Schweiz

Haartrockner im Gotteshaus: Studierende machen aus Kirche Kunst

Die katholische Kirche in der Stadt Zürich will die Menschen besser erreichen. Kunst-Studierende machen aus der Kirche Dreikönigen in Zürich-Enge Kunst. Eine zentrale Rolle haben Haartrockner.

Ueli Abt

Das Geräusch eines Föhns mag alltäglich tönen – in sakraler Umgebung allerdings nicht. In der Kirche Dreikönigen im Zürcher Quartier Enge sind die Haartrockner Teil einer Kunstinstallation. Sie sind zwischen Kirchenbänken und auf Stativen befestigt. Alessia Wiss, Colin Schmid, Edna Hirsbrunner und Janina Tanner heissen die vier Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), die ihre Arbeit eigens für den Kirchenraum gestaltet haben.

Den Raum neu wahrnehmen

Wer in der Kirche den Mittelgang betritt und nach oben schaut, sieht derzeit zwei segelartige, liegende Rechtecksflächen aus milchig-transparenter Plastikfolie. Die Föhn-Luftströme bringen die Folien dazu, sich zeitlupenartig aufzuwölben. Per Seilzug bringen Motoren die Folien anschliessend wieder in ihre Ausgangslage zurück.

Auftraggeber für die Kunstinstallation ist die katholische Kirche in Zürich. Projektleiter Meinrad Furrer hat die Veranstaltungsserie «Weit&» in Zusammenarbeit mit der ZHdK im Rahmen des Angebots «Kirche Urban» ins Leben gerufen.

Experimente im «Labor der Kirche»

Auftrag von «Kirche Urban» sei es, neue Formate auszuprobieren. «Wir sind das Labor der Kirche in der Stadt Zürich», sagt Furrer. «Mit dem bisherigen Angebot der Kirchen erreichen wir 90 Prozent der Menschen nicht mehr.» Im kath.ch-Video erklärt er, was die Installation mit dem Advent zu tun hat.

Die Installation mit dem Titel «Wie lange ist jetzt?» ist Teil der Veranstaltungsserie «weit&». Der Titel des Formats steht für einen «weitenden Blick auf den Kirchenraum und für einen weiten und überraschenden Blick auf die eigene Spiritualität», wie auf kircheurban.ch nachzulesen ist: «In der Gestaltung der Architektur werden spirituelle Haltungen sichtbar. Die Gestaltung der Räume machen wiederum spirituelle Erfahrungen möglich.»

Neue Raumerfahrung in der Zürcher Dreikönigen-Kirche.

Auf der Facebook-Seite von «Kircheurban» und auf Instagram haben die Studierenden den Entstehungsprozess ihrer Arbeit dokumentiert.


Besucher können die Installation vom 3. bis 5. Dezember in der Dreikönigs-Kirche in Zürich-Wollishofen erleben. Sie ist von 12 bis 17 Uhr zugänglich. Projektleiter Meinrad Furrer predigt zur Installation im Gottesdienst am Samstag, 5. Dezember, um 17.30 Uhr sowie am Sonntag, 6. Dezember, um 10.30 Uhr. Finissage ist am Sonntag von 11.30-13.00 Uhr.


«Wie lange ist jetzt?» – Kunstinstallation in der Kirche Dreikönigen im Zürcher Enge-Quartier. | © Ueli Abt
4. Dezember 2020 | 12:08
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