Schweiz

Henrici und Vollmar wurden vor 25 Jahren Weihbischöfe im Bistum Chur

Zürich, 30.5.18 (kath.ch) Peter Henrici und Paul Vollmar standen 1993 mit einem Mal im vollen Rampenlicht der Schweizer Öffentlichkeit. Was war geschehen? Papst Johannes Paul II. hatte die beiden Ordensleute ausersehen, um dem äusserst umstrittenen Churer Bischof Wolfgang Haas zur Seite zu stehen. Am Donnerstag werden die beiden Weihbischöfe mit einem Jubiläumsgottesdienst in Zürich für ihre Leistung honoriert.

Georges Scherrer

Das Ende der Geschichte ist bekannt. Wolfgang Haas wurde 1997 zum Erzbischof des neu errichteten Bistums Vaduz ernannt und verliess die Schweiz Richtung Liechtenstein. Doch bis es soweit war, wurde in der Kirche Schweiz viel Arbeit im Hintergrund geleistet, um den von der Mehrheit des Kirchenvolkes ungeliebten Bischof los zu werden.

Ein Meilenstein bei der Befriedung der «delikaten Situation», wie der Papst in der Ernennungsbulle von Henrici und Vollmar schrieb, war die Berufung der beiden Kleriker auf ihre neuen Posten im Bistum Chur. Der Jesuit Henrici und der Marianist Paul Vollmar wurden am 31. Mai 1993, also genau vor 25 Jahren, zu Weihbischöfen geweiht, damit sie dem Churer Oberhirten zur Seite stehen konnten.

Die Schwierigkeiten im Bistum Chur waren auch dem Papst in Rom bekannt. Mit der Ernennung der beiden Ordensmänner verband Johannes Paul II., wie er im Ernennungsschreiben festhielt, die Hoffnung, dass «die zwei neuen Weihbischöfe für das Bistum Chur zur Wiederherstellung der vollen kirchlichen Gemeinschaft in der Schweiz beitragen mögen».

Proteste begleiteten Bischofsweihe

Das war damals auch nötig. Der Churer Bischof Wolfgang Haas wühlte die Kirche Schweiz geradezu auf. Als Wolfgang Haas 1988 auf Wunsch des Churer Bischofs Johannes Vonderach zum Weihbischof «mit Nachfolgerecht» geweiht wurde, kam es vor der Kathedrale zu massiven Protesten. Gläubige behinderten den Zutritt zur Kathedrale mit einem Menschenteppich. Die Vertreter der Kantonalkirchenbehörden des Bistums blieben dem Weihegottesdienst fern wie auch 11 der 24 Churer Domherren.

Auch nach der Weihe wurde es um Haas nicht stiller. 1990 wurde er aufgrund des Nachfolgerechts Bischof von Chur. Mit zahlreichen Entscheiden sorgte er immer wieder für grosse Protestwellen, die schliesslich bis nach Rom drangen.

Damals war der Deutsche Karl-Josef Rauber Nuntius in Bern. Ihm wird nachgesagt, dass er wesentlich zur Lösung des «Fall Haas» in der Schweiz beigetragen hat.

Vom Lehrer zum Churer Feuerwehrmann

Rauber wirkte im Hintergrund. Vollmar und Henrici standen vorne hin und hielten den Kontakt mit Pfarreien und Kantonalkirchen. Beide Kirchenmänner haben den Weg nach Chur nicht gesucht. Damals wurde Paul Vollmar aus einer Laufbahn herausgerissen, die ihm sehr behagte. Als Kind habe ihm zwar vorgeschwebt, Gärtner zu werden, um in der Natur arbeiten zu können, erzählte er in einem Gespräch mit der Presseagentur Kipa. Er wählte aber seinen zweiten «Traumberuf»: Priester. Nach der Weihe wurde er zudem Lehrer. 1968 ging er als solcher an die Freie Katholische Schule Sumatra in Zürich, die 1949 von den Marianisten übernommen worden war. Als Rektor stand er dieser von 1972 bis 1984 vor.

Die Marianisten machten insofern einen Strich durch seine Lehrerlaufbahn, als sie ihn zum Provinzial ernannten. Er zügelte ins Wallis. «Die Mitbrüder wussten, dass ich leidenschaftlich Lehrer bin. In Sitten wollte mich das Lehrerseminar anstellen.» Um dies zu «verhindern», wechselte Vollmar ins Bildungshaus der Marianisten nach Freiburg. Dort wirkte er auch als Spiritual der Priesterseminare von Sitten und Freiburg, bis dann der Ruf als Feuerwehrmann nach Chur erfolgte.

Akademische Laufbahn in Rom abrupt beendet

Ähnliches weiss der Jesuit Peter Henrici zu berichten, der 1960 in Rom eine erfolgreiche akademische Laufbahn begann. So hatte er etwa 1979 an der päpstlichen Universität Gregoriana das «Centro Interdisciplinare sulla Communicazione Soziale» gegründet und auch als erster Direktor geleitet. Er gehörte zu den Mitherausgebern der internationalen katholischen Zeitschrift «Communio».

Der Lehre und Forschung verbunden blieb Henrici allerdings auch nach seiner Berufung zum Weihbischof des Bistums Chur. Viele Jahre wirkte er als Gastprofessor an der Theologischen Hochschule Chur. 2008 hat ihn diese zum Honorarprofessor ernannt.

Kommunikativ und Führungserfahren

Vollmars und Henricis kommunikative Persönlichkeiten und Führungserfahrungen trugen dazu bei, dass Papst Johannes Paul II, sie ins Bistum Chur berief. Auf Haas folgte Bischof Amédée Grab. Unter ihm erlebte das Bistum eine Zeit der Ruhe.

Mit der Wahl von Vitus Huonder zum Bischof von Chur brachen im Bistum die alten Gräben zum Teil wieder auf.

Protest vor der Kathedrale in Chur gegen Bischof Wolfgang Haas. | © Keystone
30. Mai 2018 | 12:55
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Kardinal Rauber an Jubiläumsfeier

Am 4. März 1993 ernannte Papst Johannes Paul II. Paul Vollmar und Peter Henrici zu Weihbischöfen für das Bistum Chur. Der damalige Kardinalpräfekt der Kongregation für die Bischöfe, Bernardin Gantin, weihte sie am 31. Mai 1993 zu Bischöfen.

Am 31. Mai 2018 wird in Zürich der Leistung der beiden Weihbischöfe für die Befriedung des Bistums Chur gedacht. Ein öffentlicher Jubiläumsgottesdienst in der Liebfrauenkirche, der um 18.15 Uhr beginnt, beschliesst den Tag. Der frühere Nuntius in der Schweiz, Kardinal Karl-Josef Rauber, nimmt als besonderer Gast an dieser Feier teil.