Jüdischer Friedhof Friesenberg | © 2015 zVg
Schweiz
Jüdischer Friedhof Friesenberg | © 2015 zVg

Israelitische Cultusgemeinde Zürich lässt verwandte Frauen ans Grab

Zürich, 7.7.15 (kath.ch) Die Israelitische Cultusgemeinde Zürich (ICZ) hat am Montag, 6. Juli, die Begräbnisbestimmungen für die Frauen gelockert. Fortan werden Frauen beim Begräbnis eines verwandten oder befreundeten Verstorbenen an dessen Grab zugelassen und können sich an allen Handlungen beteiligen. Frédéric P. Weil, Generalsekretär der ICZ spricht gegenüber kath.ch von «praktischer Gleichberechtigung».

Bisher mussten befreundete und verwandte Frauen gemeinsam mit der übrigen weiblichen Trauergemeinde am Wegrand warten und waren nicht zum Grab zugelassen, zumindest offiziell. In Tat und Wahrheit wurde die Anwesenheit von Frauen am Grab bereits stillschweigend akzeptiert, wie das jüdische Wochenmagazin Tachles am Freitag, 3. Juli, schrieb. Die Initiantin der neuen Regelung, Chana Berlowitz, fand aber, die ICZ brauche eine gültige Bestimmung, um diese alte Regelung zu ändern.

Keine Geschlechtertrennung mehr in der Abdankungshalle

Am Montag wurde der Gemeindeversammlung der ICZ ein Programm präsentiert, das diese neuen Bestimmungen enthält. Die Frauen sind demzufolge nicht nur zum Grab des verwandten oder befreundeten Verstorbenen zugelassen. Sie können sich auch am Schaufeln beteiligen oder das Totengebet sprechen. Ausserdem soll unter der Trauergemeinde in der Abdankungshalle keine Geschlechtertrennung mehr herrschen. Laut Generalsekretär Weil hiess die Gemeindeversammlung alle vorgeschlagenen Änderungen gut.

Auf die Frage, ob da ein grosser Schritt gemacht worden sei, lacht Weil und meint: «Grosse Schritte gibt’s im Judentum selten. Veränderungen brauchen meist Jahre und Jahrzehnte.» In diesem Fall sei im Übrigen kein religiöses, sondern ein rabbinisches Gesetz geändert worden. Das sei einfacher anzupassen. Bei der ICZ reiche dazu ein Beschluss der Gemeinde und das grundsätzliche Einverständnis des Rabbinats. «Wir haben ein orthodox geführtes Rabbinat», sagt Weil. Doch bei rabbinischen Gesetzen gebe es Spielraum. Die ICZ sei eben moderner geworden, so Weil. (rp)

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