit viel Herzblut Aktivitäten, um hungernden Kindern in Afrika mittels Nahrungs- und Bildungshilfen beizustehen. Es sind Pilgerreise-Angebote entstanden, Musikgruppen haben sich gebildet, Kunstprojekte wurden umgesetzt, und und und…

Anlässe wie die Weltjugendtage oder Taizé-Treffen sind sehr wohl prägend und nachhaltig. Sie sind oft Inspiration und Startpunkt für ein konkretes Leben mit Jesus und seiner Kirche. Erstaunlich ist, dass sie sich so erfolgreich durch die Jahrzehnte hindurch halten konnten und gar weiter wachsen. Dies trotz fehlender Unterstützung der grossen Finanzmaschinerien, trotz dauerhaftem Schlechtmachen Seitens einiger Funktionäre und trotz konsequenter Ehrenamtlichkeit in der eigenen Organisation.

Thomas Boutellier hat offensichtlich keine objektive Innensicht in die Dynamik der Jugendveranstaltungen. Somit fehlt auch die Kompetenz, die ihn zu einem Urteil berechtigt. Ferndiagnosen sollte er weder sich selber, noch anderen zutrauen. Es scheint mir angebracht, dass der Stellenleiter einer Jugendfachstelle, Präses der katholischen Pfadi der Schweiz und Mitglied des Jugendrates der Schweizer Bischofskonferenz die Chance nützt, um sich beispielsweise am Deutschschweizer Weltjugendtag vom 7. bis 9. Juli 2017 in Zürich ein authentisches Bild vor Ort zu machen. Er könnte dort endlich mal selber einen Weltjugendtag, immerhin das grösste jährlich stattfindende katholische Jugendtreffen des Landes, miterleben und dabei seine Vorurteile überdenken. Das wäre nichts als fair.

Ich rufe den vielen ehrenamtlichen Organisatoren von Taizé-Jugendtreffen, Weltjugendtagen und Bistumsjugendtreffen zu: Danke für euren grossartigen Einsatz! Er lohnt sich sehr wohl! (gs)

Schweizer Jugendliche auf dem WJT in Krakau | © wjt.ch
27. Juni 2017 | 14:31
Teilen Sie diesen Artikel!