Jan Loffeld: «Wir sind dabei, unser Monopol zu verlieren»
In seinem Buch «Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt» schreibt Jan Loffeld, dass vielen Menschen Gott mittlerweile egal sei. Woran er diese Gleichgültigkeit festmacht, erklärt der Religionssoziologe im Podcast «Laut + Leis».
«Natürlich an empirischen Daten, aber das war erst der zweite Schritt. Der erste Schritt ist meine eigene pastorale Erfahrung. Es gibt in jedem Leben immer wieder Kairos-Situationen. Eine Kairos-Situation ist für mich zum Beispiel eine Tauffeier gewesen, wo ich die Eltern gefragt habe, glaubt ihr an Gott? Da guckten sie, und es kam gar keine Antwort.
Das heisst, es gab zu den Inhalten dessen, was in der Taufe passiert, ja, kein Schulterzucken, aber es gab keinen inneren Konnex. Und dann kann man sich fragen, wo ist der geblieben?
Wahrscheinlich liegt er bei vielen noch in der Tradierung des Initiationsmomentes, wo immer noch, gerade in Mitteleuropa, die Kirchen eine der Monopolanbieter sind. Aber auch dieser Markt wird immer mehr pluralisiert. Was im übrigen auch für den Markt der Eheschliessungen, den Markt der Trauer- oder Abschiedsrituale gilt. Wir sind dabei, unser Monopol zu verlieren.
Das heisst, wenn der Glaube nicht mehr die innere Leitlinie oder die tiefste Motivation ist, das Kind taufen zu lassen, wird es irgendwann – und das sehen wir ja deutlich – Alternativen geben, die auch gerne gewählt werden, weil da eben nichts fehlt.»
Das sagt Jan Loffeld im Podcast «Laut + Leis». Er ist Priester in Münster und Professor für Praktische Theologie in Utrecht und hat Ende September an der Universität Luzern die diesjährige Otto-Karrer-Vorlesung gehalten. (sl)
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