Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim, und neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz am 24. Februar 2026 in Würzburg.
International

«Gott ins Zentrum stellen» – Heiner Wilmer will vermitteln

Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben einen neuen Vorsitzenden gewählt. In seiner ersten Ansprache macht Heiner Wilmer deutlich: Innerkirchliche Reformen sind nicht sein Hauptthema.

Bernward Loheide und Hannah Krewer (KNA)

Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hat in seiner ersten Ansprache deutlich gemacht, dass er zwischen konservativen und liberalen Bischöfen vermitteln will.

Der 64 Jahre alte Bischof von Hildesheim wurde am Dienstag in Würzburg zum Nachfolger des Limburger Bischofs Georg Bätzing gewählt, der nicht mehr antrat. Während Bätzing offensiv für Kirchenreformen eintritt, äusserte sich Wilmer zurückhaltender und frommer. «Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, Gott ins Zentrum zu stellen», sagte er.

«Kompetenz von Frauen sichtbar machen»

Auf die Frage, ob er für eine Priesterweihe von Frauen sei, antwortete Wilmer: «Es geht darum, die Kompetenz von Frauen sichtbar zu machen und wichtige Positionen mit Frauen zu besetzen.» Er begrüsse es, «dass die Weltsynode das Thema Frauen in Ämtern auf der Tagesordnung hat».

Wilmer hat mehrere Jahre in Rom gelebt, spricht fliessend Italienisch und hat sehr gute Kontakte in den Vatikan. Auch dies dürfte ein Grund für seine Wahl gewesen sein. Denn vom neuen Vorsitzenden wird erwartet, dass er die Spaltung der Bischofskonferenz beim Umgang mit dem Reformprojekt Synodaler Weg überwindet und auch Differenzen mit dem Vatikan beilegt.

Bischofskonferenz gespalten

Vier konservative Bischöfe in Deutschland hatten sich aus dem Reformprojekt zurückgezogen, in dem es etwa um innerkirchliche Gewaltenteilung, eine neue Sexualmoral und um Weiheämter für Frauen geht. In der Kirchenleitung in Rom gab es ebenfalls starke Bedenken – auch gegen die geplante Einrichtung eines synodalen Gremiums, in dem Bischöfe und Laien gemeinsam über wichtige Fragen entscheiden sollen.

Die Satzung dieser Synodalkonferenz soll in Würzburg abgesegnet werden.

«Meine Mitbrüder wollen Gleiches»

Auf die Frage, wie er die Bischofskonferenz zu einer Einheit führen will, ging Wilmer nicht konkret ein, sondern sagte: «Ich bin fest davon überzeugt, dass alle meine Mitbrüder Gleiches wollen, nämlich das Evangelium zu verkünden, die frohe Botschaft zu leben und auszustrahlen und so im Sinne des Höchsten zu handeln.»

Wilmer ist der erste Ordensmann an der Spitze der Bischofskonferenz nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit 19 Jahren trat er in die Gemeinschaft der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) ein. Er studierte Theologie und weitere Geisteswissenschaften in Freiburg, Paris und Rom.

Der promovierte Theologe arbeitete zeitweise als Lehrer in der New Yorker Bronx, leitete später das ordenseigene Gymnasium in Handrup (Emsland) und wurde 2007 Provinzial der deutschen Ordensprovinz. 2015 wechselte er nach Rom, wo er als Generaloberer die weltweite Leitung des Ordens übernahm und enge Kontakte in den Vatikan knüpfte. Seit 2018 steht er an der Spitze des Bistums Hildesheim.

Verbände mahnen: Reformen fortsetzen

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, appellierte an den Reformwillen des neuen Vorsitzenden: «Wir brauchen Ihr Herz für Reform und Zusammenhalt», schrieb sie in ihrem Glückwunschbrief. Wilmers Wahl sei eine Richtungsentscheidung für die Kirche in Deutschland.

Auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) mahnten die Fortführung von Reformen an. «Insbesondere junge Menschen erwarten Beteiligung, Transparenz und eine Umsetzung der getroffenen Entscheidungen», mahnte der BDKJ-Vorsitzende Volker Andres.

Evangelische Kirche optimistisch

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, sagte, sie habe Wilmer als einen aufgeschlossenen und weltgewandten Gesprächspartner kennengelernt, der Strukturreformen mit geistlicher Erneuerung verbinden wolle. Das lasse sie mit grosser Zuversicht auf die künftige Zusammenarbeit zwischen evangelischer und katholischer Kirche blicken.

Bundesweit profilierte sich Wilmer zuletzt mit gesellschaftspolitischen Stellungnahmen, etwa zu Demokratie, Sozialstaat und Klimaschutz. In der Bischofskonferenz leitete er bisher die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen.

Wilmer will Missbrauchsbetroffene hören

Wilmer wandte sich in seiner ersten Pressekonferenz als Vorsitzender auch an Betroffene sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche: Ihre Stimmen müssten gehört werden, jeder Schritt der Aufarbeitung gewinne durch das Zeugnis von Betroffenen an Tiefe und Wahrheit.

Die Bischöfe bestätigten ihre Generalsekretärin Beate Gilles (55) im Amt. Sie hatte 2021 als erste Frau das Generalsekretärsamt der Bischofskonferenz übernommen. Ausserdem bestätigten die Bischöfe ihren Pressesprecher Matthias Kopp im Amt.

Anzeige ↓ Anzeige ↑

Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim, und neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz am 24. Februar 2026 in Würzburg. | © Harald Oppitz/KNA
25. Februar 2026 | 07:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!